Tag 1 – Österreich in der Zwangspause

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Das Wochenblick Corona-Tagebuch

Tag 1 – Österreich in der Zwangspause

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Wir beim Wochenblick haben unser Arbeitsleben auf Home Office umgestellt. Von zu Hause aus werden jeden Tag verschiedene Autoren aus unserer Redaktion auf das Tagesgeschehen des Vortages zurückblicken, aber auch über eigene Erfahrungen in der Zeit von Ausgangssperre oder Quarantäne schreiben. Somit werden Einblicke in verschiedene Familiensituationen aber auch in andere Städte und Orte unseres Landes möglich. Gerade das Persönliche wird uns in schwierigen Zeiten zusammenrücken lassen.

Ein Tagebucheintrag von Willi Huber

Liebes Tagebuch. Wir schreiben Tag 1 der Quarantäne-Maßnahmen, welche Bundeskanzler Kurz aufgrund der Corona Pandemie für unser Land verkündet hat. “Eh nur für eine Woche”, hieß es. Das dürfte so wahr sein, wie die damaligen Beschwichtigungen zur Festplatten-Affäre. Die Kanzlerberater verfolgen wohl den Kurs der kleinen Schritte, der ganz kleinen Portionen. Nein, es wird keine Ausgangssperre geben, das sind Fake News. Niemand beabsichtigt eine Mauer zu bauen. I did not have sexual relations with that woman.

Wie lange wird das dauern?

Transparenz und Offenheit ist den Österreichern wohl nicht zumutbar. So wie ich rechnen wohl sehr viele Menschen mit mindestens drei Wochen der Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Pessimisten sprechen von sechs Wochen. Fatalisten von Monaten. Den Grad der Herausforderung kann man an der Größe des Haushalts ermessen. Das Leben mit der Kinderschar in verschiedenen Altersgruppen auf engem Raum dürfte sich in den nächsten Wochen als recht interessant erweisen. Schulaufgaben oder Handy, Playstation und Computer dürfte dabei noch die einfachste Diskussion werden. Eines der treffendsten Memes war jenes der Walking-Dead-Zombiehorde, bei der es sich nicht um Seuchenopfer handelte sondern um Eltern, die ihre Kinder wochenlang zuhause hatten …

Schulen haben gut vorbereitet

Dabei muss man sagen, dass die Lehrer und die Schulen großartige Arbeit leisten. In der Volksschule wurde den Kindern – zumindest bei uns – die Angst genommen, viel über die Situation gesprochen. Dennoch ist es in der Altersklasse von 6 bis 10 schwer zu verdauen, worum es geht. Mini-Rehauge ist gereizt und weinerlich. Eigentlich wäre sie lieber in der Schule, jetzt am Montag doch nicht hinzudürfen war schwer zu verarbeiten. Schließlich hatte die Frau Lehrerin noch eine Leseliste versprochen. Trotzdem ist der erste Schultag zu Hause gut verlaufen und alle Listen und Arbeitsblätter die noch fehlen kommen bestimmt per E-Mail nach.

Schocknachrichten aus Tirol

Die Tagesnachrichten haben erstaunt. In unserem Haushalt gibt es kein Fernsehen im herkömmlichen Sinne. Der ORF wird zugunsten des Blutdrucks bestenfalls für den Jahreswechsel und das Neujahrskonzert eingeschaltet. Wenn der Flimmerkasten läuft dann für Netflix- und Amazon-Serien. Nachrichten kommen meist schriftlich aus dem Internet. Dass unser schönes Österreich mit daran schuld ist, das Corona-Virus in ganz Europa verbreitet zu haben, erschüttert. Ich stamme aus einer Familie die viel Erfahrung im Tourismusbereich gesammelt hat. Unser Land war international stets dafür bekannt, sauber, sicher und vor allem wunderschön zu sein. Was in Tirol passiert ist, kann den Standort auf Jahre hinaus auf eine Art erschüttern, die Corona alleine nie zustandegebracht hätte.

ÖVP-Systemversagen erschüttert

Die oben genannte Kanzlertaktik hatte sich wohl nach Tirol nicht durchgesprochen. Anstelle in kleinen Portionen die Schweinereien zuzugeben, zu beschwichtigen und zu reparieren haben Platter und sein “Gesundheitsteam” einfach mal gar nichts getan. Durch fahrlässiges Nichtstun wurden mehr Angehörige anderer Nationen mit Corona infiziert, als Menschen in Österreich positiv getestet wurden. Die Reaktionen der Medienlandschaft ist im Inland sehr verhalten, ist man doch von den Fördergeldern des Kanzlers abhängig. Während die Leitmedien mehrerer Länder schwere Vorwürfe erheben, hat in Österreich noch nicht einmal jemand den Rücktritt Platters verlangt. Was sagen eigentlich die Grünen zu dieser “Leistung”? Oder stellt man ihnen einfach keine Fragen dazu?

Blick aus dem Fenster

Linz hat Tag 1 der Maßnahmen jedenfalls gut weggesteckt. In den Parks flanieren Menschen, zumeist alleine oder in Kleingruppen, mit Kindern oder mit Hunden. Von einer Überwachung oder Kontrolle durch Polizei und Militär ist nichts zu sehen oder zu spüren. Beim Supermarkt gibt es wie immer frische Wurst und frisches Brot, nur ein Schild weist darauf hin, dass man auf Zahlungen mit Bargeld wenn möglich verzichten solle. Einzig das Klopapier ist ausverkauft und nicht nur ich stelle mir die Frage, wie oft der gelernte Österreicher pro Tag eigentlich aufs Klo geht, wo er doch am liebsten anderen “gehts doch alle scheißen” wünscht. Für morgen hat Gesundheitsminister Anschober “noch drastischere Maßnahmen” angekündigt. Die nächste kleine Portion. Wir warten gespannt.

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