„Jetzt ist die Zeit der Jungen“, hatte der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) angekündigt. Und im „Impfmonat der Jungen“ gibt es nun auch „Impfevents“. Mit dieser Propaganda-Maßnahme der Impf-Partys soll versucht werden, die Jugendlichen buchstäblich zum Impfen zu bewegen. Mit Tanz, Musik und Fortgeh-Stimmung will man die Jungen ködern. In Wien findet die erste Impf-Party seit Freitag statt, in Italien ging vorigen Samstag ein Impf-Event in Turin über die Bühne. Auf Twitter wird die Wiener Aktion u.a. als unethisch kritisiert.

Von Christoph Uhlmann

  • Impf-Partys mit Janssen für 18- bis 30-Jährige in Wien
  • Über 400 Ärzte halten die Impfungen für zu wenig erforscht und gefährlich
  • Kritik auf Twitter: unterirdische Werbeaktion, unethisch
  • In Turin fand bereits die erste „Vaccination Party“ vorigen Samstag statt

Impf-Propaganda für 18- bis 30-Jährige

Zielgruppe der Aktion, die ursprünglich mit Juli beginnen hätte sollen, sind die 18- bis 30-Jährigen. Im Zuge der Veranstaltungen sollen die jungen Menschen mit dem Vektor-Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson gegen Covid-19 geimpft werden – Janssen deshalb, weil nur eine Impfdosis für die Vollimmunisierung notwendig ist. „Wir werden insgesamt 35.000 Termine freischalten mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson, das heißt, es ist nur eine einmalige Impfung notwendig, dann ist der Vollschutz auch schon nach wenigen Wochen gegeben“, erklärte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker laut ORF-Bericht.

Diesen Freitag begann das erste große Event beim Austria Center, das bis zum heutigen Sonntag dauert. Ab 15:00 Uhr beginnt heute Sänger Flo Gruber, dann geht es um 16.25 Uhr mit Dialekt-Rocker Johnny Paper weiter und den Abschluss macht X-Eption ab 17.50 Uhr mit einer Mischung aus Hip Hop und Pop, berichtet heute.at.

Ärzte äußern Bedenken

Der Pressesprecher Hackers Mario Dujakovic begründete die Wahl des Impfstoffes auf Twitter mit den Worten: „Kein Zweittermin, keine Scherereien“. Dabei ist es äußerst fraglich, ob es wirklich keine „Scherereien“ mit den Impfungen geben wird, zumindest wenn man den 400 Mut-Ärzten, die kürzlich in einer Pressekonferenz ihre Bedenken bezüglich der Covid-19-Impfungen zum Ausdruck brachten, glaubt (Wochenblick berichtete). Ob bei diesen Partys auch auf die möglichen Nebenwirkungen hingewiesen wird?

Kritik auf Twitter

Die Stadt Wien hat das streitbare Motto der Impf-Events getwittert: „Vakzinenparty! Geht scho, gemma Impfstoff!“

Einige Twitter-Nutzer reagierten eher wenig erfreut auf das intelligenzbeleidigende Motto und die Aktion an sich. Von unterirdischer Umsetzung der Werbeaktion bis hin zu ethischen Bedenken bezüglich der Impfung der Jugendlichen reicht die Kritik.

Nutzer Gerli weist in einem weiteren Tweet auch noch auf die bedingte Zulassung der Impfungen hin: Sich impfen zu lassen (noch dazu mit einer bedingt zugelassenen Impfung) soll eine gesundheitliche Entscheidung sein! Und nicht davon abhängen, ob man von Schikanepolitikern in Clubs gelassen wird“. Der Nutzer Vizekaiser TechAndi meint: ‚Damit zieht ihr also Impflinge an – mit dem Versprechen „sorgenfrei in den Clubs feiern“?! Ihr seid doch echt wahnsinnig.‘

DJ und ein ‚Shot‘ von BioNTech

In Italien fand ein derartiges Event bereits ebenfalls statt. Wie RT berichtete, nahmen am Samstag voriger Woche über 1.000 Jugendliche an der sogenannten „Open Night Vaccination Party“ in einem Corona-Impfzentrum in Turin teil.

Im Alter zwischen 18 und 28 Jahren waren die Teilnehmer, die einem von der Impf-Organisation arrangierten DJ-Set lauschten, während sie auf ihre Impfung warteten. „Ich denke, es ist eine notwendige Initiative in Anbetracht der Situation, die wir erleben, und es ist auch sehr schön in Anbetracht der Anwesenheit des DJs“, kommentierte eine junge Frau, die zu den Wartenden gehörte, das Event.

Sämtliche Plätze für die Veranstaltung waren innerhalb weniger Minuten nach der Online-Freigabe ausgebucht. Scheint also ganz so, als ob die perfide Propaganda bei den Jungen wirken würde. Wenn man sich allerdings das Video ansieht, bemerkt man, dass so richtige Partystimmung wohl eher nicht aufkam. Die Impfveranstaltung mit dem Motto „Back to reality“ begann um 22:00 Uhr und dauerte bis etwa drei Uhr nachts. Der Shot des Abends war angeblich der Impfstoff von BioNTech/Pfizer.

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