Südtirol hart getroffen: „Los von Rom“ hallt durchs Land

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Tourismusmagnet besonders durch die strengen Corona-Maßnahmen Italiens gebeutelt

Südtirol hart getroffen: „Los von Rom“ hallt durchs Land

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Auch der Tiroler Süden bleibt nicht von den Folgen der Covid-19-Krise verschont. Die starke Abhängigkeit von Tourismus und Rom wiegt dabei gleich doppelt schwer. Viele Südtiroler, die sich seit Jahrzehnten für die Freiheit ihrer Heimat einsetzen, wittern deshalb nun Morgenluft.

von Raphael Mayrhofer

Maskenpflicht. Ausgangssperren. Heimarbeit. Die Maßnahmen, die infolge des Corona-Virus in Südtirol getroffen wurden, unterscheiden sich oberflächlich betrachtet nicht wesentlich von jenen in anderen europäischen Ländern. Dennoch ist das kleine Land im Gebirge ein Sonderfall.

Zwar war der Verbreitungsgrad des Virus in Südtirol stets deutlich unter jenem nord­italienischer Brennpunkte, die kollektiven Maßnahmen der römischen Zentralregierung führten nichtsdestotrotz zu einer landesweiten Lähmung des öffentlichen Lebens.

Haus oder Wohnung durften nur mit Passierschein verlassen werden. Militär und Polizei patrouillierten in den Straßen. Innerhalb weniger Wochen verwandelte sich die malerische Tourismushochburg in ein menschenleeres Sperrgebiet.

Folgenschwere Maßnahmen

Die Folgen der Einschränkungen im Namen von Corona wurden bald offensichtlich. So stieg die Arbeitslosenrate alleine im April um 61 Prozent, während die Zahl der Übernachtungen von März bis Mai um fünf Millionen im Vorjahresvergleich sank.

Zu den Verdienstausfällen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro kamen Zukunftsängste, mediale Verunsicherung und politische Intransparenz.

Neben heimatverbundenen Organisationen, die die Gunst der Stunde nutzten, um die Forderung nach einem „Los von Rom“ ins Volk zu tragen, sammelte sich schnell ein breites Widerstandsbündnis von Impfgegnern bis zu Überwachungskritikern.

Lehrer, Arbeiter, Eltern, Unternehmer, Künstler – sie alle kritisierten die Schulschließungen, Veranstaltungsverbote und Arbeitseinschränkungen.

Bürger gehen auf die Straße

Mehrere Demonstrationen trugen die Unzufriedenheit der Südtiroler auf die Straße. So etwa am 30. Mai, als sich in Meran rund 400 Menschen versammelten. Der Umstand, dass mehrere Teilnehmer der Kundgebung keinen Mundschutz trugen, reichte dem grünen Bürgermeister der Stadt offenbar, um eine Fotoauswertung und harte Strafen anzukündigen.

Während die Politik ihre Energie auf die Kriminalisierung von Bürgern konzentrierte, profitierte der Staat von der neu gewonnenen Macht – auch finanziell. Eine „Covid-Lohnausgleichskasse“ sollte die Verluste für Betriebe und Arbeiter abfedern.

Das Geld, das dazu vom Land Südtirol bereitgestellt wurde, landete jedoch in Rom und wurde „anderweitig ausgegeben“. Bei den meisten Arbeitern besteht der Lohnausgleich bis heute nur auf dem Papier.

„Nein“ zur Überwachung

Zur Kritik an den Maßnahmen und ihren Folgen kam bald schon eine offene Ablehnung der Corona-Überwachung. Eine eigens entwickelte App namens „Immuni“ scheiterte aufgrund der fehlenden Nutzer kläglich.

Eine Vielzahl an Leserbriefen, Petitionen und digitalen Protestformen verdeutlichte, dass die anfängliche Obrigkeitshörigkeit schon bald in Wut umschlug. Insbesondere überforderte Eltern und besorgte Lehrer äußern ihre Bedenken über die neuerliche Schulöffnung im Herbst.

Absurde Regeln, wie etwa das Aussetzen des Nachmittagsunterrichts, die Ein-Meter-Regel und die Kürzung der Schulstunden von 26 auf 17 Stunden werfen die Frage auf, ob das Corona-Virus ein verkappter Bürokrat ist. Medizinisch dürfte die Sinnhaftigkeit solcher Strategien auf der Ebene von Voodoo-Zaubern einzuordnen sein.

Die Entwicklungen unter der Fassade von Corona zeigen vor allem eines: Die Zukunft Südtirols ist ungewiss und fragil, solange das Land einem Fremdstaat angehört, der statt Sicherheit und vernünftiger Planung nur Chaos und Bürokratie vorweisen kann.

Corona kann der Beginn eines neuen Bürgerbündnisses sein, das alle umfasst, die mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmung anstreben. Das gilt für ethnische und kulturelle Fragen ebenso wie für wirtschaftliche und soziale Überlegungen.

Krise der Globalisierung

Die aktuelle Krise ist eine Krise der neoliberalen Globalisierung. Die Auslagerung der Medikamentenproduktion nach Fernost, die Abhängigkeit von internationalen Nahrungslieferanten, die Privatisierung und damit der Abbau des Gesundheitssystems, aber auch die Abhängigkeit von Rom und von einem invasiven Massentourismus haben sich als ebenso instabile wie schädliche Konzepte erwiesen.

Die Antwort auf diese Krise kann daher nur in einer Deglobalisierung und Relokalisierung liegen. Souveränität, Nachhaltigkeit und Selbstversorgung sind die Stichworte einer neuen Post-Corona-Ordnung, die Südtirol krisensicher und frei macht. Auch für die von vielen Experten vorhergesagten Wirtschaftskrisen, die dem Corona-Kahlschlag folgen werden.

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