Statt Lockdown-Qual in den Alpen: Skiabenteuer in Georgien als Reise zur Freiheit

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Not macht erfinderisch - und lässt wundervolle Gefilde erkunden

Statt Lockdown-Qual in den Alpen: Skiabenteuer in Georgien als Reise zur Freiheit

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“Wollt ihr etwas georgisches Gras probieren?” Seit zwei Stunden fahren wir durch den Südkaukasus. Vorbei an uralten Klöstern und Kirchen, überholen Lastwägen mit so exotischen Länderkennzeichen wie “TJ” oder “AM” und seit zwei Stunden hat Timo, unser Fahrer, mehrheitlich geschwiegen. Doch jetzt, wenige Kilometer vor dem Ziel, hat er offensichtlich das Bedürfnis, seinen Gästen ein Segment der lokalen Produktpalette näher zu bringen.

Gast-Reisebericht von Jörg Sobolewski

Nach langer Fahrt im georgischen Schneeparadies

Keiner von uns konsumiert regelmäßig THC, wir wollen aber auch die Kommunikation mit Timo nicht vor der Zeit beenden und so ergibt eine kurze Debatte auf Deutsch einen Freiwilligen, der tapfer hustend an Timos Friedenspfeife zieht. Der hat den Wagen am Straßenrand geparkt und während der Unglückliche die lokale Kräutervielfalt über die Lunge erkundet, genießen wir anderen die grandiose Aussicht auf tief verschneite Hänge und Vier- bis Fünftausender.

Plötzlich unterbricht der Mann an der Pfeife die Stille und ruft: “Guck mal da! Skifahrer!” Und tatsächlich, er halluziniert nicht. Am gegenüberliegenden Hang ziehen zwei einzelne Freerider ungestört ihre Bahnen durch den unberührten Schnee. Timo lächelt zufrieden: “Ja wir sind fast in Gudauri”, verkündet er, packt die Pfeife ein und steigt wieder in den arg zerbeulten Forester: “Lets go! Lets go!”.

Überall in Georgien kommt man an Kleinoden wie dieser historischen Kapelle vorbei.

Ankunft entschädigt für Skepsis vor langer Anreise

Wenige Kurven später sind wir in besagtem Skiort und damit an unserem Ziel angekommen. Gudauri in Georgien, auf 2200 Metern über Meer gelegen und eines von drei größeren Skigebieten in der kleinen Kaukasusrepublik. Vor neun Stunden sind wir in Berlin losgeflogen, hungrig nach dem weißen Gold und vertrieben von einer restriktiven Coronapolitik, die Lifte und Chalets in den Alpen unzugänglich machte. “Dann eben Georgien” haben wir uns gedacht und unsere Rucksäcke gepackt.

Bereits beim Check-In wollte sich kein richtiges Skigefühl einstellen. Gemeinsam mit bekopftuchten Großfamilien aus der Türkei, syrischen “Refugees” auf Heimaturlaub und einigen wenigen verwegenen Badegästen aus der Bundeshauptstadt ging es mit Pegasus nach Istanbul, von dort mit einem wesentlich kleineren Flieger weiter nach Tiflis. Einen Direktflug hätte es auch gegeben, der wäre mit dreieinhalb Stunden auch deutlich schneller gewesen, aber auch doppelt so teuer.

Kaukasus-Pistengaudi statt überlaufener Alpen-Skihölle

In Tiflis wartete bereits der schweigsame Timo auf uns und nun, zwei Stunden nach der Ankunft in Tiflis stehen wir vor einem Anblick der jedem Skifahrer das Herz übergehen lässt. Auf 64 Pistenkilometern tummeln sich verhältnismäßig wenige Skifahrer (die meisten Europäer mit Lebensmittelpunkt in Dubai oder Touristen aus dem ehemaligen Ostblock) und neben den Pisten weite unberührte Hänge metertief bedeckt mit weißem, trockenem Schnee. Das gesamte Gebiet liegt oberhalb der Baumgrenze, gilt als relativ lawinen- und schneesicher bis in den Mai hinein.

Traumhafte Winterlandschaften, wohin man blickt – und kaum besuchte Pisten.

Unsere Unterkunft liegt direkt an der Piste, ein Chalet, dass sich nicht vor Unterkünften in Österreich oder der Schweiz verstecken muss. Für 1500 Euro nächtigen wir hier zu viert für sieben Tage. Sauna, Küche, Kamin und viel zu viele Zimmer inklusive. Auch am nächsten Morgen setzt sich das gute Gefühl für einen schmalen Taler einen guten Kauf zu machen fort. Vierzig Lari – etwa zehn Euro – will man an der Kasse für eine Tageskarte.

