Keine gute Nachricht, noch mehr Unsicherheit für Bürger und Regierungen und die große Frage: was kann und macht das Corona-Virus wirklich? Denn laut WHO gibt es keine gesicherten Anhaltspunkte dafür, dass Corona-Antikörper im Blut Schutz gegen eine Erkrankung bzw. eine Neu-Infektion bieten. In Südkorea gibt es zunehmend Fälle von Re-Infektionen bei als „negativ“ getesteten Personen. Die WHO warnte letzten Freitag auch vor zu hohen Erwartungen bezüglich Herdenimmunität und vor ungenauen Antikörper-Tests die falsche Ergebnisse liefern könnten.

Ein Bericht von Kornelia Kirchweger

Serologische Tests erkennen Virus nicht

Denn diese „serologischen Tests“ erkennen nicht das Virus selbst, lediglich die Antikörper. Das sind Proteine, die an der Oberfläche von Viren oder Bakterien haften und diese abwehren können. Die Tests messen den Gehalt an Antikörpern – diese sind eine Reaktion, die der Körper ein oder zwei Wochen nach Infektion mit dem Virus zeigt. Das bedeute aber nicht, dass jemand mit Antikörpern immun sei. Man müsse auch die Länge des Schutzes untersuchen, den Antikörper bieten können.

Ungesicherte Test-Qualität

Der zuständige WHO-Experte, Mark Ryan, rief die Länder zur Vorsicht auf, sich mit diesen Tests auf die Feststellung von Immunität zu verlassen. Es gebe viel Unsicherheit bezüglich Effektivität und Leistungsfähigkeit der Tests. Manche haben Probleme bei der Genauigkeit. Sie können zu falschem „negativ“-Ergebnis führen – dann glaubt der Betroffene er sei geschützt in einer Situation, wo er sich dem Virus aussetzt – tatsächlich könnte er sich aber anstecken. Die für COVID-19 zuständige WHO-Expertin Maria van Kerkhove forderte daher eine Art Gütesiegel für diese Tests, um sicherzustellen, dass sie messen, was sie zu messen versuchen.

„Normalisierung“ kann lange dauern

Ryan sagte, selbst wenn Antikörper wirksam seien, gebe es offensichtlich noch nicht sehr viele Menschen, die diese nach einer Ansteckung mit dem Virus entwickelt haben. Damit existiere auch keine Herdenimmunität einer breiten Bevölkerung. Auf dieses Konzept setzt ja Schweden und preist diesen Weg als Erfolgsmodell. Entwickle sich aber keine Herdenimmunität, bestehe die Gefahr, dass sich das Virus erneut ausbreitet, wenn die Maßnahmen für „soziale Distanzierung“ aufgehoben werden. Regierungen hoffen zwar darauf, aber Vieles weist auf das Gegenteil hin. Österreich und andere Länder in Europa wollen ja – nach regelmäßiger Evaluierung der aktuellen Corona-Lage – eine stufenweise „Normalisierung“ einführen. Die Warnungen der WHO sind dafür kein besonders gutes Zeichen.

Top-Virologe widerspricht Influenza-Vergleich

Aussagen diverser Experten, dass uns das Virus noch Jahre verfolgen könnte, sind damit nicht ganz vom Tisch zu wischen. Auch der in Linz geborene und in New York tätige renommierte Virologe, Peter Palese, bestärkt das. Dem häufig vorgebrachten Argument, Corona sei nicht gefährlicher als Influenza-Viren, widerspricht er: der Unterschied sei, dass wir alle Antikörper gegen Influenza-Viren haben und damit zum Teil immun sind. Gegen das Corona-Virus gebe es aber keine Immunität. Außerdem haben wir keine antiviralen Medikamente und Impfstoffe gegen die durch Corona ausgelöste Krankheit COVID-19.