Umherziehende Migranten: Corona-Angst in Bosnien wächst

Immer mehr Asylwerber in Quarantäne

Umherziehende Migranten: Corona-Angst in Bosnien wächst

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Unter den 6.500 Migranten und Flüchtlingen, die in Bosnien und Herzegowina in Empfangszentren untergebracht sind, gebe es keinen Corona-Fall, erklärte die Internationale Organisation für Migration (IOM), die diese Camps verwaltet. Die Zentren werden überwacht, keiner darf hinein, keiner hinaus. Kürzlich verschafften sich dennoch 200 Migranten Zugang zu einem der Camps. In Bihać hausen viele Migranten auf Straßen und in Parks – ihr Gesundheitsstatus ist unbekannt.

Ein Kommentar von Kornelia Kirchweger

Obdachlos ohne Kontrolle

Im 3,5 Mio Einwohner zählenden Bosnien-Herzegowina gibt es aktuell 740 bestätigte Infektionen und 30 damit verbundene Todesfälle. Die Bevölkerung, für die der Ausgang eingeschränkt ist, hat Angst, die umherziehenden Migranten könnten das Virus verbreiten. Ihr Gesundheitsstatus ist unklar. Die bosnische Polizei greift sie immer wieder von den Straßen auf. Viele wissen nichts über die Corona-Einschränkungen im Land. In Bihać, im Nordwesten Bosniens, ist die Lage besonders prekär, dort spitzt sich die Lage zu. Um die herumziehenden, obdachlosen Migranten unter Kontrolle zu bringen, soll bald ein Zeltlager im Dorf Lipa errichtet werden.

200 Migranten drängten ins Camp

Auch im Empfangszentrum Miral, in der Stadt Velika Kladuša, nahe der kroatischen Grenze, sei die Lage bedenklich, berichtete Nermina Ćemalović, Gesundheitsministerin des Kantons Una-Sana. Dort leben aktuell 1.100 Migranten – die Unterkunft sei dafür nicht gerüstet. Vor einigen Tagen kletterten 200 Migranten über den Camp-Zaun und verschafften sich Zutritt. Ihr Versuch, illegal über die slowenische Grenze zu kommen, war gescheitert, sie kehrten um. Sie kamen sofort in Isolation.

Immer mehr in Quarantäne

Vier Infektionen mit mildem Verlauf seien bisher bekannt, zwei in Miral und zwei in einem weiteren Camp in Sedra. Die Betroffenen haben kein Fieber, aber Husten, berichtete Ćemalović. In Summe sind aktuell 715 Migranten in Camps im Kanton Una-Sana in West-Bosnien in Quarantäne in speziellen Einzelzimmern. Zumeist sind es zurückgewiesene Migranten, die illegal über Kroatien in die EU wollten oder illegal über die Balkan-Route nach Norden kamen. Wie alle anderen Bürger, die vom Ausland nach Bosnien kommen, müssen sie 14 Tage in Quarantäne.

Grundsätzlich haben jetzt alle temporären Empfangszentren in Bosnien Quarantäne-Bereiche für Migranten mit Symptomen der Lungeninfektion COVID-19. Der dänische Flüchtlingsrat (DRC) koordiniert die medizinische Versorgung in diesen Zentren in Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden der Kantone.

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