Wie viele Jahre soll uns die vorgebliche Corona-Pandemie noch begleiten? Geschäftemacher hoffen wohl auf eine lange Zeit. Seit Monaten produzieren namhafte Verlage sogar Kinderbücher, die das „richtige Verhalten“ während der Corona-Krise vermitteln sollen. Kritiker sprechen von systematischer Gehirnwäsche. Ist diese Meinung überzogen?

Von Willi Huber

Das Bildungssystem wurde von den oft willkürlich anmutenden Corona-Maßnahmen am meisten durcheinander gewirbelt. Nur wenige Erzieher oder Lehrer können den widersprüchlichen, unvollständigen und oft täglich abgeänderten Vorgaben aus den Ministerien etwas abgewinnen.

Und dennoch haben sie die momentan wenig dankbare Aufgabe, mitten im Corona-Chaos nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern die Situation auch den Kleinsten kindgerecht zu erklären. Nun haben zahlreiche namhafte Verlage Kinderbücher herausgebracht, mit denen die Eltern und Erzieher unterstützt werden sollen.

Virtuelle und reale Buchhandlungen bieten Titel wie „Lena’s Maske“ (sic!), „Wir sind auch mit Abstand Klasse!“, „Ein Corona-Regenbogen für Anna und Moritz“, „Drin-bleib-Monster“ und mehr.

Corona-Regeln schon für die Kleinsten

In der Carlsen-Lesemaus-Reihe erschien das Buch „Conni macht Mut in Zeiten von Corona“, empfohlen ab 3 Jahren. Es soll also schon den Kleinsten vorgelesen werden. Der Klappentext gibt Auskunft: „Eigentlich möchte Conni so gern wieder mit ihren Freunden herumtoben, zum Kindersport und ins Schwimmbad.

Aber das geht gerade noch nicht, erklären ihr Mama und Papa. Schuld daran ist das Corona-Virus. Das ist sehr ansteckend und kann krank machen. Aber zum Glück kann man sich schützen, wenn man ein paar einfache Regeln einhält.“ Im Buch werden die Anweisungen konkreter: „Erklären Sie Ihrem Kind, dass die Krankheit ähnlich wie eine Grippe ist, aber dass es derzeit noch keinen Impfstoff dagegen gibt und nur ganz wenige Menschen schon immun gegen diese neue Krankheit sind“.

Spätestens hier wird klar: Dieses und andere Bücher sind ohne Frage gut gemeint, vermitteln aber ausschließlich die von Regierung und etablierten Medien vorgegebene Sicht auf die Dinge.

Wir schaffen das

Dabei versuchten die Autoren, sich gegenseitig in Konformität zu überbieten. Ständiges Händewaschen, Maskenpflicht, Abstand und vieles mehr – alle umstrittenen Maßnahmen werden ausschließlich als positive und alternativlose Notwendigkeit dargestellt. Im Conni-Band führt das zu merkwürdigen Aussagen wie „Sogar Mau (Anm.: die Hauskatze) putzt sich gründlicher als sonst.“ Multikulti-Abbildungen unterstreichen hier wie auch in anderen Büchern die neue Realität.

Die letzte Seite deklariert: „Gemeinsam schaffen wir das!“ Die Merkel-Raute bleibt den Kleinsten aber glücklicherweise erspart. Bundeskanzler Sebastian Kurz könnte besondere Freude am Pixi-Buch „Corona und der Elefantenabstand“ haben. „Papa sagt: ‚Gerade weil es so klein ist, kann es unbemerkt von Mensch zu Mensch hüpfen – und sie krank machen.‘ – ‚Das Virus kann hüpfen?‘, staunt Selma.“ Da staunten auch wir.

Angebliche wissenschaftliche Autorität

Außerdem würden sich Kinder gut merken, dass man Abstand in der Größe eines Elefanten halten müsse. Wie viele Kinder in Mitteleuropa schon einmal einen Elefanten gesehen haben, bleibt offen. Laut Carlsen-Verlag ist die Geschichte „mit fachlicher Beratung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin entstanden.“ Solche Beteuerungen finden sich bei mehreren Autoren und vermitteln eine wissenschaftliche Autorität.

Der beliebte Illustrator Axel Scheffler („Grüffelo“) gestaltete das Buch „Corona­virus – Ein Buch für Kinder“, das im BELTZ & Gelberg Verlag erschienen ist. Darin sollen laut Verlag „fachlich fundierte Infos Kindern gut verständlich vermittelt werden – und das mit jeder Menge toller Illustrationen.“ Hier beruft man sich auf Beratung durch einen Professor Graham Medley, Professor für Infektionsepidemiologie an der London School of Hygiene & Tropical Medicine.

Förderung von Panik

Bereits auf den ersten Seiten sieht man einen Jugendlichen, der mit einem lauten „Hatschi!“ niest. Andere Comicfiguren befürchten: „Könnte das Coronavirus sein …“. Diese Entwicklung befürchten mittlerweile viele Menschen in Hinblick auf die im Herbst beginnende Erkältungs- und Grippesaison.

Und tatsächlich werden erkältete Kinder von hysterischen Lehrern schon einmal dem Ministerium gemeldet und nach Hause geschickt. „Aber mir geht es doch gut, Mama“, sagt ein Kind – so wie es auch in der Realität geschehen dürfte. Doch Panik scheint den Autoren so wichtig zu sein wie der Bundesregierung. Sie erklären – übrigens ohne wissenschaftlich gesicherte Faktenlage – dass Kinder das Virus auch ohne Symptome in sich tragen und es unbemerkt an andere weitergeben können.

Gute Geschäfte

Sicher ist, dass mit dem Stichwort „Corona“ zumindest bei gut meinenden Anverwandten ausgezeichnet Kasse gemacht werden kann. „Conni macht Mut“ steht auf Platz eins der Amazon-Hitlisten in der Rubrik Allgemeinbildung. Das Pixibuch zählt zu den „Pixi-Bestsellern“. „Ein Corona-Regenbogen für Anna und Moritz“ steht auf Platz drei in „Kinderbücher über Krankheiten“.

So gut es wäre, unseren Kleinsten die Angst zu nehmen, so wichtig wäre es auch, ihnen zu vermitteln, dass ihre Großeltern ihre Liebe gerade jetzt besonders brauchen. Aber auch, dass nicht immer alles die ganze Wahrheit ist, nur weil ein Erwachsener etwas äußert oder es gar aufzeichnet. Selbständiges Denken und Hinterfragen von Dingen wird jedenfalls in keinem der zahlreichen Bücher thematisiert.