Unverständnis und Hausverbote: Ebenseer besteht auf Maskenbefreiung

Körperbehinderte: Ihre Rechte scheinen zurzeit außer Kraft gesetzt zu sein

Unverständnis und Hausverbote: Ebenseer besteht auf Maskenbefreiung

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Seit Ausbruch der sogenannten Corona-Pandemie ist das Einkaufen für den körperbehinderten Eduard Promberger (58) aus Ebensee zu einer Art Spießrutenlauf geworden. Da er auf Grund eines ärztlichen Attestes maskenbefreit ist, muss er sich vor dem Betreten eines Supermarktes jedes Mal erklären und umständlich ausweisen – von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Von Kurt Guggenbichler

„Das ist äußerst mühselig und demütigend“, sagt der frühere Postbeamte, der aufgrund seiner Beeinträchtigung, über die er nicht gern spricht, schon mit 49 Jahren in die Pension verabschiedet wurde. Der Amtsarzt hatte ihm eine 70-prozentige körperliche Behinderung attestiert. Doch wenn er beim Betreten eines Supermarktes darauf aufmerksam macht, dass er eine ärztliche Bestätigung habe, die besagt, dass er keine Maske tragen müsse, werde er vielfach für einen „Covidioten“ und Masken-Verweigerer aus Prinzip gehalten.

In den meisten Geschäften, die er besucht, würde man seinen Einwand akzeptieren, stellt Promberger auch fest, aber eben nicht in allen. Wie beispielsweise in einem Baumarkt in Gmunden, in dem er am frühen Nachmittag des 21. Oktobers einkaufen wollte.

Frechheit

Gleich am Eingang, beim Empfangs- beziehungsweise Informations- und/oder Reklamationsschalter, machte Promberger auf sein Handicap aufmerksam und zeigte seine ärztliche Bescheinigung vor, worauf ihn ein junger Schnösel vom Personal süffisant abschasselte: „Ja, eh klar, wieder einer mit einem Attest vom Dr. Eifler!“ Bei Promberger schwoll der Zorn. „Eine Frechheit!“, konterte er. „Woher wollen Sie wissen, was ich habe?“

Beim Hofer und beim Lidl, grantelte er danach noch in Richtung Schnösel, gebe es mit der Akzeptanz seines Attests keine Probleme. Daraufhin kapitulierte der Baumarkt-Mitarbeiter und Promberger durchstreifte danach ohne Maske das Geschäft, dabei natürlich auf Abstand achtend. Auf die Ausübung des Hausrechts, wie es unlängst eine Kundin bei IKEA in Ansfelden erlebte (der „Wochenblick“ berichtete), wurde in Prombergers Fall verzichtet.

Unmut

Hätte man sich darauf versteift, hätte er die Polizei gerufen. Die Corona-Bekämpfungsmaßnahmen der Regierung hält Promberger für arg übertrieben. „Wenn ich als Postler so gearbeitet hätte wie das sogenannte Expertenteam der Regierung, dann hätte ich in meinem Job, den ich immerhin 22 Jahre lang ausgeübt habe, nicht ein Jahr überlebt.“ Warum sollen sechs Leute an einem Tisch ungefährdeter sein als zehn oder fünfzehn? fragt er sich.

Die „bewusst Angst erzeugenden Schreckensmeldungen von den täglichen Infektionszahlen“ kann er nicht mehr hören, und mit dieser Ansicht ist er nicht allein. „In der Bevölkerung gärt es schon“, glaubt Promberger zu wissen, der aus einem Landstrich kommt, dem Salzkammergut, in dem die Bevölkerung noch nie sehr obrigkeitshörig war. So glaubt er auch nicht, dass sich die Ebenseer den kommenden Glöcklerlauf oder auch den Fasching so ohne Weiteres verbieten lassen werden. Zurzeit hingen beide Veranstaltungen ziemlich in der Luft. Soll Brauchtum künftig vielleicht nur noch virtuell stattfinden wie beispielsweise die Heeres-Leistungsschau zum Nationalfeiertag?

Inkompetent

Er selbst stelle sich nicht gegen die Maßnahmen der Regierung, erklärt Prom­berger, auch wenn er diese für inkompetent und viele ihrer Maßnahmen für reine Panikmache hält. „Was besagen Infektionszahlen schon?“ Promberger jedenfalls fürchtet sich nicht vorm Virus, wie er betont, und aus Gründen der Gesundheit pocht er auf das ihm laut Covid-Maßnahmenverordnung zugestandene Maskenbefreiungsrecht.

 

 

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