„Irgendwie fühlt man sich schon wie Vieh, das zur Schlachtbank geführt wird“
sinniert am Samstagmorgen ein Pädagoge vor dem Linzer Design-Center, wo schon seit einer Stunde Linzer Lehrer und Kindergärtner auf Corona getestet
werden. Die Frauen scheinen dabei in der Überzahl zu sein.

Ein Lokalaugenschein von Kurt Guggenbichler

Aber die Tests sind doch freiwillig, sage ich zu dem Mann, der mich
daraufhin milde anlächelt. „Ich will keine beruflichen Nachteile haben“,
gibt er zu und begibt sich in das Veranstaltungszentrum, wo er wie auch alle
anderen „Freiwilligen“ schon von Oberst Stefan Hirsch und weiteren 84
Militärangehörigen erwartet wird.

Schon am Vortag hatten sie im Design-Center die Teststraßen aufgebaut und
den Ablauf geübt. Dabei hat es noch einige Probleme gegeben, doch jetzt
läuft es, erklärte er etwa um 8 Uhr morgens dem Wochenblick. „In 15 Minuten
testen wir 48 Personen und es gibt keine Staus.“

Für einen reibungslosen Ablauf sorgt auch Mario Gubesch, der Leiter des
Linzer Ordnungsdienstes mit seinem achtköpfigen Team. Schon vor 7 Uhr
morgens hätten die Leute angestanden, um eingelassen zu werden.

„Warum lassen Sie sich eigentlich testen?“, frage ich eine Frau mittleren Alters. „Damit ich weiß, ob ich infiziert bin“, antwortet sie. „Fühlen Sie sich krank?“, frage ich weiter. Sie verneint. „Was aber ist, wenn Sie positiv getestet werden? Sie wissen doch, dass
diese Tests nicht so zuverlässig sind!“ Sie überlegt einen Augenblick und sagt dann: „Dann muss ich wohl in Quarantäne.“ „Als möglicherweise gesunder Mensch“, will ich noch einwenden, doch die Frau war schon weitergeeilt.

Geringe Infizierungsrate erwartet

Die Wahrscheinlichkeit, dass sie infiziert sein könnte, ist ohnehin gering.
Oberst Hirsch rechnet mit einer Infizierungsrate von einem Prozent. Wer positiv getestet wurde, werde dann vom Gesundheitsamt noch einmal einem
Test unterzogen, um sicherzugehen. Am Sonntag geht es dann mit den
Massentests weiter.

Wie viele Leute am Ende dann die Teststraßen durchlaufen haben werden, lässt
sich noch nicht sagen. „Doch das Ganze lohnt den Aufwand nicht“, meint ein
Tester, der sich jedoch bedeckt halten möchte, um keine gesellschaftlichen
Nachteile zu erleiden. „Sie wissen ja, heute ist es gefährlich, seine
Meinung zu äußern.“