Skiverleih schlägt mit weiteren vierzig Lari für Slalom- und achtzig Lari für Rockerski zu Buche. Schuhe miteinberechnet kommen wir so für sieben Tage Liftkarte und Skimiete auf 140 – 210 Euro Gesamtkosten. Das Material dabei in durchgehend guter Qualität und gut gewartet. Die Lifte sind samt und sonders aus dem Hause Doppelmayr, die Pistenbullis von Kässbohrer und die Skier meist von Rossignol oder Blizzard, soweit wir das überblicken können.

Freude trotz brennender Höhensonne ungetrübt

Überglücklich beginnen wir mit den ersten Schwüngen und stellen fest: die Pisten sind im Schnitt etwas flacher als in den Alpen. “Schwarze” Hänge finden sich vor allem im obersten Bereich des Gebiets auf 3200 Metern. Dort genießt man nicht nur einen wunderbaren Blick sondern auch eine außergewöhnlich aggressive Höhensonne, die unsere Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30 konsequent ignoriert.

Der Sonnenbrand wird uns die gesamte Woche nicht mehr verlassen, das wird uns später bewusst. Ein Nebeneffekt der reichen Sonneneinstrahlung ist besonders in der Spätsaison ein relativ sulziger Schnee ab Nachmittags. Man kann eben nicht alles haben.

Pistengaudi in idyllischer Landschaft mach Lust auf mehr

Das wahre Abenteuer lauert im unberührten Gelände

Nach ein paar Tagen auf den wirklich hervorragend gepflegten Pisten lenken wir unsere Rocker in den Tiefschnee. Ein paar schöne Schwünge später wollen wir es wirklich wissen. Bei einem der zahllosen Anbieter buchen wir uns gemeinsam mit einer munteren Truppe aus Israelis und Ukrainern ein für eine Tour durch das schneereiche Hinterland des Resorts.

Für immerhin fünfzig Euro erhalten wir jeweils ein Lawinen-Verschütteten-Suchgerät und einen robusten Guide. Der steht mit Rat und Tat zur Seite, korrigiert die Technik wo nötig und kennt sich ansonsten hervorragend in der Gegend aus. Vier Stunden geht es auf der Nordseite hinab, durch tiefe Kuhlen voller Pulver und all das vor dem Hintergrund des Kazbegi, eines der höchsten Berge der Region. Am Abend sind wir uns einig: Wer hier nur auf der Piste fährt, der verpasst das Beste an Gudauri.

Abseits der Pisten findet sich das schneeweiße Paradies

Üppig Speis’ und Trank, wie das Herz begehrt

Apropos das Beste: Après Ski gibt es hier natürlich auch. Wer sich freundlich genug anstellt, bekommt auch die Musikauswahl übereignet und flugs schunkeln auch Einheimische, Russen und Israelis zu “Hurra die Gams” fröhlich mit. Das alles zu höchst günstigen Preisen für Alkoholika: Zwischen einem und zwei Euro schlägt ein halber Liter Bier zu Buche.

Hervorragenden Glühwein gibts auch für einen bis anderhalb Euro. Auch das leibliche Wohl kommt nicht zu kurz: Schaschlik für drei, Khinkali (eine Art Riesenpelmeni) für zwei Euro. Georgische Küche gilt als hervorragend, wir haben alle etwa fünf Kilo zugenommen und können das Stereotyp aus vollem Herzen bejahen.

Wer dieses Panorama nicht gesehen hat, hat etwas verpasst

Gelungene Woche macht Lust auf baldige Wiederkehr

Wem der Sinn nach globaler, westlicher Kultur steht, der findet in “New Gudauri”, etwas oberhalb von Gudauri, westliches Essen und auch deutlich mehr Gäste aus Westeuropa oder den USA. Wer lieber Land und Leute (und deutlich besseres Essen als Burger und Co.) nach einem Tag auf der Piste erleben will, dem sei recht herzlich die “Snowtime Bar” in Gudauri ans Herz gelegt. Im Herz des Dorfes gelegen findet sich dort Essen und Trinken, das ohne jede Übertreibung zum Besten gehört, was wir je gegessen oder getrunken haben.

Nach sieben Tagen dann die Rückreise. Timo ist deutlich gesprächiger, die gesamte Rückfahrt unterhält er uns mit Geschichten aus der Gegend und wir scheiden am Flughafen als beste Freunde. Die 160 Lari (40 Euro) für den Transport geben wir ihm gern, auch wenn wir das reguläre Taxi für 100 Lari hätten nehmen können. Nächstes Jahr, so schwören wir ihm und uns, nächstes Jahr wieder in Georgien!

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