Tag 2 – Österreich in der Zwangspause

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DAS WOCHENBLICK CORONA-TAGEBUCH

Tag 2 – Österreich in der Zwangspause

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Seit Sonntag nehme ich mich zurück. Komplett. Ich halte mindestens eine Armlänge Abstand (meine Arme sind sehr lang), ich spreche mit geschlossenem Mund (Tröpfchenexport), ich trage Latex-Handschuhe, sobald ich das Haus verlasse und habe den Mundschutz zur allzeitigen Verwendung um den Hals hängen…. schaut irgendwie cool aus.

Ein Eintrag ins Tagebuch von Kornelia Kirchweger

… Alles ist anders

Die Nachbarn sind immer freundlich. Man tratscht über den Zaun oder die Straße – hallo, hallo, wie geht’s. Eh gut. Die haben Zeit, pfah. Sonst sieht man sie kaum. In den Gärten herrscht emsiges Treiben… Verwandte und Bekannte melden sich jetzt viel öfter. Denen ist auch fad. Mein Lebensgefährte achtet jetzt viel mehr auf mich. Jedes Hüsteln wird registriert…Hast vielleicht schon Corona? Scherz. Das nervt.  Auf WhatsApp zerkugle ich  mich, wegen der vielen lustigen Corona-Postings, hab sie jetzt auf meinen Status gestellt, zur allgemeinen Erheiterung. Vor allem die Klo-Papier-Hamsterer. Ich habe meine Bekannten – auch im Ausland – befragt, ob sie auch…. Eh klar, sagen die meisten. Ja aber so viel, was machst denn damit? Na, was schon…blöde Frage. Ja. Eh.

Die traurige Nachbarin

Meine 80-jährige Nachbarin, die ich sonst jeden Tag auf ein Plauscherl besuchte, tut mir leid. Ich rede mit ihr aus der Entfernung. Jetzt glaubt sie, SIE sei krank und ICH wolle mich vor ihr schützen. Das macht mich traurig. Ich versuchte ihr zu erklären, warum ich mich nicht neben sie setzen soll. Zu ihrem Schutz. Sie nickt traurig. Zum Glück ist sie sonst gut versorgt, durch ihren Sohn. Die tapferen Damen vom Hilfswerk kommen auch (noch) jeden Tag mit Mundschutz und Handschuhen und schauen nach, ob alles ok ist.  Ich gehe mit ihrem Hunderl raus. So allein, wie schon lange nicht. Wiese und Wald – kein Mensch, kein Hund, kein lustiges Geschrei auf den Kinderspielplätzen. Dafür sind die Vögel umso lauter, da oben, auf den Bäumen …vielleicht kommt es mir auch nur so vor…weil es so still ist. Der Wald  duftet nach Bärlauch und ist kunterbunt voller Leberblümchen, Buschwindröschen, Hänsel und Gretel…Corona hat hier nix zu melden.

Der Virus schafft an…

Im Ort stehen die Leute vor der Apotheke Schlange (die andere hat schon zugemacht). Die Ausgabe erfolgt nur mehr durch die Nachtklappe. Im Supermarkt seh‘ ich die Ersten mit Schutzmaske – und Latex-Handschuhen. Auch ich. Die Regale sind noch gut gefüllt. Beim Obst etwas leer. Und natürlich – Klopapier ist aus. Man grüßt nett – hält Abstand – und hofft, dass die Kassiererin noch Bargeld nimmt. Das Yogahaus ist geschlossen. Was soll’s, stehe ich halt zu Hause am Kopf. Auch das Fitness-Center hat zu. Gartenarbeit ersetzt das Training.

Mein Lebensgefährte ist Fliegenfischer. Er hat  jetzt viel zu tun. Mit Fliegenbinden. Denn er will ja was fangen. Den Fischbesatz kann er sich abschminken. Die Crew, die ihm dabei immer hilft…geht gar nicht. Ein Tiroler ist dabei. Der ist jetzt im Heiligen Land eingeschlossen. Das Corona-TV läuft bei uns regelmäßig  – man muss ja wissen, was los ist – vor allem: was man noch darf.  Ansonsten schau ich ja lieber Krimis. Aber keinen deutschen „Tatort“. Da wird nur geflüstert und das Drehbuch ist langweilig korrekt. Es geht doch nichts über den Österreicher-Schmäh.

Overkill

Die Schlagzeilen kreisen wie wild um Corona! Der Bundeskanzler erklärt und beruhigt. Gut macht er das. Unser Tirol ist jetzt in den Negativ-Schlagzeilen. Die Ärzte stecken sich laufend an. Beim Skifahren und auf Kongressen – jetzt bei einem am Arlberg. Na servas, auch beim Doktor muss man aufpassen. Der Mobilfunker A1 hat sich jetzt was geleistet, arg: angeblich hat er die Bewegungsmuster seiner Kunden der Regierung überlassen. Anonym, selbstverständlich. Krass! Auch das Militär wir aktiviert. 2500 Zivis stehen schon zum freiwilligen Einsatz bereit. Selbst für‘s Lagerschlichten in den Supermärkten. Hut ab! Einige unserer Soldaten kämpfen derweil mit den Griechen unten im Süden an der Grenze, um Migranten abzuwehren.

Wenn China hustet, hustet die ganze Welt

…das ist Globalisierung. Wenn China nicht mehr produziert, schaut Europa dumm aus der Wäsche. Das ist Globalisierung. Wir sollten daraus lernen. Auch die Politik. Hoffentlich. Unsere Ami-Freunde riefen uns an. Witzig. Dort gibt es dieselben Einschränkungen wie bei uns – auch das ist Globalisierung. Afrika macht jetzt zu und lässt keine Europäer mehr rein. Die USA hat zugemacht und lässt auch keine Europäer mehr rein. Die EU will zumachen, aber Asylwerber reinlassen. Ein Freund in Ruanda flippte jetzt aus. Dort gibt es einige Corona-Fälle. Bald wird der öffentliche Verkehr fast eingestellt. Er weiß nicht weiter. Ob ich ihm helfen kann… Ein Freund aus Nigeria chattet lustig: kein Problem, bei uns ist nix. Na, dann super! Hakuna Matata.

Corona wirkt

Corona wirkt. In allen Facetten unseres täglichen Lebens. Nach und nach, wird uns das bewusst. Doch jeder Nachteil hat auch einen Vorteil: jetzt haben wir auch die Chance, zu lernen. Z.B., dass nix fix ist – morgen kann alles anders sein. Wie wichtig Familie, Kinder und Freunde sind, dass Entschleunigung heilsam ist, dass man umdenken können muss  – als Elternteil, Chef, Mitarbeiter, Lehrer, Schüler, Politiker. Dass man Verantwortung für die Mitmenschen hat und deshalb achtsam Handeln soll. Bis jetzt er recht gut funktioniert – der Corona-Alltag in Österreich – aus meiner Sicht.

Alles wird gut…

Und ich gestehe: irgendwie bin ich stolz auf unsere Leute, ja, auch auf die maßgeblichen Politiker, die sich sichtlich bemühen und auch sie sind nur Menschen. Alles wird gut, wage ich deshalb zu sagen.

Und jetzt werfe ich mich wieder an den Computer – denn wir wollen ja unsere Wochenblick-Community bei Laune halten. Weil es auch eine Welt abseits von Corona gibt, werde ich dort jetzt mal herumsurfen und dann – Ihnen liebe Leser –  hoffentlich bald wieder eine interessante Story liefern.

In diesem Sinne, noch eine schöne Corona-Woche!

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