Die Post-Corona-Ära lässt grüßen! Mächtige Staatschefs lassen bereits durchklingen, wie unser Leben im „globalen Reset“ nach der Pandemie aussehen könnte.

Von Kornelia Kirchweger

Chinas kommunistischer Staatschef, Xi Jinping, forderte kürzlich einen global anerkannten Gesundheits-Barcode, der Auskunft über Gesundheitszustand und Reisegenehmigungen einer Person gibt. Menschen können dann ungehindert grenzüberschreitend reisen. Das müsse ein „globaler Mechanismus“ sein, mehr Länder sollen daran teilnehmen.

Totalkontrolle

Das System könnte auf „Nukleinsäure-Testergebnissen“ in Form international anerkannter QR-Codes beruhen. Man müsse Richtlinien und Standards weiter harmonisieren und rasche Nachverfolgungsmöglichkeiten schaffen, um einen geordneten Personenfluss zu erleichtern, sagte er beim virtuellen G-20-Gipfel vor einer Woche. Man hoffe, dass mehr Länder daran teilnehmen. Xi ging nicht darauf ein, wie das internationale System funktionieren könnte und ob es dem Vorbild, des in China weit verbreiteten Gesundheitskodex-Systems, folgt.

Wie Waren gescannt

QR-Codes sind Barcodes, die von Mobiltelefonen gelesen werden können und sind im kommunistischen China ein gängiges Instrument zur Verfolgung und Kontrolle. Kritiker sprechen bereits von einem Schritt zum Social Engineering. Der Barcode wäre wohl am Anfang auf dem Mobiltelefon, könnte aber, nach einer Gewöhnungsphase, auch direkt am Körper getragen und bequem – wie eine Ware am Laufband – abgescannt werden, befürchten manche. Technisch wäre das einfach möglich. In einem Tweet warnte Human Rights Watch-Chef, Kenneth Roth, vor dem Xi-Vorschlag. „Ein anfänglicher Fokus auf Gesundheit könnte leicht zu einem Trojanischen Pferd für eine breitere politische Überwachung und Ausgrenzung werden“, sagte er.

Gesichtserkennung in drei Sekunden

China hat im Februar seinen Bürgern auf dem Handy einen Gesundheitscode im Ampelstil verpasst. Grün bedeutete Reisefreiheit, orange oder rot hieß: bis zu zwei Wochen Quarantäne. Die Codes basieren auf einer Kombination aus Big Data und Informationen, die von den Benutzern selbst übermittelt wurden. China hat in den letzten zehn Jahren ein eigenes Massenüberwachungsnetz aufgebaut, in dem Hunderte Millionen Straßenkameras zum Einsatz kommen. Das Überwachungsnetzwerk gilt als das leistungsstärkste Gesichtserkennungssystem der Welt und soll innerhalb von drei Sekunden einen seiner 1,4 Milliarden Bürger identifizieren. China sucht laufend nach weiteren digitalen Methoden, um sicherzustellen, dass seine Bürger die Vorschriften des Einparteienstaates einhalten.