Dänemarks sozialdemokratische Regierung will ab 2021 Predigten in Gotteshäusern nur noch in dänischer Sprache zulassen. Damit sollen, vor allem, islamistische Hassprediger kontrolliert und bekämpft werden. Das Gesetz trifft aber auch deutsche und grönländische Minderheiten, die verärgert sind und auf eine Ausnahme hoffen. 

Von Kornelia Kirchweger

Kompromiss: Simultandolmetsch für Arabisch

Mit dem neuen Gesetz soll es mehr Transparenz und Kontrolle für einige islamische Gemeinden geben, in denen bisher meist auf Arabisch gepredigt wird. In Dänemark kam es immer wieder zu Skandalen mit islamistischen Hasspredigern, die auch zu Gewalt aufriefen. Wie dieses Gesetz im Detail umgesetzt werden soll, ist noch nicht bekannt. Möglich wäre ein Kompromiss, wonach eine auf Dänisch gehaltene Predigt simultan auf Arabisch übersetzt wird. Dies passiere aus Rücksicht auf gläubige Einwanderer, die noch nicht so gut Dänisch sprechen. Ob auch kontrolliert wird, was die Übersetzer sagen, bleibt vorerst ungeklärt.

Andere Kirchengemeinden verärgert

Weil die dänischen Verfassung keine Einschränkungen für nur eine Glaubensgemeinschaft erlaubt, sind auch deutsche und andere Minderheits-Kirchengemeinden im Land betroffen. Auch sie haben bisher ihre Gottesdienste in ihrer Heimatsprache abgehalten. Dort herrscht jetzt große Bestürzung: Die deutsche Petri-Gemeinde etwa, besteht seit 450 Jahren in Kopenhagen. Man hofft auf eine Ausnahme und findet das Ganze „befremdlich“. Auch die Grönländer, die zum dänischen Königreich gehören, protestieren. Dass ihre alte Kolonialmacht Dänemark ihnen auf dänischem Boden Gottesdienste in ihrer Sprache verbieten will, wird als sehr negativ beurteilt.

Vorbild Rechtspopulismus

Bei den Dänen hingegen kommt der Plan gut an. Die sozialistische Ministerpräsidentin, Mette Frederiksen, punktete bei der Wahl 2019 mit Versprechungen, eine strenge Ausländerpolitik zu fahren. Sie holte damit frühere sozialistische Wähler zurück, die wegen der laschen Migrationspolitik zur rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei (DF) wechselten. Um glaubwürdig zu sein, muss Frederiksen ihre Versprechen jetzt einhalten. Aber auch andere Parteien orientieren sich – mit Blick auf zunehmenden Wählerschwund – zunehmend am Kurs der Rechtspopulisten.