Warum es trotz Corona keinen Baby-Boom geben wird

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Warum es trotz Corona keinen Baby-Boom geben wird

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Dabei fußen die Vermutungen sowohl auf einem Anstieg von Kondomkäufen und Sexspielzeug als auch auf verschiedenen Ereignissen aus der Vergangenheit, nach denen ein Baby-Boom festgestellt wurde. Naturkatastrophen, Stromausfälle, Kriege – Ausnahmesituationen befruchten uns im sprichwörtlichen Sinn. Bei näherer Betrachtung halten die Mehrheit der Zusammenhänge jedoch wissenschaftlich nicht Stand. Das aber wohl bekannteste Beispiel eines weltweiten Baby-Booms ist gesichert: Die 50er und 60er Jahre.

Ein Kommentar von Elsa Mittmannsgruber

Die fetten Jahre sind vorbei

Eine optimistische Grundstimmung, Wirtschaftswunder und das Nachholen von im Krieg aufgeschobener Geburten, gepaart mit einer Werthaltung und Rollenaufteilung, die Frauen dazu ermunterten, Kinder zu gebären, führte damals zu einem eklatanten Anstieg der Geburtenrate auf 2,82 Kinder im Jahr 1963 in Österreich.

Dann fiel sie wieder und tänzelt nun seit Jahren um die 1,5 Geburten herum. Warum soll sie jetzt wieder steigen? Bis auf windige Theorien, dass wir in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen mehr Zeit für Sex hätten, spricht nichts dafür. Denn war vor Corona die Lust am Gebären schon im Keller, wird sie durch das Virus und seine Folgen noch mehr sinken. Nun kommen kinderfeindliche Werthaltungen mitsamt seinen Auswüchsen im kapitalistischen System, eine pessimistische Grundstimmung und eine Weltwirtschaftskrise zusammen. Eine gefährliche Entwicklung.

Triste Aussichten

Denn wir alle wissen, dass die gesamte Gesellschaft unter den Auswirkungen eines Geburtenrückgangs zu leiden hat. Vom Fachkräftemangel bis hin zum Zusammenbruch des Sozial- und Pensionssystems.

Zurzeit befindet sich die Wirtschaft in einem Sturzflug und Ökonomen sind sich einig, dass wir ohne drastische Budgetkürzungen und Steuererhöhungen nicht wieder aus dieser Krise herauskommen. Viele verlieren ihre Arbeit und werden von Armut bedroht, die wenigen anderen müssen das gesamte System mit ihrer Leistung erhalten. Förderungen und Beihilfen werden spärlich ausfallen. Unseren Kindern hinterlassen wir einen Schutthaufen und einen Schuldenberg. Und das Schlimmste: Wir lassen sie allein. Denn durch die sinkenden Geburtenraten fehlen ihnen Geschwister, Freunde, Gleichaltrige, mit denen sie dieses Land wieder aus dem Dreck ziehen können.

Ihnen steht eine Übermacht von Alten gegenüber, die von ihnen noch zusätzlich verlangt, ihren Lebensabend zu finanzieren.

Politik wird nicht reagieren

Es ist davon auszugehen, dass wie bisher die Politik auch bei dieser Problemstellung wieder nur kurzfristig handeln wird. Ein Denken in Legislaturperioden, Lobby und Kapital sowie der Blick auf eine Wiederwahl, bestimmt das Handeln der Demokraten.

„Bekommt mehr Kinder, wir fördern Kinderreichtum, wir belohnen Geburten“ – bei solchen Phrasen läuft vielen ein kalter Schauder über den Rücken. Die Nazi-Keule wäre nicht weit. Kein Hindenken, so etwas in Wahlprogrammen zu fordern. Hierbei geben sich ein fehlgeleiteter Feminismus und ein ausbeuterischer Globalismus die Hand. Frauen wollen sich nicht zurück an den Herd gedrängt fühlen und die Regierung freut sich über mehr Steuereinnahmen durch ihre Berufstätigkeit.

Die Kinder kann der Staat großziehen. Deshalb hört man auch als einzige Parole: Mehr Kinderbetreuungsplätze! Und Geburtendefizite können schließlich durch Zuwanderung ausgeglichen werden.

Geld oder Leben?

Dieser Blickwinkel wird weiterhin bestimmend sein. Das Humankapital Frau, wie von Ökonomen so schön genannt, wird weiterhin ausgequetscht. Alle, die Arbeit finden, sollen auch arbeiten. Wir müssen schließlich die Wirtschaft wieder ankurbeln. Keine Zeit für romantische Familienidylle oder Bedürfnisse der Kinder. „Ja ja jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt“, wird das Credo gemäß Geier Sturzflug. Der Arbeitsmarkt wird härter, die Löhne niedriger, die Konkurrenz stärker, die Zeiten rauer.

