Man stelle sich einmal vor, man gibt seine Kinder im Kindergarten ab. Plötzlich erscheinen in diesem Personen in alienhaften Schutzanzügen. Die kleinen Kinder sind völlig verstört und verängstigt. Dann werden sie auf Corona getestet, weinend und nach ihren Eltern rufend …

Was bis vor ein paar Monaten noch undenkbar schien, könnte sehr bald Realität sein. Kein Kinderlachen in Spielgruppen, sondern verängstigte und schreiende Kleinkinder, denen Wattestäbchen in die Nasen gerammt werden, um sie auf Covid zu testen.

So könnte es bald in der Steiermark passieren. Daher ist die Aufregung unter Eltern in der Gemeinde Seiersberg-Pirka groß. Auslöser ist ein Informationsblatt samt Formular an Eltern und Pädagogen der Gemeinde, abgesandt von Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP).

Es geht darum, Kindergartenkinder auf das Corona-Virus zu testen. In dem Schreiben heißt es zudem, dass, sollte wegen eines Verdachtsfalls in der Kinderbetreuungseinrichtung getestet werden müssen, eine Einwilligung der Eltern nicht erforderlich sei.

Breite Kritik an Vorhaben

Der Bürgermeister von Seiersberg-Pirka, Werner Baumann (SPÖ), kritisiert an dem Schreiben, dass Eltern lediglich ankreuzen dürfen, ob sie bei den CoV-Tests ihrer Kinder in den Betreuungseinrichtungen dabei sein wollen oder nicht. Zudem hinterfragt er, was passiert, wenn ein Kind Angst hat, den Test verweigert und die Eltern aufgrund ihrer Arbeit nicht kommen können.

Müssen dann die Kindergartenpädagogen das schreiende und weinende Kind festhalten? Sollte die Landesrätin auf den Tests beharren, will die Gemeinde die Eltern juristisch unterstützen und auch die Volksanwaltschaft einschalten.

Informationsschreiben auch in Linz

Erst Anfang Oktober flatterte ein ähnliches Schreiben mehreren tausend Linzer Familien ins Haus. Damals informierte der Kinder- und Jugendservice im Auftrag der Gesundheitsbehörde über die Vorgangsweise bei Corona-Fällen in Kindergärten und fragte die Eltern, ob sie mit Testungen der Kinder einverstanden wären.

Wenn nicht, müssten die Kinder in Quarantäne. Schließlich ruderte man zurück. Mittlerweile gelten Kinder als Kontaktperson K2, müssen also keine Tests über sich ergehen lassen.