Zusammenbruch der globalen Lieferketten – Leere Regale wegen AdBlue-Krise?

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Engpässe nun auch bei chemischen Produkten…

Zusammenbruch der globalen Lieferketten – Leere Regale wegen AdBlue-Krise?

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Es kracht an allen Ecken und Enden der Lieferketten. Seit Wochenblick Ende April erstmals vor den Folgen des Zusammenbruches von Lieferketten warnte, zeichnet sich dieser immer deutlicher ab. Nach verschiedenen Roh- und Baustoffen sowie Computerchips, die schwer lieferbar bzw. überteuert waren, kamen dann auch noch Aluminium und Magnesium hinzu, weil die Lieferungen aus China ausbleiben. Aufgrund der extrem hohen Gaspreise wird nun auch die Produktion chemischer Produkte und hier vor allem die Düngemittelproduktion zurückgefahren. Zu unrentabel. Das wirkt sich wiederum auf viele andere Branchen negativ aus. So ist derzeit ein Engpass beim Dieselzusatz “AdBlue” zu beklagen, der womöglich den LKW-Frachtverkehr zum Erliegen bringen könnte. Zu Engpässen bei Lebensmitteln könnte neben der Düngerknappheit auch noch der Fischereistreit zwischen Großbritannien und Frankreich beitragen. Und die weltweiten Staus der Containerschiffe vor den Häfen werden sich noch bis Ende 2022 auswirken, meinen Experten. Denn „jetzt werden sogar die Schiffe knapp“.

Von Christoph Uhlmann

  • Mangel an Roh- und Baustoffen schon seit dem Frühjahr
  • Kein Magnesium aus China: Produktion von Aluminium und Stahl massiv beeinträchtigt
  • Chemische Produktion, v.a. Düngemittel, reduziert wegen hohem Gaspreis
  • Zu wenig Ammoniak wegen gedrosselter Düngerproduktion bewirkt Knappheit an Diesel-Zusatz AdBlue – Gefahr für LKW-Logistik
  • Fischereistreit zwischen Frankreich und Großbritannien verschärft angespannte Situation weiter
  • Weltweite Staus von Containerschiffen gefährden globale Lieferketten

 

Die fatalen Folgen der verfehlten Corona-Politik schlagen sich immer deutlicher auf das Funktionieren der Lieferketten nieder. Anfang Oktober berichtete Wochenblick über die Logistikprobleme in Großbritannien, wo aufgrund des Brexits viele Fahrer aus Osteuropa einfach wegfielen. Die Produkte waren zwar vorhanden, die Regale blieben aber trotzdem leer.

Leere LKW-Tanks – leere Regale

Ähnliches könnte nun auch die Knappheit des Dieselzusatzes AdBlue in unseren Breiten bewirken. „Alle bestehenden Großhersteller haben ihre Ware kontingentiert, einige haben die Erzeugung aber auch komplett eingestellt. Zusätzlich häufen sich Anfragen aus dem Ausland massiv und drücken weiter auf die Verfügbarkeit von AdBlue“, erklärte Andreas Obereder, Geschäftsführer der Obereder GmbH, die laut eigenen Angaben führender Lieferant für den Treibstoffzusatz ist.

Kein Ammoniak wegen hoher Gaspreise

Für die Herstellung des Diesel-Zusatzes wird Ammoniak benötigt. Für die Produktion von Ammoniak ist wiederum Erdgas erforderlich, weswegen auch hier die Produktion aufgrund der extremen Preise teilweise zurückgefahren oder eingestellt wurde. Dies wirkt sich zum einen auf den erwähnten Diesel-Zusatz aus, zum anderen auf längere Sicht aber auch auf die Lebensmittelpreise, so sich dieser Trend fortsetzt.

Verhärtete Fronten im Fischereistreit

Probleme bei der Verfügbarkeit und auch deutlich höhere Preise von Lebensmitteln könnte auch der andauernde Streit zwischen Großbritannien und Frankreich bezüglich der Fischereirechte nach sich ziehen. Am Rande des G20-Gipfels konnten sich Boris Johnson und Emmanuel Macron erneut nicht darüber einigen, ob französische Fischer in britischen Hoheitsgewässern ihre Netze auswerfen dürfen. Die französischen Fischer hätten die garantierten Lizenzen nicht bekommen, so der Vorwurf von französischer Seite. Die Briten drohen nun mit der Festsetzung von französischen Fischkuttern und die Franzosen wiederum wollen Boote und LKWs der Briten stärker kontrollieren. Das dürfte den Warentransport via LKW wohl kaum beschleunigen.

Selbst Containerschiffe werden knapp

Großen Einfluss auf das Funktionieren der Lieferketten hat der weltweite Containerschiffsverkehr. Doch seit einigen Wochen staut es sich in den Häfen Chinas der USA und auch Europas. So warten laut den letzten Zahlen knapp 100 Containerschiffe vor den Häfen von Los Angeles und Long Beach, den beiden wichtigsten Häfen der USA. Ein Warenwert von 24 Milliarden Dollar wartet dort auf Abfertigung laut Medienbericht. In China haben die Behörden immer wieder Häfen aufgrund von Corona-Maßnahmen abgeriegelt. Im Juli wurde der Hafen von Yantian besperrt im August der Hafen von Ningbo vor Schanghai. Aufgrund eines Taifuns Anfang Oktober wurden die Häfen erneut für einige Tage geschlossen.

Auswirkungen zumindest bis Ende 2022

Insgesamt liegen derzeit 37,3 Prozent der weltweiten Containerflotte vor Anker oder warten in Häfen, ein Rekordwert. Vom Sportschuh bis zu Computer-Bauteilen wird alles von solchen Ozeanriesen transportiert. Experten gehen erst Ende 2022 von einer Entspannung aus, allerdings auch nur dann, wenn es zu keinen weiteren Störungen in den Häfen kommt.

Besonders betroffene Branchen

In der Autoindustrie klagen 91,5% der Firmen über Engpässe, im Maschinenbau über 80% und in der Chemie-Industrie sind es 57%. Beim Verarbeitenden Gewerbe ist die Getränkeindustrie zwar am wenigsten betroffen, doch auch dort leidet rund ein Drittel der Unternehmen. Im Bausektor berichteten im August rund 38% der Firmen von Engpässen, laut einem Bericht auf der Seite des Ifo-Instituts.

Neben den Lieferproblemen bei Computerbauteilen gibt es diese auch bei Stahl, Kupfer, Magnesium und Aluminium. Ebenso bei Holz, elektronischen Bauteilen, Kunststoffen sowie Verpackungsmaterialien und noch vielem mehr.

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