Die Auswirkungen der wochenlang im Land verbreiteten Corona-Angst schlägt schon auf die kleinsten Bereiche des Lebens durch: Schüler beginnen bereits, Corona-Polizei zu spielen, was manche Busfahrer so nervt, dass sie sich oft nicht mehr anders zu helfen wissen, als die Kinder kurzfristig wegzusperren.

Von Kurt Guggenbichler

High Noon in Ansfelden: Wenn um 12 Uhr mittags die täglichen Unterrichtsstunden in der Volks- und in der Hauptschule von Ansfelden enden, wirbelt es stets ein wenig auf der Straße mit den Schulgebäuden, wo bereits die Busse warten, um die Mädchen und Buben nach Hause zu transportieren.

Auch am Mittwochmittag voriger Woche stürmen die Kinder lärmend ihren Schulbus der Linie 611 des Unternehmens Wilhelm Welser. Als sie bemerken, dass der Fahrer ohne Maske hinter dem Steuer sitzt, wird es schlagartig ruhig im Wagen. Die Kinder starren den Mann zunächst an wie das sprichwörtlich Kaninchen die Schlange und nach einer Schrecksekunde fordern einige etwa 13-jährige Buben den Fahrer auf, sofort einen Mund-Nasenschutz anzulegen.

Doch der Mann schert sich nicht um das Geschrei der Schüler, die ihre Aufforderung noch einige Male wiederholen. Entnervt fordert der Busfahrer die quengelnden Kinder schließlich auf, doch ruhig zu bleiben und die Abstände einzuhalten. Daraufhin holen die Buben ihre Handys heraus und quälen den Fahrer mit dem Abspielen von lauter Musik.

Als der Bus schließlich in die Haltestestelle Freindorf einfährt, hat der Fahrer die Schnauze endgültig voll. Per Handy verständigt er die Polizei und bis zu deren Eintreffen lässt er niemanden aussteigen. Die Kinder sind im Bus gefangen. Was ist los?

Warum kommen die Kleinen nicht raus? fragen sich Eltern, die ihre Sprösslinge schon ungeduldig an der Haltestelle erwarten. Was ist passiert? Ein Terroranschlag? Verzweifelt trommelt eine Mutter mit den Fäusten an den Bus, doch der Fahrer bleibt stur und die Tür zu.

Nach etwa 20 Minuten ist der Spuk schließlich vorüber. Es erscheint die Polizei und auf deren Geheiß lässt der Fahrer die Kinder frei, berichtet der Volksschüler Albrecht Gruber, ein Augenzeuge des Geschehens. Nicht nur seine Eltern und Großeltern fragen sich nun, wohin das alles noch führen soll, wenn alle schon so hysterisch sind, dass bereits Kinder Corona-Polizei spielen und Busfahrer überreagieren, indem sie die Schüler einsperren – schöne neue Corona-Welt!