Das Narrativ, dass die drohende Überlastung der Intensivstationen einen harten Lockdown zwingend bedinge, ruft die Kritiker auf den Plan, die an frühere Notlagen erinnern.

FPÖ-Gesundheitssprecherin Dagmar Belakowitsch rügt die Regierung in einer Videobotschaft für ihre Vorbereitung auf eine zweite Welle, die jene scheinbar „herbeigesehnt“ habe, indem sie zwar warnte, allerdings keine Kapazitäten für zusätzliche Betten auf Intensivstationen schuf. Außerdem erinnert sie in Bezug auf den Lockdown, den sie für überzogen hält, dass es bereits in den Jahren 2010 und 2012 im intensivmedizinischen Bereich vielerorts überfüllte Stationen gab, ohne dass dies einen Lockdown zur Folge hatte. Die Regierung agiere im „Blindflug“ und solle lieber die Österreicher ihr normales Leben wieder führen lassen, anstatt sie mit der Verbreitung von Panik und Angst zu gängeln, so die blaue Spitzenpolitikerin am Sonntag. 

Spitäler schon öfter überfüllt

Bereits einen Tag zuvor hatte Ferdinand Wegscheider, seines Zeichens Intendant des Senders „Servus TV“, in seinem Wochenkommentar auf die Häufigkeit überfüllter Intensivstationen in früheren Jahren hingewiesen. Eine solche Situation habe es – neben 2010 und 2012 – bei den starken Grippewellen in den Jahren 2015, 2017 und 2018 ebenfalls gegeben. In letzterer Grippesaison hätte es beim deutschen Nachbarn gar über 25.000 Tote gegeben – in allen Fällen hatte dies wohlweislich keinerlei Herunterfahren des öffentlichen Lebens zur Folge.  Es stellen sich also zwei Fragen: Warum agiert die Politik bei Corona anders  – und wieso fehlen seit Jahren ständig Intensivbetten?