Gasteiner Heilstollen-Schließung: Schmerzhafte Kollateralschäden befürchtet

Aus Angst vor Corona-Infektionsrisiko

Gasteiner Heilstollen-Schließung: Schmerzhafte Kollateralschäden befürchtet

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Im Oktober soll der Gasteiner Heilstollen frühzeitig geschlossen werden. Die Sozialversicherung schicke aufgrund der Corona-Situation keine Patienten mehr, wie das Management bedauert. 40 Mitarbeiter sollen vorzeitig entlassen werden. Wie groß wird der gesundheitliche Kollateralschaden?

Der Gasteiner Heilstollen ist nur wenige Meter breit. Der Österreichischen Gesundheitskasse ist das zu riskant. Ihr Obmann, Andreas Huss, erklärte, dass er das Einhalten der Mindestabstände im engen Stollen, der früher zur Erzgewinnung diente, kritisch sehe. Außerdem sind es oftmals Risikopatienten, die den Gasteiner Heilstollen aufsuchen. Das Corona-Risiko will die Sozialversicherung daher nicht eingehen.

Therapienutzen überwiegt Corona-Risiko

Die Betreiber hätten sich das freilich anders vorgestellt. Sie haben ein eigenes Sicherheitskonzept erstellt, wie Geschäftsführer Christoph Köstinger gegenüber dem ORF erklärt: „Neben unserem bestehenden Schutzkonzept haben wir getrennte Einfahrten für Patienten in stationären Einrichtungen angeboten, um sogenannte Cluster-Risiken einfach zu minimieren. Darüber hinaus sind wir für alle sinnvollen Begleitmaßnahmen offen.“

Dabei minimiere das Heilstollenklima sogar die Übertragungsrisiken durch Viren, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Christoph Köstinger beruft sich auf eine Studie, in der das geringere Infektionsrisiko nachgewiesen werden konnte. Aus seiner Sicht überwiegt der Nutzen der Therapie die Coronarisiken bei Weitem.

Kollateralschäden für Rheumatiker und Morbus Bechterew Patienten

Es sind schwere Erkrankungen, die die Lebensqualität erheblich einschränken, die im Gasteiner Heilstollen behandelt werden.

Arthrose, Allergien, Osteoporose und sogar Morbus Bechterew: die Krankheitsverläufe können durch Kuren im Heilstollen für Monate gestoppt werden.

So kann eine Radon-Heilstollenkur die Symptome von Morbus Bechterew – einer Erkrankung die letztlich zur Einsteifung der Wirbelsäule führt – für bis zu 9 Monate stoppen.

Die Patienten können durch die Kuren ein Jahr ohne Schmerzmittel verbringen und den Krankheitsverlauf bremsen. Jetzt müssen sie fast ein halbes Jahr auf diese für sie so wichtigen Behandlungen verzichten und werden zum Teil Schäden erleiden, die sie durch die Heilstollentherapien hätten vermeiden können.
Das Wegfallen des für sie so wichtigen Heilstollens wird ihre Lebensqualität wohl wesentlich beeinträchtigen.

Immer mehr Kollateralschäden

Die Corona-Maßnahmen haben bereits im Vorfeld zu unzähligen Kollateralschäden geführt. So konnten Krebspatienten durch die restriktiven Maßnahmen in den Krankenhäusern vielfach ihren Untersuchungen und Behandlungen über Monate nicht im vorgesehenen Maß nachkommen. Etliche Erkrankungen wurden erst nach dem Lockdown verspätet erstdiagnostiziert. Schäden, die durch eine raschere Erstdiagnose vermieden werden hätten können, treten so ein.

40 von 50 Mitarbeitern verlieren Arbeitsplatz

Durch das vorzeitige Betriebsende des Heilstollens ergibt sich ein Umsatzminus von 60%. Von den 50 Mitarbeitern des Heilstollens müssen sich 40 jetzt für fünfeinhalb Monate einen neuen Arbeitgeber suchen.

Der Bad Gasteiner Bürgermeister Gerhard Steinbauer (ÖVP) zeigte Verständnis für die vorzeitige Schließung des Heilstollens. Der Tourismus im Gasteiner Tal stehe auf vielen Säulen. Damit habe der Wegfall einer dieser Säulen keine großen Auswirkungen.

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