Absurder Spin: Corona-Sommer schuld an ‘Partyszene’-Exzessen

Verharmlosung importierter Gewalt

Absurder Spin: Corona-Sommer schuld an ‘Partyszene’-Exzessen

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Der deutsche Staatsfunk überbietet sich selbst in der Relativierung der Migranten-Randale von Frankfurt und Stuttgart – und verkürzt dafür sogar eine Analyse eines Konfliktforschers.

Zwar kann nicht einmal das Medium verleugnen, dass die Krawalle vor allem von Personen aus dem Migranten-Milieu betrieben wurden. Schuld sei demnach aber nicht etwa eine verfehlte Integrationspolitik oder Parallelgesellschaften – sondern eine Mischung aus Corona und der bösen Gesellschaft. So zitiert zumindest der Deutschlandfunk den Konfliktforscher Stefan Luft sinngemäß (und unvollständig).

Coronakrise als Katalysator für Migrantengewalt?

Diese seien in den vergangenen Jahren entgegen eigener Erwartungen nämlich gar nicht am Arbeitsmarkt angekommen. Nun hätte die Coronakrise diese Menschen auch noch “aus allen Strukturen herausgerissen”. Die Aufenthaltsbeschränkungen im öffentlichen Raum würden dabei als Katalysator wirken, so das verkürzte Zitat aus dem Interview.

Die Politik wiederum sei Schuld daran, dass es eine “generelle” Anti-Polizeistimmung gebe und diese als rassistisch wahrgenommen wird. Das “böse Blut” der Migranten entstehe aber erst durch die häufigen Platzverweise in der Corona-Zeit. Man müsse über Ursachen und Tatverdächtigen sprechen. Man müsse einer Banlieue vorbeugen, die Politik wäre dabei gut beraten, “den sozialen Wohnbau in exorbitanter Weise zu steigern.”

Verkürztes Zitat zu länger bestehenden Hotspots

So weit, so gut. Wer schon beim Deutschlandfunk bis hierhin las, wusste, was zu erwarten war und machte sich eine positive oder negative Meinung der Einschätzung. Umso grotesker wird das Ganze aber, dass der Forscher dann im Transkript doch einige interessante Punkte anbringt, die es nicht in die Zusammenfassung im Hauptartikel schaffen.

So etwa seine Feststellung, dass in Stuttgart um den Schlossgarten und den Bahnhof “schon seit ein, zwei Jahren diese Ansammlungen junger Männer mit Migrationshintergrund den öffentlichen Raum dominieren und Frauen zum Beispiel diese Straßenzüge und Orte gemieden haben”. Der Artikel selbst zitiert nur den Teil mit den Ansammlungen und kappt den Rest, etwa die Angst der Frauen.

Muslimen-Anteil in der “Partyszene” nicht zitiert

Ebensowenig schafft es jener Teil in den Artikel, in dem Luft zwischen unterschiedlichen Migranten-Gruppen differenziert. Beim Teil mit den “Opfern der Gesellschaft” spart der Hauptartikel jenen Teil mit dem “hohen Ausmaß an Aggression und Hass” aus. Dass der Großteil der Stuttgarter “Partyszene” muslimischen Glaubens ist, schafft es genausowenig in den ‘oberen Teil’.

Auch keine Erwähnung findet dort seine Analyse der Problematik, dass Migranten oft in jenen Stadtteilen landen, in denen bereits ansässige Armut grassiert. Dasselbe gilt für die Konkurrenz auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt und im Niedriglohnsektor, die er als zentrales Problem einer Ghettoisierung sieht.

Deutschlandfunk distanziert sich vom O-Ton

Der Deutschlandfunk verkürzte also in seinem Hauptartikel die ohnehin bereits steile These eines Autors. Dass dessen Einschätzungen im Volltext den Redakteuren des öffentlich-rechtlichen Senders wohl trotzdem zu heiß waren, lässt auch ein Disclaimer am Ende durchblicken.

Dort steht: “Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.” Für den durchschnittlichen Medien-Konsumenten verkürzte man also stark, den aussagekräftigen O-Ton lesen dann nur mehr wenige…

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