Obwohl das Ansteckungsrisiko in Flüchtlingsheimen als besonders hoch eingeschätzt wird, gibt es in Nordrhein-Westfalen (NRW) erst jetzt die ersten Impfaktionen in den Einrichtungen. Allerdings werden diese offenbar nicht besonders gut angenommen, wie ein Beispiel aus Essen zeigt. Nicht einmal die Hälfte der zur Corona-Impfung Angemeldeten ist erschienen. Die Migranten wollen sich offensichtlich nicht impfen lassen. Auch in Österreich ist die Skepsis gegenüber den Gentechnik-Impfungen vor allem bei Migranten hoch. Doch diese Skepsis soll ihnen jetzt aberzogen werden.

Ein Drittel der Bewohner eines Flüchtlingsheimes in Essen war zum Impf-Termin angemeldet. Gekommen ist etwa die Hälfte davon, berichtet der Focus. Sprachprobleme, „Falschinformationen“ oder der Fastenmonat Ramadan werden als Gründe für die Ablehnung ausgemacht. In vielen der Herkunftsländer seien Impfungen generell nicht so stark verbreitet.

Migranten skeptisch gegenüber neuartigen Impfstoffen

Viele der Migranten und Flüchtlinge würden die Corona-Spritze aber auch schlicht nicht haben wollen, was auf einen „Informationsmangel“ aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse zurückzuführen sei. „Wir nehmen eine gewisse Impfskepsis wahr, die aber bei uns allen zu irgendeinem Zeitpunkt da war, weil die Entwicklung der Impfstoffe für unser Verständnis ja auch sehr schnell ging“, heißt es in einem Bericht des RND und weiter: „Wie in der Allgemeinbevölkerung sind auch da die wildesten Gerüchte im Umlauf.“

Impfpropaganda auf Arabisch und Farsi

Mit einer Video-Kampagne wird daher versucht, die Impfwilligkeit der Migranten zu erhöhen. Unter anderem Arabisch und Farsi sprechende Ärzte sollen in den Clips für Chat- und WhatsApp-Gruppen mehr ihrer Landsleute von der Impfung überzeugen. Auch in Österreich wird versucht, der Impfskepsis von „Menschen mit Migrationshintergrund“ mit vergleichbaren Mitteln zu begegnen, berichtete der Kurier Ende März.

„Falsch informiert“ wegen Social Media?

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Einer Studie zur Mediennutzung des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) zufolge informieren sich die Zuwanderer hauptsächlich über Social Media. Für den Forschungsbericht wurden Personen mit und ohne Migrationshintergrund befragt und die Unterschiede zur heimischen Bevölkerung herausgearbeitet, heißt es in einer APA-Presseaussendung. Vor allem das durchschnittlich jüngere Alter der Migranten sei die Ursache für die verstärkte Nutzung der Sozialen Medien zu Informationszwecken. So halten es z.B. deutlich mehr Migranten für wahrscheinlich, dass das Corona-Virus menschengemacht ist. Extrembeispiel sind hierbei Afghanen. 98% halten die „Labor-Theorie“ für wahrscheinlich im Gegensatz zu 23 % der Österreicher und bei den Migranten aus Bosnien, Kroatien und Serbien sind es mit 50% noch immer doppelt so viele, steht im Bericht der APA.

Wenn die Moschee zum Impfzentrum wird

Aufgrund der geringen Impf-Bereitschaft werden immer mehr Stimmen laut die fordern, dass auch Muslime gezielt zur Impfung überredet werden sollen. So fordern deutsche Mediziner bereits, die Migranten in Deutschlands Moscheen durch die Imame zu indoktrinieren. Die Idee ist nicht neu. In Großbritannien ist es Medienberichten zufolge bereits Praxis, die Imame dazu anzuleiten, den Moslems nahezulegen, dass die Impfung „halal“ (also religiös unbedenklich) sei und sogar Moscheen zu Impfzentren umzufunktionieren.

„Wir werden da dran bleiben“

Für den Flüchtlingsrat in Nordrhein-Westfalen kam die Impfaktion in Essen zu spät, weil das Ansteckungsrisiko in den Flüchtlingsheimen durch die „Form der Unterbringung in den Massenunterkünften“ besonders hoch sei. Viele große Ausbrüche hätte es deswegen schon gegeben, meinte die Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates in NRW, Birgit Naujoks. 24-mal mussten ganze Landeseinrichtungen unter Totalquarantäne gestellt werden und 55 Teilquarantänen wurden im Laufe der Zeit verhängt, ist dem Focus-Artikel zu entnehmen. Man will aber weiterhin versuchen, die Migranten von der Impfung zu „überzeugen“. „Wir werden im Gespräch bleiben mit den Leuten, wir werden da dran bleiben“, wird Bodo Kolling aus dem Sozialamt in Essen zitiert. Ob das von Erfolg gekrönt sein wird, ist fraglich.

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