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Zwei junge Touristinnen aus Dänemark und Norwegen wurden letzten Dezember auf ihrer Tour ins marokkanische Atlas-Gebirge von IS-Terroristen brutal enthauptet. Die Tat wurde auf Video festgehalten und im Internet verbreitet. Dänische User, darunter auch Jugendliche und Schüler, teilten es in den sozialen Medien und werden jetzt angezeigt, berichtet das dänische Radio.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

14 Anzeigen – Gefängnis bis zu drei Jahren

Gegen 14 Personen aus dem ganzen Land wird der Vorwurf auf „unbefugte Weitergabe des Videos, Verletzung der Privatsphäre der Opfer sowie öffentlicher Billigung der Ermordung“ erhoben. Bei einer Verurteilung drohen Gefängnisstrafen bis zu drei Jahren bzw. Geldstrafen. Von den 14 Angezeigten sind sechs minderjährig, zwei davon nicht strafmündig. Der Rest war zwischen 22 und 69 Jahre alt.

Geheimdienst überwacht soziale Medien

Die Polizei wertet weitere Internet-Protokolle aus. Dänemarks Polizei und Geheimdienst sowie die Kripo in Norwegen dürften die sozialen Medien also lückenlos überwachen. Denn das Video verbreitet sich vor allem unter Jugendlichen rasant. Die Öffentlichkeit wurde aufgefordert, das Video nicht anzuschauen, sondern sofort zu löschen. Ein Strafrechtsprofessor erhielt den Auftrag, nach einem passenden Paragrafen suchen, der das Verbot rechtfertigt: demnach dürfen Bilder einer Person (auch wenn sie tot ist) nicht veröffentlicht werden „in Umständen die eindeutig von der Öffentlichkeit fernzuhalten sind“.

Islam-kritische Bloggerin: Video zeigt, was Behörden vertuschen

Jaleh Tavakoli, Islam-kritische Bloggerin und Autorin bei der Zeitung Jyllands Posten, teilte den Link zum Video auf Reddit. Er wurde gelöscht. In einem empörten Kommentar rechtfertigte sie ihren Schritt, sie habe keine Angst vor einer Anzeige. Tavakoli kritisierte, Medien und Behörden haben in diesem Fall Information unterschlagen, die man ohne das Video zu sehen, nicht wüsste. Der von den marokkanischen Behörden als Terrorakt eingestufte Doppelmord sollte offenbar vertuscht werden. Zudem habe der Mainstream das Video erst erwähnte, nachdem alternative Medien es als die Hinrichtung von Marokko verifizierten. Daraufhin räumten auch dänische und norwegische Behörden halbherzig ein, es könnte sich um besagten Mord handeln. Aufgrund des im Web kursierenden Videos seien auch die anfangs schleppenden Ermittlungen der marokkanischen Behörden in Fahrt gekommen. Schließlich wurden 15 Marokkaner angeklagt. Vier der Angeklagten bekannten sich eine Woche vor der Tat, in einem anderen Video, zum IS.

Auch gegen Le Pen wird ermittelt

In Frankreich spielt sich Ähnliches ab. Dort wird jetzt gegen Marine Le Pen, Chefin der rechten Oppositionspartei Rassemblent National, ermittelt, weil sie 2015 Fotos von IS-Morden (Enthauptung, Verbrennung bei lebendigem Leib, Überfahren mit einem Panzer) postete – dies als Antwort auf einen Journalisten, der ihre Partei mit dem IS verglichen hatte. Eines der Opfer war ein US-Journalist. Le Pen bezeichnet die ganze Aktion als politische Verfolgung. In Frankreich stützt man sich dabei auf ein Gesetz gegen die Verbreitung von „gewalttätigen Botschaften, die Terrorismus oder Pornografie auslösen oder die Menschenwürde ernsthaft verletzen“ und die von Minderjährigen gesehen werden können.