Ein hochrangiger Funktionär des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in Deutschland soll zusammen mit einem Sicherheitsunternehmen die Wirren der Flüchtlingskrise 2016/2017 ausgenutzt und drei Mio. Euro veruntreut haben. Der örtliche ASB war für die Betreuung von sechs Flüchtlingsunterkünften zuständig. Der Skandal rund um den Mann mit Migrationshintergrund flog letzte Woche auf.

Ein Reportage von Kornelia Kirchweger

Fake-Rechnungen für Flüchtlingsheim-Bewachung

Der Beschuldigte, der alle Vorwürfe bestreitet, sitzt wegen Fluchtgefahr in U-Haft, gegen seinen Komplizen von der Sicherheitsfirma wird ermittelt. Er soll falsche Rechnungen geschrieben haben, die dann vom ASB-Mitarbeiter zur Zahlung freigegeben worden seien. Die zwei Verdächtigen sollen sich das Geld geteilt haben. Nach Auskunft des ASB-Bundesverbandes wurde A. mittlerweile von seiner Funktion abberufen und gekündigt.

Der Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Hannover teilte mit: „In Absprache mit dem Betreiber eines Sicherheitsdienstes für Bewachungsleistungen in Flüchtlingsunterkünften wurden insgesamt mehr als 3 Mio. Euro abgerechnet…nach unseren Erkenntnissen wurden die abgerechneten Leistungen nie erbracht“. Für den Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

Chaos: bis zu 2000 Schutzsuchende kamen täglich

Laut dem Sprecher sollen die beiden das Geld mitten in der Flüchtlingskrise, zwischen Jänner 2016 und März 2017, veruntreut haben. Zu Spitzenzeiten kamen täglich 2000 „Schutzsuchende“ nach Niedersachsen. Mehr als 100 Mio. flossen allein zwischen September 2015 und Oktober 2016 relativ unkontrolliert an die Hilfsorganisationen, damit die Menschen so schnell wie möglich untergebracht werden konnten.

Die Johanniter machten damals einen Gewinn von 8,5 Mio. Euro, gefolgt von den Maltesern (3,5 Mio. Euro) und dem deutschen Roten Kreuz (2,3 Mio. Euro). Der ASB hatte lediglich einen Überschuss von 700.000 Euro – obwohl seine Kapazitäten mit den Johannitern vergleichbar sind. „Damals ging alles drunter und drüber“, sagte Klinge. Es sei denkbar, dass die beiden das Chaos ausnutzten und sich selbst bereicherten.

Hilfsorganisationen machten Millionen-Gewinne

Am Höhepunkt des Flüchtlingszuzuges machten in Niedersachsen alle Hilfsorganisationen zusammen mit dem Betrieb der Notunterkünfte 16 Mio. Euro Gewinn. Das Geld soll in den nächsten Jahren in den Katastrophenschutz fließen. Der deutsche Arbeiter-Samariter-Bund besteht aus 16 Landesverbänden und beschäftigt 40.000 hauptamtliche und mehr als 20.000 ehrenamtliche Mitarbeiter. Im ASB-Leitbild, Punkt 4, heißt es: „Der ASB verfolgt selbstlos, ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige und mildtätige Zwecke.“