FP-Stadtrat Raml sieht sein Linz in der Corona-Krise gut positioniert

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„Die Regierung widerspricht sich zu häufig“

FP-Stadtrat Raml sieht sein Linz in der Corona-Krise gut positioniert

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Der Linzer Sicherheits- und Gesundheits-Stadtrat Michael Raml (FPÖ) hat früh vor der Gefahr durch das Coronavirus gewarnt. Von der Bundesregierung würde er sich vor allem mehr Tests wünschen. Die Umsetzung der Maskenpflicht sieht er kritisch. In der Stahlstadt wird derzeit nach einem Quartier für Unbelehrbare gesucht, die sich nicht an die Beschränkungen halten. Verantwortlich dafür: Ein Asylwerber.

Ein Interview geführt von René Rabeder

Herr Stadtrat Raml, wie geht es Ihnen in der aktuellen Krisensituation? Sind auch Sie auf Homeoffice umgestiegen?

Gott sei Dank sind meine Frau und ich gesund! Homeoffice ist gerade in der aktuellen Situation sehr wichtig. Ich selber versuche, vieles von zu Hause aus zu erledigen. Allerdings bin ich als Gesundheitsstadtrat auch regelmäßig im Rathaus, um Maßnahmen vor Ort zu koordinieren.

Als Gesundheitsstadtrat sind Sie Teil des Linzer Krisenstabs und bekommen so viele Einblicke. Wie bewerten Sie die Arbeit der Bundesregierung?

Die Bundesregierung widerspricht sich regelmäßig und das verunsichert die Bevölkerung. Vor wenigen Wochen wurden Schutzmasken als sinnlos abgestempelt, jetzt wurden sie zur Pflicht. Minister Anschober hat auch mehr Tests abgelehnt, während Kanzler Kurz gleichzeitig die Devise „Testen, testen, testen“ ausgegeben hat. Diese Ankündigung wurde aber immer noch nicht umgesetzt. Österreich sollte pro Tag 15.000 Tests durchführen, schafft aber nur einen Bruchteil. Es scheint so, als wären der schwarz-grünen Bundesregierung tägliche Pressekonferenzen wichtiger als durchdachte Maßnahmen.

Wir vom Wochenblick haben bereits am 27. Februar eine Anfrage an Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander gestellt, wie unser Bundesland auf die Krise vorbereitet sei. Die Antwort war damals: „Es gibt keine Krise“. Hat man vielleicht doch zu spät reagiert?

Wir haben in Linz die ersten Krisenbesprechungen bereits am 25. Februar geführt und die Gefahr erkannt. Andere haben sie unterschätzt. Die ÖVP-Landesrätin hat die Sache offensichtlich nicht so ernst genommen. Mittlerweile liegt Oberösterreich aber schon im bundesweiten Spitzenfeld bei der Anzahl der Corona-Infizierten. Es hat sich gezeigt, dass rechtzeitige Maßnahmen am meisten helfen. Ich habe noch vor Ausbruch der Krise den Erfahrungsaustausch mit dem Leiter des Wiener Ärztefunkdienstes gesucht, um die Themen Corona-Testungen, Schutzausrüstung für Ärzte und Ablaufoptimierung in der Patientenversorgung zu besprechen. Viele Vorbereitungs- und Planungsmaßnahmen erweisen sich für die Stadt Linz nun als Vorteil. Ich denke, Linz ist im oberösterreichischen Schnitt gut positioniert, obwohl wir als städtischer Ballungsraum bei Virus-Epidemien natürlich keine leichte Ausgangssituation haben. Wir setzen auf klare Maßnahmendefinition, rasche Umsetzung und keine Naivität.

Setzt auf klare Maßnahmen und nicht auf Naivität: Stadtrat Michael Raml.

 

Was ist Ihr persönliches Rezept gegen Corona?

Mehr Tests und persönliche Kontakte einschränken! Das dämmt die Verbreitung wirklich ein und man schützt damit nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen. Masken sind hier sicher auch ein gangbarer Weg. Wie die Bundesregierung die Umsetzung der Maskenpflicht aber angeht, sehe ich kritisch.

