Am Donnerstag nahm Gesundheitsminister Rudi Anschober zur gesundheitlichen Lage Stellung. Seine Darstellung, wonach eh alles „zum richtigen Zeitpunkt“ geschehen wäre, wiederholte der Mainstream unkritisch.

Das Framing, das der grüne Gesundheitsminister in seiner Rede verbreitete war, dass „die richtigen Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt“ getroffen worden wären. Etablierte, mit Corona-Hilfsgeldern üppig geförderte Mainstream-Medien, greifen dies dankbar auf: Bei den Salzburger Nachrichten ist es eine Zwischenüberschrift, die Krone lässt überhaupt die Grenzen zwischen indirekter Rede und zum Artikel gehörigem Konjunktiv verschwimmen.

Unkritische Wiedergabe der Minister-Rede

„Wir sind stabil und haben eine gute Situation“ – so sieht Anschober die Entwicklung in der Corona-Krise. Vor allem ist er aber sicher, dass man beim Lockdown absolut den „richtigen Zeitpunkt“ getroffen habe. Nur sieben Tage später hätte demnach eine vier mal so hohe Zahl an Infektionen bedeutet. Interessant daran ist wiederum, dass die FPÖ viele Warnungen schon zuvor anbrachte – die Bundesregierung diese aber wochenlang in den Wind schlug – Wochenblick berichtete schon im März darüber.

Woher Anschober diese Einschätzung hat, ging ursprünglich im Krone-Artikel nicht hervor. Erst die Zweitversion des Online-Artikels – die Bearbeitung wird nicht erwähnt – zitiert überhaupt den Mathematiker Simulationsforscher Niki Popper. Die SN erwähnt immerhin dessen Ansicht, dass ein früheres Agieren keinen Unterschied gemacht hätte. Den Zeitpunkt für die Lockerungen hält er auch für ideal.

Mathematiker lobt Regierung für sein eigenes Modell

Beide Medien „vergessen“ dabei aber – wie auch der Kurier – pikante Details zu erwähnen. Nämlich, dass Popper dem Beraterstab der Corona-Taskforce der Regierung angehört. Und dass seine Computermodelle überhaupt erst eine der Grundlagen für die Auswahl einiger Maßnahmen der türkis-grünen Regierung waren…

Was die Mainstream-Blätter also als neutrale, externe Expertise verkaufen ist nichts anderes als ein Regierungs-Experte, der die Sinnhaftigkeit seiner eigenen Arbeit lobt! Zwar kritisierte Popper von Anfang an das Schock-Papier, das von 10.000 Toten bis Ostern sprach – dennoch korrigierte er noch Anfang April die Infektiosiät des Virus nach oben.

Von schnellen Öffnungen riet er damals ab und machte den Bürgern Angst davor. „Wenn wir jetzt Maßnahmen lockern, werden wir die Ergebnisse nur mit Zeitverzug sehen. Gegenzusteuern dauert dann noch einmal so lang. Wir dürfen uns keineswegs zurücklehnen“, so Popper seinerzeit.

Wurde wirklich am „richtigen Zeitpunkt“ reagiert?

Während Anschober mit kräftiger Schützenhilfe von Mainstream-Medien also suggeriert, alles im Griff zu haben, ergibt sich zumindest regional ein anderes Bild. Seit Monatsbeginn ist etwa bekannt, dass die Tiroler Behörden erst Tage, nachdem bereits Daten der in Ischgl infizierten Isländer bekannt war, reagierten. Die Verantwortung dafür schoben  Land Tirol und Gesundheitsministerium seitdem mehrmals hin und her…

Die Folgen sind bekannt: Der Tiroler Skiort wurde zum Viren-Drehkreuz Europas. Schon vor drei Wochen führten Experten zumindest 25 Todesfälle direkt auf einen Ischgl-Urlaub zurück. Das mittlerweile berüchtigte Mantra des dortigen Gesundheitslandesrats Bernhard Tilg in einem ZiB2-Interview war übrigens: „Die Behörden haben alles richtig gemacht.“