Dr. Markus Krall ist Bestseller-Autor und ein lauter Kritiker unseres Wirtschafts- und Finanzsystems. Seit vielen Jahren kündigt er dessen Kollaps für 2020 an. Jetzt sind wir, wie prophezeit, mittendrin. Offiziell aufgrund des Corona-Virus. Daran hegt Krall jedoch starke Zweifel. Die „vermeintliche Gefahr“ Covid diene als dankbarer Sündenbock.

Ein Interview geführt von Elsa Mittmannsgruber

Sie sagten schon lange die große Wirtschaftskrise für Herbst 2020 voraus. Nun ist sie da, aber vorgeblich wegen Corona. Zufall?

Corona ist nicht der Grund für unser Problem, es hat es lediglich vorgezogen, vertieft und dafür gesorgt, dass alles sehr viel schneller geht. Die Ungleichgewichte waren schon davor da und kommen jetzt zur Entladung.

Wie konnte es sonst sein, dass nach vier Wochen Lockdown, also vergleichbar mit einem längeren Sommerurlaub, bereits ein großer Teil der Unternehmen mit dem Rücken zur Wand stand? Da muss doch vorher schon was passiert sein.

Und zwar ist die Unternehmenslandschaft, die Realwirtschaft, ausgehöhlt worden. Durch Bürokratie, übermäßige Steuerlast und durch Zombifizierung, die die Geldpolitik verursacht.

Man hat schlechte Unternehmen, die eigentlich in die Pleite gehen hätten sollen, am Leben erhalten und damit Ressourcen, Kapital, Talent und Humankapital in schlechter Verwendung gebunden. Und das hat einen immer größeren Teil der Wirtschaft ineffizient gemacht.

Corona als Vorwand

Es gibt das Gerücht, dass Corona nur als Vorwand benutzt wird, um das Finanzsystem nach dem Crash nicht infrage stellen zu müssen. Was sagen Sie dazu?

Das ist kein Gerücht. Es hat eine Reihe politischer Maßnahmen der EZB, auch Rettungsmaßnahmen, bereits im Frühjahr gegeben. Das ist den meisten Leuten nur nicht aufgefallen.

Und diese Maßnahmen der FED und der EZB vom Frühjahr sind, zeitlich betrachtet, koinzident mit der Corona-Politik. Das heißt: Den Herrschaften ist es gerade recht gekommen, dass sie einen Sündenbock haben, auf den sie in der Außenkommunikation das ganze Problem abwälzen können und nicht zugeben müssen, dass sie uns mit einer falschen Geld- und Wirtschaftspolitik in den letzten zwanzig Jahren in das Desaster geführt haben.

Es heißt ja immer, man solle die Krise auch als Chance sehen. Wie aber soll man die richtigen Lehren ziehen, wenn Corona als Sündenbock vorgeschoben wird?

Ich glaube, die Lehren werden trotzdem daraus gezogen werden. Und zwar aus dem ganz einfachen Grund, weil uns die Politik seit fast drei Quartalen ohne Unterlass erzählt, dass das unaufhörliche Gelddrucken keine Folgen hat und alles mit gedrucktem Geld zu lösen ist.

Das wird aber in die Inflation führen, und zwar sehr plötzlich. Da werden alle auf dem linken Fuß erwischt werden. Und dieses Desaster wird so groß sein, dass die Glaubwürdigkeit der Politik dahin ist. Denn an eines werden sich die Leute erinnern: dass man ihnen gesagt hat, wir können diese Gelddruckmaschine anwerfen, ohne dass es zur Katastrophe kommt.

Kampf für die Freiheit

Und was dann? Glauben Sie auch an ein goldenes Zeitalter nach der Krise wie Crash-Prophet Marc Friedrich?

Ja, ich hoffe es zumindest. Aber das bekommen wir nicht umsonst. Ich glaube, dass der Crash die größte und beste Chance in 200 Jahren bietet. Die Chance, eine wirklich freie Gesellschaft aufzubauen.

Dazu müssen wir uns aber hinstellen und diese mit Nachdruck verlangen. Nicht nach dem Motto: Wir klopfen mal im Kanzleramt ans Türchen und sagen, dass wir gerne freie Menschen wären. Und dann spuckt uns einer auf den Kopf und sagt uns: Kriegt ihr nicht  – und wir gehen wie begossene Pudel wieder nach Hause.

So wird es nicht funktionieren, sondern die freie Gesellschaft muss man sich erkämpfen. Hoffentlich friedlich, aber wenn das nicht geht … Also ich bin nicht bereit, eine unfreie Gesellschaft hinzunehmen. Thomas Jeffersen hat einmal gesagt: „Der Baum der Freiheit muss von Zeit zu Zeit mit dem Blut von Patrioten und Tyrannen begossen werden.

Dies ist der Freiheit natürlicher Dünger.“ Ich hoffe nicht, dass wir das brauchen. Aber frei nach dem deutschen Grundgesetz, Artikel 20/4, ist gegenüber jedem Widerstand zu leisten, der versucht, Freiheit und Demokratie abzuschaffen; und mit Widerstand ist an dieser Stelle nicht demonstrieren und streiken gemeint. 

Die Demokratie verteidigen

Was sollen wir aktuell tun?

Den aktuellen Ablauf der ganzen Sache können wir wahrscheinlich nicht mehr beeinflussen. Aber wir können uns vorbereiten, indem wir einerseits unser Vermögen so aufstellen, dass es halbwegs durch die Krise kommt und am Ende noch was da ist.

Und wir können uns organisieren, wir müssen kampagnenfähig werden, wir müssen unsere verfassungsmäßigen Rechte laut einfordern, wir müssen eine Programmatik entwickeln. Demokratie ist nicht der Gang zur Wahlurne alle paar Jahre, sondern die Teilhabe des mündigen Bürgers am politischen Entscheidungsprozess.

Aber wie funktionieren derzeit die Demokratien in Europa? Sie sind Parteienherrschaften. Alle vier Jahre darf der Souverän, dem eigentlich die Macht gehört, einmal antreten, berieselt und behagelt von den Staatsmedien, die einen einseitig informieren. Dann soll er mit dem Kopf nicken und sich bedanken, dass die Parteien ihn entmündigt haben und er an der politischen Willensbildung nicht mitwirken, sondern sie nur abwinken darf.

Man soll die derzeitige Form der Demokratie auch kritisieren dürfen, sie ist nicht in Stein gemeißelt. Wer die Demokratie verteidigen will, der muss sie analysieren, ihre Schwächen erkennen und an diesen arbeiten. Wir sollten erreichen, dass sich die Gesellschaft am Höhepunkt der Krise für eine freie Gesellschaft entscheidet, wir eine freie Ordnung bekommen. Dann haben wir unsere besten Zeiten auf jeden Fall noch vor uns.