Starkes Zeichen beim Fetzenzug: Brauchtum widersteht Regierungswillkür

Hunderte Ebenseer trotzen Absage und halten Tradition am Leben

Starkes Zeichen beim Fetzenzug: Brauchtum widersteht Regierungswillkür

Auch der berühmt-berüchtigte "Baby-Elefant" wurden von den Teilnehmern des Umzuges aufs Korn genommen.
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Eigentlich bedeuten die Lockdown-Regeln der Bundesregierung, dass überall in Österreich zahlreiche Veranstaltungen ausfallen müssen. Vielerorts trifft dies auch auf heimische Bräuche zu, nach den Krampusumzügen drohte auch der Fasching auszufallen. Auch in Ebensee – aber dort ließ sich die örtliche Bevölkerung ihren “Fetzenzug” nicht nehmen. Etwa 200 Menschen stellten sicher, dass die Tradition auch heuer nicht abbricht.

Es ist ein farbenfrohes Schauspiel, das es in dieser Form in anderen Regionen nicht gibt: Der “Fetzenzug” der Gemeinde Ebensee am Südufer des Traunsees gilt sogar als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe. Jeden Rosenmontag schwingen sich viele Einheimischen in aufwändig aus Stoffresten genähte Kostüme und legen eine Holz-“Loafn” (eine geschnitzte Maske) an. In der Regel trifft man sich in der Kohlstatt und zieht dann in Richtung Rathaus.

Beim “Austadeln” allen den Spiegeln vorhalten

Ein zentraler Teil dieses Brauchtums ist das sogenannt “Austadeln”. Dabei nutzt man die Unkenntlichkeit der Maske, um den Bekannten im Ort, der Familie, den Freunden – und natürlich den Mächtigen die Meinung zu geigen. Mit verstellter Stimme werfen sie die ungeschminkte Wahrheit umher, halten der Bevölkerung und Obrigkeit den Spiegel vor. Und was könnte gerade in der aktuellen Situation treffender sein?

Der offizielle Umzug am Nachmittag ist dabei nur ein Teil des bunten Treibens. Denn es ist Brauch, dass die Masken im Idealfall erst um Mitternacht abgenommen werden. Davor begleitet man die Bürger in die – derzeit allerdings geschlossenen – Wirtshäuser, mischt sich also unter das Volk. Wer weiß, vielleicht ergeben sich schon die ersten Geschichten fürs Austadeln des Folgejahres?

Das mediale Schreckgespenst der “40 Anzeigen”

Bei den Mainstream-Medien hat man für diese Tradition nur wenig übrig: Fast durch die Bank titelt man abschätzig: “40 Anzeigen nach Fetzenzug in Ebensee” (ORF.at) und “‘Da geht’s rund, als ob nichts wäre’: 40 Anzeigen nach Fetzenzug in Ebensee” (OÖN). Anstatt auf die farbenfrohe Tradition Bezug zu nehmen, streicht man also das Einschreiten der Staatsmacht hervor. In letzterer Zeitung pries man die ursprüngliche Entscheidung zur Absage sogar als “guten Vorsatz”.

Viele Leser merken sich diese Überschriften, es ist der sogenannte “Küchenzuruf” dieser Form von Berichterstattung. Tatsächlich gab es beim Umzug am Nachmittag aber nicht eine einzige Anzeige. Sämtliche Anzeigen betrafen die Nachtstunden – in 34 Fällen waren das Verstöße gegen die bundesweite Corona-Sperrstunde um 20 Uhr. Dreimal trugen Personen keine Maske im Gesicht – an freier Natur wohlgemerkt. Zwei hielten sich nicht an den Zwei-Meter-Abstand, eine Person trotzte dem Ausschankverbot.

Brauchtumsvereine betonen Wichtigkeit der Traditionen

Etwa 200 Ebenseer hielten also das uralte Brauchtum aufrecht und zeigten damit, dass man sich die Tradition nicht verbieten lässt. Auch die Vereine in der Region zeigen ihr Verständnis dafür. “Das Brauchtum Fasching darf man trotz der Pandemie nicht vergessen […] Vielleicht ist es gerade jetzt umso wichtiger, das normale Leben zumindest im Kleinen ein bisschen hochzuhalten“, so ein Sprecher einer Vorchdorfer Faschingsgilde.

Auch der Präsident des Bad Haller Carnevalclubs (BHCC) äußerte sich laut dem ORF ähnlich. Keinesfalls könne man sagen, dass man zur Gänze auf Humor und Heiterkeit verzichten solle, nur weil es erkrankte Menschen gäbe. Die Menschen würden zu anderen Zeiten ja auch an Krankheiten leiden: “Ich glaube das wäre nicht sinnvoll. Denn dann müsste das ganze Jahr über Trauer herrschen”. Ein wahres Wort.

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