Corona-Krise schärfte Bewusstsein für gute Fleischqualität

Werbung

Werbung

Kleine Fleischerzeuger stark gefragt

Corona-Krise schärfte Bewusstsein für gute Fleischqualität

[responsivevoice_button voice="Deutsch Female" buttontext="Vorlesen"]

Werbung

Zu der wachsenden Zahl von Oberösterreichern, die bei der Fleischqualität keine Abstriche machen wollen, gehört auch die Landwirtin Eva Wartlik. Die 40-Jährige isst aber nicht nur gern gutes Fleisch, sie erzeugt es auch in ihrem Biobauernhof, dem Eglseergut, in der Kronau in Enns.

Eine Reportage von Kurt Guggenbichler

Auf die Frage, warum sie – verglichen mit konventionell erzeugtem Fleisch – hochpreisiges Biofleisch bevorzugt, sagt sie: „Weil es gesünder ist.“ Darüber hinaus ist es auch schmackhafter.

Wartliks Tiere haben Zeit zum Reifen. „Sie dürfen älter werden als konventionell gemästete Viecherl“, sagt Eva, „und zwar im Schnitt bis zu zwei Jahre.”

Artgerechte Haltung

Wenn sie in ihrem hübschen Vierkant­hof im Erlengraben von ihren Tieren redet, dann meint sie in erster Linie Schweine, und zwar die der „Schwäbisch-Hällischen“ Rasse und auch die sogenannten Wollschweine.

Im großzügig angelegten Auslauf zwischen Westbahnstrecke und Bauernhof sieht man die Exemplare unterschiedlichsten Alters vergnügt herumrennen oder auch -liegen.
Zum Zeitpunkt meines Besuchs tummelten sich auf dem Weideareal 19 Schweine, die dort auch ihre Tränken und Unterstände haben.

„Durch die ganzjährige Haltung im Freien und die Robustheit dieser alten Rassen gibt es keine gesundheitlichen Probleme“, betont Eva Wartlik, für die zur artgerechten Haltung auch eine natürliche Fütterung mit Ackerbohnen, Triticale und Gerste gehört.

Mais und Soja sind tabu. „Was unterscheidet nun das Fleisch der von Ihnen sorgsam gemästeten Schweine von dem Fleisch, das man sonst zu kaufen bekommt?“, frage ich.

Qualität darf auch was kosten

„Es ist schmackhafter, weil das Muskelgewebe mit Fett durchwachsener ist. So etwas schaffen eben nur eine artgerechte Haltung, qualitativ hochwertiges Futter und vor allem Zeit“, erklärt Eva und schwärmt: „Wenn ich mit dem Messer den Speck der Wollschweine schneide, dann gleitet es wie durch weiche Butter.“

Ihr Erzeugnis erinnert mich ein wenig an den Lardo-Speck aus der Toskana. Der Speck und auch das Fleisch, das sie den Kunden auf Wunsch exakt zurechtschneidet, werden mit vielen anderen Produkten in ihrem Hofladen, der nur am Freitag geöffnet ist, gern gekauft.

Die Einkäufer kämen in erster Linie natürlich aus Linz und der Region, aber auch von weiter her, freut sich die Biofleischproduzentin. Ihre Kunden zahlten dafür auch gern einen höheren Preis als im Supermarkt.

Schon früher am Puls der Zeit

Ginge es nur nach der Nachfrage, könnte Eva durchaus mehr Fleisch verkaufen, was aber aufgrund der Personaldecke nicht möglich ist. Wartlik lässt daher nur vier Mal jährlich schlachten.

Noch besser wäre es, die Schweine direkt auf der Weide zu schießen, bestätigt sie auf meine Nachfrage, „aber das dürfen wir nicht.“ Noch in der vorangegangenen Generation war das Eglseergut ein konventioneller Bauernhof mit Ackerbau, Rinder- und Schweinehaltung.

Doch schon die Altvorderen bauten damals sehr modern Gemüse und Gewürze in Glashäusern an und errichteten die ersten Hochsilos in dieser Gegend, die den heutigen Mastschweinen als Unterkunft dienen.

Mit der Rinderzucht und dem Gewürz­anbau hörte man im Eglseerhof nach dem Zweiten Weltkrieg auf, und als im Jahr 2009 schließlich Evas Mann Harald Wartlik († 2017) den Betrieb übernahm, stellte er sofort auf biologische Bewirtschaftung um. Bald schon sollte er sich hauptsächlich auf die Züchtung der Schwäbisch-Hällischen- und der Wollschweine konzentrieren.

Umdenken nach Problemen

Was war der Auslöser für sein Umdenken gewesen? „Harald hatte damals gesundheitliche Probleme“, rekapituliert Eva. „Er hatte Ausschläge bekommen, die er mit dem Einsatz von Spritzmitteln in Verbindung brachte.“

Durch diese Umstellung wurden in ihrem Hof die Weichen in die richtige Richtung gestellt.
Die jüngsten Vorkommnisse in einigen Großschlachtbetrieben, in denen sich Mitarbeiter mit dem Covid-19-Virus infiziert hatten, haben die schnelle Massenfleischproduktion wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Auf die Frage, ob denn die Politik etwas dazu beitragen könnte, um die Biofleischherstellung zu forcieren, wollte sich Eva Wartlik nicht äußern.

Corona-Krise schärfte Bewusstsein für gute Fleischqualität TEILEN
Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on whatsapp
WhatsApp
Share on telegram
Telegram
Share on reddit
Reddit
Ähnliche Artikel
Schlagwörter
NEWSLETTER

Bleiben Sie immer aktuell mit dem kostenlosen Wochenblick-Newsletter!

Neuste Artikel