Sind überhaupt genug Masken vorhanden?

Dafür hätte die Bundesregierung schon lange vorsorgen müssen! Es kann nicht sein, dass Anschober und Kurz eine Verpflichtung ausrufen und gleichzeitig keine Schutzausrüstung zur Verfügung stellen. Die Menschen müssen sich weiterhin sicher mit Lebensmitteln versorgen können! Unsere Ärztinnen und Ärzte und das Pflegepersonal müssen endlich mit hochwertigen Schutzmasken ausgestattet werden, um sich und deren Patienten zu schützen. Ich weiß, dass viele Arztpraxen mit Schutz-
ausrüstung unterversorgt sind. Hier müssen Gesundheitsholding und Ärztekammer in Oberösterreich tätig werden.

Meistens reicht ein
Gespräch. doch die
Polizei straft bei
nichteinhalten der
maßnahmen auch.

Warum sollte mehr getestet werden?

Jeder Mensch hat Gewissheit verdient, wie es um seine Gesundheit steht. Daher sind tausende taugliche Tests das Gebot der Stunde! Vor allem Ärzte und medizinisches Personal müssen regelmäßig auf Corona getestet werden. Wenn diejenigen, deren Hilfe wir am dringendsten benötigen, ausfallen, weil sie selbst erkranken, ohne dass wir rechtzeitig Planungsänderungen durchführen können, ist das katastrophal. Das ist bei vielen Gesundheitspolitikern und -managern aber offensichtlich noch nicht angekommen.

Können Tests auch zu einer Rückkehr zur Normalität beitragen?
Selbstverständlich! Es wäre sehr sinnvoll, durch Antikörpertests möglichst flächendeckend zu erheben, wer Covid-19 bereits durchlebt hat und damit wahrscheinlich immunisiert ist. Im Bereich dieser Personengruppe könnte man sukzessive beginnen, die Arbeit und gesellschaftliche Normabläufe wieder aufzunehmen. Das wäre nicht nur für uns alle, sondern auch für die Wirtschaft eine Erleichterung.

Was sagen Sie als Sicherheitsstadtrat zu den Ausgangsbeschränkungen?

Sie sind eine Belastung für uns alle. Ich selbst würde gerne meine Freunde wieder treffen oder meinen Großvater besuchen, muss mich aber mit Telefonaten begnügen. Die meisten Linzer halten sich auch vorbildlich an die verordneten Bestimmungen. Ihnen ist bewusst, dass diese der Sicherheit und Gesundheit von uns allen dienen. Das ist nicht selbstverständlich! Es gibt aber auch schwarze Schafe. So haben etwa drei Türkinnen kürzlich in einem Linzer Krankenhaus einen Notausgang unbefugt geöffnet, um ihre männlichen Besucher hereinzuschmuggeln. Das ist ein Wahnsinn, noch dazu in einem Krankenhaus!

Welche Konsequenzen drohen?

Meistens reicht ein aufklärendes Gespräch, die Polizei straft aber auch. Die Stadt sucht auch bereits nach einem polizeilich überwachten Quartier für unbelehrbare Ignoranten. Anstoß dafür war ein Asylwerber, der sich mehrmals nicht an die verordnete Quarantäne halten wollte und quer durch die Stadt gelaufen ist. Wir dürfen uns nicht auf der Nase herumtanzen lassen! Ich bin täglich in engem Kontakt mit der Polizei, die derzeit massiv belastet ist und dennoch hervorragende Arbeit leistet. Es ist für uns alle eine schwere Situation. Jeder Ignorant ist dafür verantwortlich, dass die Ausgangsbeschränkungen noch länger andauern!

Wann rechnen Sie persönlich damit, dass das Leben in unserer Stadt wieder so sein wird wie früher?

Wenn wir jetzt alle zusammen helfen und uns schützen, dann werden wir in einigen Wochen wieder ein normaleres Leben führen können. Ich danke allen Helden des Alltags – von der Kassiererin bis zum Busfahrer und dem Polizisten – dafür, dass sie derweil das Leben in unserer Stadt aufrecht erhalten.

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