Friseurmeister: Warten auf Kurzarbeit-Geld trübt guten Neubeginn

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Versprechen der Regierung werden nicht eingehalten

Friseurmeister: Warten auf Kurzarbeit-Geld trübt guten Neubeginn

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„Hurra, ich lebe wieder!“ Dass er und seinesgleichen seit Anfang des Monats wieder arbeiten dürfen, freut den Linzer Friseurmeister Christian Bacher (59). Allerdings ist er stocksauer darüber, dass er für seine auf Kurzarbeit geschickten Mitarbeiter bislang noch keinen einzigen Cent gesehen hat.

Ein Porträt von Kurt Guggenbichler

Die Regierung Kurz & Co. verspreche viel, halte aber kaum etwas. Er selbst habe bislang nur die obligatorischen 1000 Euro erhalten, die bei ihm gerade die Geschäftsmiete und die Telefonkosten für einen Monat abgedeckt hätten. Daher sei die Öffnung nach sechswöchiger Sperre zur rechten Zeit gekommen. Wenn diese noch länger gedauert hätte, wäre es kritisch geworden.

Hausbesitzer stellte Friseurmeister die Rute ins Fenster

„Mit meinem Geschäft bin ich in diesem Haus an der Siemensstraße in der neuen Heimat nur Mieter“, erläutert der Friseurmeister, „und eine Stundung der Miete wäre für den Hausbesitzer, einen Albaner, nicht in Frage gekommen.

Dieser habe ihm nämlich unmissverständlich mitgeteilt, wenn er nicht mehr zahlen könne, müsse er raus. Dabei sei er doch völlig unverschuldet in diese Notsituation geraten, sagt Bacher, der nach der Geschäftsschließung auch recht schwermütig wurde.

Zweiter Lockdown wäre der Nackenschlag

„Ich arbeite jetzt schon seit meinem 15. Lebensjahr in diesem Beruf und war seitdem noch nie arbeitslos. Dies war meine erste erzwungene Arbeitslosigkeit.“ Dass er jetzt auch noch dafür bestraft wird, indem er auf dem Verlust in Höhe eines fünfstelligen Betrages möglicherweise sitzen bleibt, könnte ihn glatt in eine Depression stürzen.

Die Löhne für die in Kurzarbeit befindlichen Mitarbeiter wurden bislang nämlich in voller Höhe von seinem Konto abgebucht. Käme noch einmal eine Geschäfts-Sperre, würde er die Mitarbeiter alle kündigen.

Bacher: “Fühle mich von der Regierung hintergangen”

„Ich kann in meinem Beruf auch nichts nacharbeiten“, gibt Bacher zu bedenken. Die Aushebelung des Pandemiegesetzes knapp vor Beginn der Krisenbekämpfungsmaßnahmen hält er für einen Schurkenstreich.

„Ich fühle mich von dieser Regierung hintergangen“, meint er, und hegt sogar den Verdacht, dass der große Bürokratismus, mit dem der Erhalt der in Aussicht gestellten Entschädigungszahlungen verbunden ist, sogar bewusst inszeniert worden sei.

„Die Regierung, die beschlossen hat, dass ich nicht mehr arbeiten darf, müsste mir eigentlich meine Unkosten und meinen Gewinn-Entgang für die letzten sechs Wochen komplett bezahlen.“

Rückkehr der Kunden als Lichtblick

Einziger Lichtblick in dieser Welt der leeren Versprechungen sind seine Stammkunden, die sich am 2. Mai in großer Zahl in seinem Salon eingefunden hätten.

Da vor allem die Damen zahlreiche Sonderwünsche gehabt hätten, die einige Zeit in Anspruch nahmen, konnte der Friseur an diesem Tag – auch wegen der Einschränkungen – nur 32 Kunden bedienen.

„Sonst wären es mindestens 40 gewesen“, vermutet Bacher, der mit Leib und Seele Friseur ist. Dabei wollte er doch einmal ganz was anderes werden: Donaudampfschifffahrtskapitän – wie sein Vater.

Handwerk von der Pike auf gelernt

Doch seine Schwester, die bereits Friseurin war und die Christian als Jugendlicher bei ihren Schaufrisierauftritten immer so bewunderte, hat schließlich den Ausschlag für seine Berufswahl gegeben. „So etwas will ich auch machen“, sagte er sich. Erlernt hat Bacher seinen Beruf dann beim Friseur Roithinger in Gaumberg, der in den 1970er-Jahren so etwas wie ein Promi-Coiffeur gewesen sei.

Danach arbeitete Christian beim bekannten Linzer Frisör Schasching: drei Jahre bei Karl Schasching und 14 Jahre bei Christa Schasching. Doch eines Tages wollte auch Bacher ein bisschen mehr Geld verdienen, als das, was ihm schon übertariflich bezahlt wurde. Daher machte er sich im Alter von 33 Jahren mit dem Geschäft in der Neuen Heimat selbstständig und hat diesen Entschluss – was sein Handwerk betrifft – bis heute auch nicht bereut.

Erleichterung über den Neubeginn

In den letzten sechs Wochen sei er ein wenig verzweifelt gewesen, gibt Bacher zu. Doch als es jetzt wieder losging, habe er sich mit seiner Frau hingesetzt, eine Flasche Wein aufgemacht und er habe gerufen: „Hurra, ich lebe wieder!“

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel ist aus unserer Printausgabe 18/20 vom 7. Mai 2020 und reflektiert daher die Faktenlage zu diesem Zeitpunkt. 

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