EU-Konflikt um russischen Corona-Impfstoff: Ungarn bestellt “Sputnik V”

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Brüssel tobt

EU-Konflikt um russischen Corona-Impfstoff: Ungarn bestellt “Sputnik V”

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Mit 95 Prozent Wirkungsgrad liegt der russische Vektor-Impfstoff „Sputnik V“, zur Bekämpfung von Covid-19, im Spitzenfeld mit wenigen anderen Impfstoffen, die in den USA hergestellt wurden. Ungarn hat ihn bereits bestellt und wurde dafür von der EU zurechtgewiesen.

Der Impfstoff sei nicht von der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen, und damit nicht für den Gebrauch am EU-Markt zertifiziert. Ungarn will aber selbst entscheiden, was gut für seine Bürger ist und will Sputnik V sogar gemeinsam mit Russland im Land herstellen.

Gut erprobt, robust, preisgünstig

Bei einer Impfung mit „Sputnik V“ seien  95 von 100 Personen vor Covid-19 geschützt, verkündete der russische Gesundheitsminister. Die Zahl beruht auf vorläufigen Tests an Freiwilligen, 42 Tage nach der ersten Injektion – bzw. 21 Tage nach der zweiten Verabreichung. 22.000 Freiwillige erhielten die erste Impfung, 19.000 die erste und zweite Injektion. Sputnik V ist zudem sehr robust für den Transport auch in ärmere und wärmere Ländern. Es gibt den Impfstoff als Flüssigkeit bei minus 18 Grad zu lagern. Oder gefriergetrocknet bei 2-8 Grad – ohne Effizienzverlust.

Weniger als 10 US-Dollar pro Dose

Der Impfstoff soll um weniger als 10 US-Dollar pro Dose auf den internationalen Markt kommen und wurde bereits vielfach bestellt. Für die Entwicklung ist das Gamaleya-Zentrum für Epidemiologie und Mikrobiologie zuständig, für die Finanzierung der russische Staatsfonds (RDIF) gemeinsam mit Investoren. Russland hat überdies einen weiteren Covid-19-Impfstoff in der Pipeline: EpiVacCorona, einen synthetischen Peptid-Impfstoff.

Impfen wird zum Politikum

Ungarn hat, als einziges EU-Land, Sputnik V bereits geordert und sich dafür einen neuen Konflikt mit Brüssel eingehandelt. Mit diesem Alleingang schade Ungarn dem Vertrauen der Bürger in Covid-19-Impfstoffe. Außenminister Peter Szijarto wies darauf hin, dass ungarische Experten den Impfstoff untersuchen und eine fundierte Entscheidung über die mögliche Verwendbarkeit und Zulassung treffen werden.

Die EU-Arzneimittelbehörde und Russland liegen offenbar auch im Clinch: Moskau hat dort angeblich schon im Oktober um „wissenschaftlichen Rat“ angesucht, bisher aber keine Antwort erhalten. Die EMA bestreitet, Daten von Russland oder Ungarn bezüglich Sputnik V erhalten zu haben. „Man sollte Impfungen aus der Politik heraushalten und es den Ländern freistellen, wie sie ihre Bürger schützen”, heißt es von Seiten Russlands.

EU betritt Impfstoff-Neuland

Während Brüssel die Ungarn kritisiert, setzt es selbst auf sogenannte mRNA-Impfstoffe, die noch nie zuvor am Menschen erprobt bzw. zugelassen wurden. Hunderte Millionen Impfdosen hat Brüssel schon in den US-Werkstätten Moderna (mRNA, Effizienz 94,5) und Pfizer-BioNTech (mRNA, Effizienz 90) bestellt, die demnächst zugelassen werden sollen.

Weitere Verträge gibt es mit AstraZeneca-Oxford (Vektor, Effizienz 70,4) und Johnson & Johnson (Vektor) weitere sollen folgen. mRNA-Impfstoffe beruhen auf einem Boten-System, wobei über flüssige Nanopartikel Informationen zur Bekämpfung des Virus in die menschlichen Zellen einschleust werden.

Vektor-Impfstoffe bestehen aus Erregern (Vektoren), die ein oder mehrere Moleküle des Krankheitserregers tragen. Sie wurden in den 80er Jahren entwickelt und sind bereits gegen das Dengue-Fieber oder Ebola im Einsatz. mRNA-Impfstoffe sind auch eine riesige logistische Herausforderung: so kann etwa das Serum von Pfizer-BioNTech nur bei minus 70 Grad-Kühlung „überleben“. Für Länder in Afrika oder Indien, käme er kaum in Frage.

 

 

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