Die Epidemiewelle des neuartigen Coronavirus, die Italien besonders stark betreffen, zieht immer weitere Kreise. Dort sind nun ganze Regionen abgeriegelt, in denen mehr als ein Viertel aller Italiener leben.

Österreichs südliches Nachbarland und liebstes Urlaubsland im Corona-Chaos: Mit bereits über 7.000 bestätigten Fällen nimmt Italien weltweit den dritten Platz an Infektionen ein; nur in China und Südkorea wütet das Virus noch mehr. Nachdem im Laufe des Wochenendes auch mehr als 100 neue Todesfälle bekannt wurden, befindet sich das Land in einem Ausnahmezustand.

Italien: Reiseverbot für weite Landstriche im Norden

Wie die römische Regierung verlautbaren ließ, sind seit Sonntag mehrere Großregionen im wirtschaftlich bedeutenden Norden Italiens unter einer Art ‚Generalquarantäne‘. Niemand darf in diese Reisen, niemand darf sie verlassen. Der Großteil der sogenannten „Roten Zone“ befindet sich in den Regionen Lombardei und Venetien, die am stärksten unter der Krankheitswelle leiden. Betroffen sind etwa 16 Millionen Menschen.

Veranstaltungen und Wirtschaft in Mitleidenschaft

Der parteilose Premierminister Giuseppe Conte verteidigte die Maßnahme, sprach von der „dunkelsten Stunde“ seines Landes. Mehrere Großveranstaltungen sind auf der Kippe, das Weltcupfinale der Ski-Alpinen in Cortina d’Ampezzo wurde am Freitag bereits gestrichen. Fußballspiele der Serie A werden laufend verschoben oder finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Erste Stimmen fordern überhaupt bereits den Abbruch der Liga.

Auch die europäischen Börsen reagieren empfindlich auf die Lage in Norditalien, wo auch wichtige Branchen wie die Automobilindustrie ihre Firmensitze haben. Nicht zuletzt deshalb fordert Conte ein EU-Maßnahmen-Paket um die Auswirkungen abzufedern.

Hauptsächlich ältere Menschen verstorben

Wie in anderen Ländern ist die Mehrzahl der Todesfälle bereits betagteren Alters. Auch in Italien waren laut Standard mehr als 60 Prozent der Corona-Toten bereits über 80 Jahre alt. In den meisten Fällen hatten sie bereits akute Vorerkrankungen. Trotzdem geht auch unter jungen und gesunden Menschen die Sorge um, dass die Krankheit immer weitere Kreise ziehen könnte.

Gefängnisaufstände sorgen für drei Tote

Dass dabei nicht nur Krankheitsfälle für Unruhe sorgen könnte, zeigte sich anhand von Vorfällen in mehreren italienischen Gefängnissen. Dort waren verschärfte Bestimmungen zu Besuchen von Angehörigen verhängt worden – dies ließen sich die Häftlinge nicht gefallen und revoltierten. In Modena kamen dabei auch drei Menschen zu Tode, wobei nicht ausgeschlossen wird, dass es sich um Gefangene handelt, die sich nicht am Aufstand beteiligen wollten.

Abwartende Haltung der österreichischen Regierung

Trotz der immer schwierigeren Umstände in Italien und zahlreicher internationaler Reisewarnungen für Italien reagiert die türkis-grüne Regierung weiterhin teilweise abwartend. Die Grenzen ins Nachbarland sind weiterhin offen, allerdings soll es stichprobenartig zu Fieberkontrollen beim Übertritt nach Österreich geben.

In einer besonderen Bredouille findet sich das mehrheitlich deutschsprachige und autonome Südtirol. Mit unter zehn bestätigten Fällen ist es weitaus weniger betroffen als die beiden Nachbarregionen. Dennoch leidet der wichtige Wintertourismus immens. Ein tatsächlicher Grenzschluss seitens Österreich würde freilich auch bedeuten, die eigene Minderheit quasi mit ihrem Schicksal alleine zu lassen…