Die Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen sind mittlerweile ebenso zu einem weltweiten Phänomen geworden wie die Maßnahmen an sich. Ausgehend von Bürgerrechtsbewegungen aus den USA wächst der Protest über ganz Europa. Am vergangenen Wochenende fanden österreichweit Kundgebungen mit mehreren tausend Teilnehmern statt.

Ein Bericht von Bernadette Conrads und Vanessa Renner

So skandierten am Freitag auch in Linz rund 400 Demonstranten: „Widerstand, Widerstand!“ – Die Maßnahmen seien unmenschlich, überschießend, freiheitsberaubend und würden letztendlich in eine Wirtschaftskrise führen.

Wind und Wetter getrotzt

Verena Friedl ist gemeinsam mit ihrer Schwester an diesem regnerischen Freitag auf den Linzer Hauptplatz gekommen. Sie wollen sich später keine Vorwürfe machen, „weggeschaut“ zu haben, erklärt eine der beiden. Die Schwestern bewegt das Leid ihrer Eltern im Pflegeheim. Viele ältere Menschen hätten seit Februar keinen Besuch mehr erhalten und würden stark abbauen.

Frau Friedl fürchtet, dass viele Senioren allein schon aufgrund der Einsamkeit versterben würden. Die Unmenschlichkeit treffe damit die Schwächsten der Schwachen, die man derzeit schlechter behandle als Schwerverbrecher.

Andi demonstriert nicht zum ersten Mal gegen die Corona-Maßnahmen. Die Freiheit der Menschen sei ihm ein wichtiges Anliegen. Das schwedische Modell findet er vorbildlich. Dort habe man zur Vernunft aufgerufen und den Menschen letztlich ihre Freiheit gelassen, anstatt rigorose Maßnahmen zu setzen.

Unter den Demonstranten finden sich viele Unternehmer. Sie sind sich sicher: Die Betriebe stehen nicht wegen Corona still, sondern wegen der Maßnahmen. Dabei fühlten sie sich von Kurz‘ ungeschütztem Gesichtsbad im Kleinwalsertal verhöhnt.

Veranstalterin Edith Brötzner schildert die Situation der Selbstständigen bildhaft: „Man bindet uns die Hände zusammen, betoniert uns die Füße ein, wirft uns ins Wasser, wirft uns Schwimmflügel nach und sagt: Schwimm!“ Derzeit würden noch viele Angestellte die Dramatik der wirtschaftlichen Situation unterschätzen.

Sie würden noch an die versprochenen Unternehmensrettungen glauben. Spätestens, wenn das Urlaubsgeld weniger werde und die Arbeitslosigkeit ins Haus stünde, werden auch sie aufwachen, prophezeit sie.

Für die Meinungsfreiheit

Die Veranstalter werfen der Regierung die Einschränkung der Meinungsfreiheit vor. So würden Ärzte um ihre Zulassung fürchten müssen, sobald sie die Gefährlichkeit des Virus in Frage stellten.

Ein anderer Redner ist der Meinung, die Medien hätten im Interesse der Regierung in Bezug auf die Gefährlichkeit des Corona-Virus vorwiegend manipuliert, anstatt zu informieren. Als Kampfsymbol für die Freiheit gaben die Veranstalter gelbe Rosen an die Demonstranten aus.