Womit fahren wir in Zukunft? Mit dem E-Auto behaupten Optimisten, mit dem Eselfuhrwerk entgegnen Pessimisten. Die Politik hat sich bereits entscheiden. Der Verbrennungsmotor hat ausgedient – oder doch nicht?

Kommentar Winfried Schreiber

Öl ist ein begrenzter Rohstoff. Er wird immer aufwendiger gefördert, vor allem in Ländern, von denen man nicht abhängig sein möchte. Zugleich wird das Verlangen nach Mobilität immer größer, nicht nur in den Industrieländern. Immer mehr Menschen auf dieser Welt lechzen nach ihrem persönlichen Wirtschaftswunder. Dazu gehört nicht nur das Handy, sondern auch das eigene Auto.

Finanzielle Interessen, die die Klimaschutz-Ideologen geschickt instrumentalisieren, haben die immer mal wieder hochkochende Frage nach der Mobilität der Zukunft politisiert und massiv beschleunigt. Die Klima-Politik treibt die global vernetzte Automobilindustrie vor sich her:

„Die deutsche Automobilindustrie bekennt sich zu den Pariser Klimaschutzzielen“, titelt etwa der Verband der Automobilindustrie (VDA) in Deutschland in seiner Stellungnahme zur nationalen Wasserstoffstrategie und zur nationalen Umsetzung der „Erneuerbaren Energien Richtlinie“/REDII in der EU.

Es scheint absehbar, dass wir unser Auto bald nicht mehr mit Diesel oder Benzin betanken. Nun wäre es kein Problem, aus den alternativen Antriebstechnologien eine auszuwählen, wenn wir dutzende neue Atomkraftwerke bauen würden – doch das Gegenteil ist der Fall. Denn egal ob E-Auto, Wasserstoff-Tanks oder E-Fuels, der Ersatz für den fossilen Energieträger Erdöl ist Strom. Doch der soll sauber, grün, klimaneutral sein. Die Politik fördert E-Autos und schaltet Atomkraftwerke ab. Sie will zugleich saubere Autos und einen Mix aus erneuerbaren Energien, der diese mit Energie versorgt.

Vielleicht behalten die Pessimisten doch recht und das Verkehrsmittel der Zukunft hat vier Beine. Die Strompreise explodieren jetzt schon, Benzin und Diesel sollen immer stärker besteuert werden, und trotz Milliardenförderung ist und bleibt E-Mobilität ein Prestigeprojekt für Reiche.

Jedes Auto könnte jetzt schon E-Fuels tanken

„Der große Vorteil von Wasserstoff oder E-Fuels ist, dass es die bisher einzige Möglichkeit ist, erneuerbare Energie im großen Maße zu speichern und über weite Strecken zu transportieren.“ Dieser Satz in der VDA-Stellungnahme ist fettgedruckt. Man gibt die Hoffnung nicht auf, dass die Politik ein Einsehen hat und es auch in Zukunft einen Massenmarkt für den Verbrennungsmotor gibt. Dazu muss man wissen, dass jeder herkömmliche Verbrennungsmotor mit den flüssigen E-Fuels betrieben werden kann.

E-Fuels sind aus Wasserstoff und CO2 synthetisch hergestellte Methanol-Kraftstoffe. Ihre Energiedichte und Viskosität ist vergleichbar mit der von Mineralölen. Die bestehende Transportinfrastruktur vom Tankschiff bis zur Tankstelle könnte beibehalten werden. Und vor allem die Herstellung ist lange nicht so CO2-intensiv und umweltschädlich wie die Produktion von E-Autos und ihren Akkus.

Die Methanol-Kraftstoffe werden elektrisch erzeugt und somit vor allem dort, wo mit erneuerbaren Energien (Sonne, Wind, Wasserkraft) grüner Strom günstig und ausreichend produziert werden kann, zum Beispiel in den Küstenregionen.

Ganz abgesehen von den politischen und ideologischen Irrungen und Wirrungen um das Klima und die Rolle, die das von Menschen verursachte CO2 dabei spielen mag, – in ein paar Jahrzehnten oder auch nur Jahren lacht man vielleicht darüber – so scheinen E-Fuels eine vielversprechende Technologie und adäquate Alternative zum Erdöl zu sein. Durch die weitere Nutzung des Verbrennungsmotors würde nicht eine bestehende Fahrzeugflotte und eine komplette Schlüsselindustrie vor dem Aus stehen.

Kleinlaut zurück zum Verbrenner

In Deutschland, einem Vorreiter in Sachen E-Mobilität, vollzieht sich der Schwenk zu den E-Fuels eher kleinlaut. Um die 640 Millionen Euro Fördermittel zur Entwicklung regenerativer Kraftstoffe, die das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur locker machen möchte, wird längst nicht so viel mediales Aufhebens gemacht wie um die extrem geförderten E-Autos. Aber immerhin. Strombasierte Kraftstoffe (E-Fuels) und fortschrittliche Biokraftstoffe seien unverzichtbar, um die Klimaschutzziele zu erreichen, meint Bundesminister, Andreas Scheuer (CSU). „Sie helfen uns dabei, die CO2-Emissionen von Verbrennungsmotoren deutlich zu reduzieren.“ 

Kleinlaut vielleicht auch deshalb, weil die ungeliebte Oppositionspartei AfD seit Jahren für den Erhalt des Verbrenners kämpft und für E-Fuels als Alternative wirbt. „E-Fuels sind die ökologisch und wirtschaftlich sinnvollste Lösung, die hochentwickelten Autos, die wir bereits haben, mit einem Kraftstoff zu betanken, der klimaneutral produziert werden kann“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Dr. Dirk Spaniel, dem Wochenblick. Der ehemalige Entwicklungsingenieur bei Daimler ist überzeugt, dass sich letztlich ökonomische und technologische Notwendigkeiten ihren Weg bahnen, allen ideologischen Possen zum Trotz: „Der Verbrenner ist nicht totzukriegen.“

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