Dänische Experten bezweifeln jetzt offen, die von der EU veröffentlichte, hohe Zustimmung zur Union. Diese „Eurobarometer-Umfragen“ seien nämlich nicht repräsentativ weil viel zu wenig Leute daran teilnehmen. Die Skepsis der EU-Bürger werde in Brüssel gewaltig unterschätzt, heißt es. Und: „Wir haben keine Ahnung, was wahr ist oder nicht“.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

Verlogenes Spiel mit Zahlen

Aussagekräftig ist eine Umfrage erst ab einer „Rücklaufquote“ (Teilnahme an der Befragung) von 40-50 Prozent. Wie sehr hier Fake mit Zahlen betrieben wird, veranschaulicht die letzte Eurobarometer-Umfrage von 2018: die Jubelmeldung der EU lautete damals: 62 Prozent der EU-Bürger befürworten die EU-Mitgliedschaft. Das ist der höchste Wert in den letzten 25 Jahren. Von den insgesamt 512,4 Millionen EU-Bürgern! wurde aber nur ein Bruchteil von 27.474 Menschen (über 16 Jahre) befragt! Die Zustimmung für Österreich wurde mit 48 Prozent angegeben. Wie viele Menschen bei uns befragt wurden, ist nicht bekannt. An den Haaren herbeigezogen erscheint auch die Schlussfolgerung, diese EU-Zustimmung sei durch die Brexit-Ankündigung „beflügelt worden“.

Alles „Quatsch“

Misstrauisch wurden die dänischen Experten als es hieß, ein Rekordwert von 68 Prozent der Landsleute befürworten die EU-Mitgliedschaft. Es war der höchste jemals gemessene Wert im Land und der zweithöchste unter allen EU-Ländern. Die Zahlen seien wegen der geringen Rücklaufquote „Quatsch“ meinten Experten. Dasselbe gelte für die letzten fünf Eurobarometer-Umfragen zwischen 2016-2018. Da lagen die Rücklaufquoten in Finnland mit 14 (14 von 100 Finnen nahmen teil) am niedrigsten. Gefolgt von Deutschland (15), Luxemburg (20) Italien (22), England (27), Dänemark (28), Griechenland und Frankreich (31), Irland (33), Spanien )34), Lettland (38) und Portugal (40).

Verfälschung von Referenden – Gefährdung der Demokratie

Laut Kasper Møller Hansen, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Kopenhagen, bestehe also die Gefahr, dass die Politiker aufgrund dieser Zahlen falsche Schlussfolgerungen ziehen: etwa, dass die Unionsbürger mehr EU wollen, als das tatsächlich der Fall sei. Sie können auf diese Weise auch leicht ein Referendum gewinnen, warnte er.

Auch Paolo Segatti, Professor an der Universität von Mailand, geht davon aus, dass Eurobarometer den Grad der Euroskepsis „systematisch unterschätzt“. Hermann Schmitt, emeritierter deutscher Professor von der Universität Mannheim sagt: man könne den Anteil der Euro-Skeptiker nicht bewerten, wenn nur 15 Prozent (wie in Deutschland) antworten. „Wir haben keine Ahnung, ob das stimmt oder nicht“.

Jahreskosten für „Fake-Umfrage“: rund 13 Millionen Euro

Seit 1973 erhebt die EU-Kommission die Stimmungslage der EU-Bürger zu den verschiedensten Bereichen. Dazu werden in Umfragen die sogenannten „Eurodaten“ erhoben. Das kostet pro Jahr rund 13,3 Mio. Euro, berichtet das dänische Medium Ditoverblik.