Hype um angebliches Covid-19-Heilkraut

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Thailändische Regierung fördert Anbau:

Hype um angebliches Covid-19-Heilkraut

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In Thailand fördert die Regierung den Anbau des traditionellen Heilkrautes „fah talai jone“ (grüne Chiretta) zur Linderung leichter Covid-19-Symptome. Das Kraut wurde – angeblich erfolgreich – bei über 12.000 Gefängnisinsassen mit milden Symptomen eingesetzt. Die staatliche Förderstrategie soll auch die ländliche regierungskritische Bevölkerung, über bessere Einkommensmöglichkeiten für Bauern, besänftigen.

  • Thailand setzt auf heimische Heilkräuter
  • Bei milden Covid-19-Symptomen
  • Erfolgreiche Anwendung bei über 12.000 Gefangenen
  • Studie dazu in Auftrag
  • Regierung fördert Anbau
  • Ländliche Bevölkerung regierungskritisch
  • Mehr Einkommen für Bauern

Von Kornelia Kirchweger

Premier beauftragte Studie

Die äußerst bittere, grüne Chiretta ist in Indien und Sri Lanka heimisch. In Süd- und Südostasien wird sie traditionell gegen bakterielle Infektionen – z.B. Atemwegserkrankungen oder schwerer Husten – eingesetzt. Die Pflanze ist auch Bestandteil der ayurvedischen Medizin. Der Hype um das Kraut entstand, nachdem in Gefängnissen das Grippemittel Avigan knapp wurde. Gefängnisbeamte in drei Haftanstalten verabreichten dann das Heilkraut an rund 12.400 Insassen mit milden Covid-19-Symptomen.

Laut thailändischem Justizministerium gab es in den meisten Fällen eine Verbesserung, was die Nachfrage nach dem Kraut ankurbelte. Kritiker warnen vor einer Überschätzung der Heilpflanzen-Wirkung. Es mangle an wissenschaftlichen Beweisen dafür. Premier Prayuth Chan-o-cha beauftragte im Juli eine Studie zur Wirksamkeit der grünen Chiretta-Extrakte und einen Plan zur Förderung der traditionellen heimischen Medizin.

Preise schießen in die Höhe

Nach Angaben des Spitals Chao Phraya Abhaibhubejhr, ein staatlich geführter Hersteller pflanzlicher Arzneimittel, könne man die Nachfrage mit dem vorhandenen Bestand nicht abdecken. Der Justizminister beauftragte im August alle Gefängnisse mit dem Anbau dieser Pflanze. Das Landwirtschaftsministerium hat zudem einen Anbau-Plan für die Heilpflanze auf einem 1.600 Hektar großen Landstück im östlichen Wirtschaftskorridor, einer Sonderzone bei Bangkok, vorgelegt.

Aufgrund der steigenden Nachfrage stieg der Kilopreis der Pflanze innerhalb von sechs Monaten von 1,5 US-Dollar auf 15 US-Dollar. Das Handelsministerium will keine Preiskontrollen einführen. Man wolle den Anreiz für die Bauern nicht schmälern – das wäre auch ein Nachteil für die Patienten.

Neue Einkommensquelle

Abflauende Lieferungen von Reis, einer Ernte, für die Thailand früher der weltweit größte Exporteur war, haben ebenfalls dazu beigetragen, dass die Regierung neue Einkunftsquellen anstrebt. “Thailändische Kräuter könnten ein neues Produkt werden”, sagte Thamanat Prompow, Vize-Minister für Landwirtschaft und Genossenschaften.

Die Regierung Prayuth hat, im Hinblick darauf, auch medizinisches Marihuana und Kratom (Opioid, anregendes Kraut) entkriminalisiert. Nicht zuletzt soll damit die Armut am Land gelindert werden, wo etwa 40% der Bevölkerung leben. Dort ist auch die politische Basis für die oppositionelle Pheu Thai Partei, eine Hochburg der Anhänger von Ex-Premier Thaksin Shinawatra, der bei einem Putsch vom jetzigen Premier im Jahr 2014 abgesetzt wurde. Prayuth ist zugleich Verteidigungsminister und ging 2019, aus einer umstrittenen Wahl, erneut als Premier hervor.

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