Unglaubliche zwei Millionen Euro Preisgeld wurden bei der eben zu Ende gegangenen Steeldart-WM ausgespielt. Doch während die internationalen Größen dieses Sports mittlerweile Kult-Status genießen, kämpfen die heimischen Vertreter kleiner Klubs nach wie vor gegen ein schlechtes Image an: „Das sind keine Sportler, sondern Wirtshausbrüder”, lautet einer der Vorwürfe. „Stimmt nicht”, sagt Helmut Stöttner vom Verein DC Union Darters Linz. Seit 2003 sind die Mitglieder des Vereins aktiv und spielen sogar eine Meisterschaft aus.

Herr Stöttner – warum gründet man einen Dartverein?
Bereits 2003 erlebte das Dartwerfen einen richtigen Boom, was für uns ausschlaggebend war, einen Verein zu gründen. Wir haben in unserem Klublokal, dem Union Café in Linz, einen eigenen Klubraum, um den Gastronomiebetrieb nicht zu stören.

Wie sieht es mit dem Ansehen des Dartsports in Österreich aus?
Bei uns wird Darts teilweise immer noch belächelt und nicht als vollwertiger Sport angesehen. Wobei sich die Meinung über den Dart- sport bei uns in den letzten Jahren, dank der immer höher werdenden Medienpräsenz, durchaus zum positiven entwickelt hat.

Ganz ehrlich: Wird Dartwerfen nicht auch als Ausrede für einen Wirtshaus-Besuch ausgeübt?
Mit diesem Vorurteil kämpfen wir Aktiven leider seit Jahren. Es stimmt, dass Darts auch im Meisterschaftsbetrieb vorwiegend in Lokalen ausgeübt wird – meist jedoch abgegrenzt vom normalen Wirtshausbetrieb. Jeder, der schon einmal versucht hat, die Triple 20 zu treffen, weiß, welche Konzentration, Nervenstärke und Präzision notwendig ist, um das mehrmals hintereinander zu schaffen.

Wie viel Ehrgeiz steckt dahinter – und wieviel Spaß?
Nach wie vor steht der Spaß am Dartsport im Vordergrund. Aber natürlich sind wir bestrebt, irgendwann einmal in die höchste österreichische Klasse, die Bundesliga, aufzusteigen. Dieses Unterfangen wurde in den letzten Jahren jedoch immer schwieriger, da sich die Leistungsdichte enorm gesteigert hat. Der größte Vereinserfolg war der Sieg des Verbands-Bundesfinales im Jahr 2008. Dadurch qualifizierten wir uns für den Europacup und konnten uns in Spanien mit Vereinen aus ganz Europa messen, der achtbare 7. Platz war das für uns sensationelle Ergebnis.

Was sollte man mitbringen, um Darter zu werden?
Darts ist für jedermann zugänglich und weist keinerlei Beschränkungen auf. Ein gewisses Talent und natürlich konsequentes Training sind aber wie überall unumgänglich, um erfolgreich zu sein.

Was sagen die Frauen dazu, wenn ihre Männer zum „Trainieren” ins Wirtshaus gehen?
Der Sport steht natürlich immer im Vordergrund, das sehen auch die Frauen – zumindest meistens – so.
Gibt es bei Turnieren auch Doping- oder Alkotests?
Das nicht, aber Trink- und Rauchverbot in der Wettkampfzone.

Der Hype bei der eben abgelaufenen WM war enorm. Es gab zwei Millionen Euro Preisgeld zu gewinnen.
Die WM hat gezeigt, welchen Boom der Dartsport in den letzten Jahren erlebt hat. Die täglich ausverkaufte Halle und die enthusiastischen Fans sprechen für sich. Auch bei uns sind Profi-Turniere ausverkauft. Die Stimmung ist dabei um einiges besser als in so manchem Fußballstadion.

Wie sieht es mit Preisgeldern in Österreich aus?
Die internationalen Top-Stars haben schon Millionen an Preisgeld und Werbeeinnahmen verdient. In Österreich ist es nur der Nummer 1, Mensur Suljovic möglich vom Dartsport zu leben. Er ist aber auch die Nummer 8 der Welt.

Was wünscht man einem Dartsportler: „Schmeiß Pfeil” oder „Prost”?
Nein – „Gut Dart!”

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