Corona-Krise: Urlauber kämpften um Rückreise

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Auf Teneriffa festgesessen

Corona-Krise: Urlauber kämpften um Rückreise

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Aufgrund des weltweiten Corona-Ausnahmezustands sitzen zahlreiche Menschen in ihren Urlaubsorten fest. René S. und seine Freundin reisten am 11. März nach Teneriffa. Sie glaubten fast nicht mehr daran zurück zu kommen. Nun sind sie zu Hause, aber in Quarantäne. Die Gemeinde versorgt sie mit Lebensmittel.

Ein Interview geführt von Elsa Mittmannsgruber

Wochenblick: René, viele Urlauber haben ihre Reisen im März aus Angst vor Corona und drohenden Maßnahmen storniert. Warum ihr nicht?
René S.: Naja, als wir die Reise antraten, gab es ungefähr 240 Erkrankte in ganz Österreich. Es war noch nicht die Rede von einer Ausgangssperre oder eines Flugverbots. Dass es so schnell soweit kommen würde, damit hatten wir schlichtweg nicht gerechnet. Zwei Tage später erfuhren wir aus den spanischen Nachrichten den Ausruf zum Notstand für ganz Spanien inklusive kanarische Inseln. Auf den Kanaren gab es zu diesem Zeitpunkt weniger als zwanzig Fälle. Trotzdem wurden umgehend sämtliche Maßnahmen getroffen, um den Virus einzudämmen. Schiffsreisende, die bereits auf dem Weg durch den Atlantik Richtung kanarische Inseln waren, durften nicht mehr anlegen, sämtliche Flüge vom Festland wurden nach und nach gestrichen. Fliegern aus Spanien war es nicht mehr erlaubt in Österreich zu landen. Am Montag, 16.März, ging der letzte offizielle Flug nach Österreich. Für diesen Flug gab es allerdings keine Plätze mehr. Jetzt wurden wir richtig nervös.

Was habt ihr dann gemacht?
Wir buchten die letzten freien Plätze für einen Flug über München, obwohl unser planmäßiger Flug nach Wien noch nicht offiziell storniert wurde. Letztlich wurden dann beide von den Airlines storniert.

Welche Versuche habt ihr noch unternommen, um nach Hause zu kommen?
Wir waren sehr schnell in engem Kontakt mit dem Außenministerium in Österreich und der Botschaft in Madrid. Das zuständige Personal war sehr bemüht. Und auf der Website reiseregistrierung.at hatten wir uns ebenfalls angemeldet.

Da dürften einige administrative Fehler passiert sein

Und das hat dann funktioniert?
Am 17.03.2020 erhielten wir eine Nachricht des Bundesministeriums: Wir sollen uns am Folgetag zum Flughafen begeben. Wir werden zurückgeholt. Als wir jedoch am Flughafen angekommen waren, mussten wir am Schalter feststellen, dass unsere Namen nicht auf der Liste sind. Für uns gab es keine Rückflüge. Wir riefen sofort bei der Botschaft und beim Außenministerium an. Da dürften einige administrative Fehler passiert sein. Denn wir waren nicht die einzigen Österreicher am Flughafen, denen es genauso erging.

Schon langsam habt ihr die Hoffnung verloren, oder?
Beinahe… Am nächsten Tag bekamen wir wieder eine Benachrichtigung und einen Anruf der Botschaft. Wir stehen diesmal garantiert auf der Liste und können am 20.03.20 mitfliegen, hieß es. Die Freude war groß, es hat diesmal tatsächlich geklappt.

so gut wie niemand am Flughafen trug eine Schutzmaske.

Klingt alles nach einem großen Chaos…
Das erste Mal, als wir nach Hause geholt werden sollten, herrschte massives Chaos am Flughafen. Beim zweiten Mal lief aber alles viel geordneter ab. Es gab ein System und deutschsprachiges Personal für die älteren Herrschaften. Aber so gut wie niemand am Flughafen trug eine Schutzmaske. Nur das Personal und einige wenige Reisende.

Hattet ihr eine auf?
Ja, schon bevor wir den Flughafen betraten. Am Gate wurden dann für alle Passagiere welche verteilt.

Was passierte nach der Landung?
Noch im Flugzeug mussten wir einige Dokumente ausfüllen und eines davon gleich abgeben: Die Verpflichtungserklärung für die Zahlung der Reisekosten von 300 Euro und die Kenntnisnahme der Quarantäne. Am Flughafen fertigten vier Personen die Reisenden ab, kontrollierten die Reisepässe, wiesen nochmals auf die Quarantäne hin und fragten nach den Verkehrsmitteln für die weitere Rückreise. Sie laserten mit einem Fieberthermometer unsere Stirn und entließen uns.

Unsere Gemeinde beliefert uns mit bis zu 15 Artikel des täglichen Lebens.

Durftet ihr noch einkaufen?
Nein, wir mussten auf direktem Weg nach Hause. Wir sind jetzt zwei Wochen in Quarantäne und dürfen das Haus nicht verlassen. Unsere Gemeinde beliefert uns mit bis zu 15 Artikel des täglichen Lebens, die wir telefonisch bestellen und auf Zahlschein bezahlen. Die Lieferung selbst ist kostenlos.

Werdet ihr vor Ablauf der Quarantäne nochmal durchgecheckt?
Nein. Unser Hausarzt sagte uns, dass eine Testung auf das Coronavirus nur im Verdachtsfall oder bei Symptomen möglich ist. Wir fühlen uns jedenfalls gesund.

 

 

 

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