Vom Arbeitnehmer wird mehr Leistung verlangt werden, schließlich warten Tausende andere, die gerne dessen Job hätten. Diese Tausende anderen müssen schauen, wie sie irgendwie über die Runden kommen. Die einen haben keine Zeit, die anderen kein Geld, die Lust aufs Kinderkriegen sinkt weiter. Da wird die einzige Zauberformel Kinderbetreuungsplätze wie auch bisher wenig helfen.

Keine Zeit für romantische Familienidylle oder Bedürfnisse der Kinder

Denn nur für eine Minderheit ist es eine prickelnde Vorstellung, wenige Wochen nach der Geburt das Kind in Fremdbetreuung zu geben, um sich wieder voll und ganz der wirtschaftlichen Wertschöpfung widmen zu können. Oder eben aus finanzieller Not zu müssen. Dabei ist die Vereinbarkeitsproblematik nur eines der vielen Nachteile, die einem durch eine Geburt blühen. Warum? Weil die Kinderfeindlichkeit systemimmanent ist.

Immerhin belegte erst kürzlich eine Studie von Wiener Forscherinnen die große Kluft zwischen Kinderwunsch und Wirklichkeit in Europa. Diese ergab für Österreich: Lediglich 5,8 Prozent der in den frühen 1970er-Jahren geborenen Frauen wollten keine Kinder, 19,9 Prozent blieben tatsächlich kinderlos.

Eine Sache der Politik

Nun würde die Politik ins Spiel kommen, die die Familie ins Zentrum des Interesses eines Staates rücken sollte. Zum einen das Wohl der Kinder, wofür unbestritten die Fürsorge der eigenen Eltern bestimmend ist. Diese ist aber nur möglich, wenn sich nicht beide in der Berufstätigkeit aufreiben müssen. Zum anderen die Steigerung der Geburtenrate zumindest auf ein Niveau, das die Bevölkerungszahl stabil hält (2,1 Kinder).

Dazu ist es nötig, für Familien Anreize zu schaffen. Sowohl finanziell als auch in den realen Lebensbedingungen. Auch in einer Krise ist das möglich. Zurzeit beweist die Regierung aber einmal mehr ihre Familienfeindlichkeit, wenn man sieht, wie sehr Familien im Stich gelassen werden. Sie sind es gerade, die Unglaubliches leisten, jeden Tag kämpfen und es weiterhin am schwersten haben werden. Sie sind es aber auch, die mit ihrer unbezahlten Arbeit unsere Zukunft sichern.

„Koste es, was es wolle“ sollte für Sebastian Kurz nicht nur das Motto zur Rettung der Wirtschaft, sondern auch zur Rettung der Familien sein.

Es geht uns alle etwas an

Familien werden vom Staat alleine gelassen. Schließlich sind Kinder ein Luxusgut. Wer sie sich leisten will, soll selber damit klarkommen.

Finanzielle Engpässe, Mehrfachbelastungen zwischen Beruf, Kinderbetreuung und Haushalt, schlechtere Job- und Gehaltsperspektiven, schlechteres Ansehen in der Gesellschaft, soziale Ausgrenzung, Altersarmut – all das kann vor allem Frauen blühen, wenn sie Kinder in die Welt setzen. Schuld ist aber nicht „der Mann“. Schuld sind der gewinnorientierte Kapitalismus, der ausbeuterische Globalismus, die verantwortungslose Spaßgesellschaft, die Politik der Kinderlosen. Es ist auch kein Problem „der Frau“, sondern ein Problem von uns allen. Denn es gefährdet unser aller Zukunft, wenn keine Kinder mehr geboren werden. Kinder dienten einst den Familien als Altersvorsorge und Arbeitskraft.

Diesen Zweck erfüllen sie immer noch. Durch Sozial-, Renten- und Wirtschaftssysteme, aber nicht mehr für die Familien selbst, sondern für die Allgemeinheit. Die Krux daran ist, dass sich aber auch die daran bereichern, die selbst keine Kinder in die Welt setzten. Die stattdessen Karriere, Reisen und Partys machen, sich selbst verwirklichen, Geld ansparen und nur für sich aufkommen müssen.

Auf diese Ungerechtigkeit könnte der Staat eine Antwort geben. Viktor Orbán zeigt vor, wie dies aussehen könnte. Er sieht in der Familienarbeit einen Verdienst an der Allgemeinheit und gibt diese Werthaltung auch an die Ungarn weiter.

Er motiviert sie damit, Familien zu gründen, Kinder zu bekommen. Hebt ihr Ansehen in der Gesellschaft. Gibt den Frauen die Möglichkeit, ihre Kinder selbst zu betreuen und nicht nach wenigen Wochen schon in Fremdbetreuung geben zu müssen, schafft aber gleichzeitig Kinderbetreuungsmöglichkeiten für berufstätige Frauen. Ob sich die Ungarn auch wie wir als Bittsteller fühlen, sobald sie Eltern werden? Ich denke nicht.

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