Die Polizei, dein Freund und Helfer. Ich muss gestehen, als ich am Sonntag in Wien mitsamt tausenden anderen Demonstranten von ihnen eingekesselt wurde, bezweifelte ich diese Zuschreibung stark.

Kommentar von Elsa Mittmannsgruber

Nach der Reihe zerrten Trauben von Polizisten einzelne, alte, wehrlose Menschen aus der Menge. Unter falschen Versprechungen, dass man auf der jeweils anderen Seite raus kommt, schickten sie verzweifelte Leute quer durch die Menge. Flehen von Müttern mit ihren Kindern und panische Erwachsene konnten sie überwiegend nicht erweichen, endlich aufzumachen.

Ein Mann rief den Beamten neben mir zu: „Könnt ihr euch heute Abend noch in den Spiegel schauen?“ Aber sie tun nur ihren Job, sagen wieder andere. In den sozialen Medien las ich auch aus den Reihen der Demonstranten viel Lob und Dank an die Polizei. Manche Leser schrieben mir wiederum, wir berichteten zu positiv über die Exekutive.

Ja, die Erfahrungen an diesem Tag waren sehr zwiespältig. Auch ich machte unterschiedliche Erfahrungen mit den Polizisten. Wo ich bei den einen merkte, dass sie tiefe Verachtung für die Demonstranten verspüren und am liebsten rohe Gewalt anwenden würden, erkannte ich bei vielen anderen, dass sie ihren Job gerade hassen. Kleine Gesten verrieten sie. Ein Polizist gab zum Beispiel für einen kurzen Moment dem Drängen der Menschen nach, das Gitter zu öffnen. Ein anderer deutete uns ganz verstohlen den Daumen hoch. Und besonders enttarnend war der Ausdruck in ihren Augen. Dort sah ich viel Angst, Verunsicherung, Gewissensbisse, aber auch Wut und Verständnislosigkeit.

So wie in der ganzen Gesellschaft sind natürlich auch die Meinungen innerhalb der Polizei geteilt. Aus erster Hand wissen wir, dass viele von ihnen mit sich selbst kämpfen. Sie sehen das Vorgehen der Regierung kritisch, wissen aber, dass sie mit offener Kritik ihren Job riskieren. „Wir müssen das leider tun“, klagte gar ein Polizist bei der Demonstration kleinlaut. Sie sitzen zwischen den Stühlen, viele sind innerlich zerrissen. Innenminister Nehammer spielt sich selbst als Verteidiger der Polizisten auf. Dabei ist er selbst ihr größtes Problem.