Wenn der Alkovener „Lehnerwirt“ Gernot Sames nach dem Servieren des Hauptgangs am Tisch seiner Gäste mit dem Nudelwalker aufkreuzt, dann ist Freude geboten. Denn mit dem Rundholz versüßt er seiner Klientel den Besuch in seinem Lokal. Danach ist noch jeder gern wiedergekommen…

Ein Bericht von Chefredakteur Kurt Guggenbichler

Regionale Produkte, gut gekocht und ohne Schnickschnack serviert – das ist das Credo von Gernot Sames, und der kann es schon gar nicht mehr erwarten, endlich einen Maibock in seiner Küche zu verarbeiten. „Ab 5. Mai ist es soweit“, freut sich der gelernte Koch, der das angelieferte Reh auch selbst zerlegt wie er betont, weil in seinem Gasthaus hinsichtlich der dort verwendeten Grundprodukte für die Speisen noch das Meiste selbstgemacht wird.

Arbeitete in einem 5-Sterne-Restaurant in Orlando

So sind die hausgemachten Nudeln, die Sames auf seiner Speisekarte mit Spargel, schwarzen Nüssen und Salat offeriert, wirklich selbstgemachte Tagliatelli. Sein Küchenhandwerk hat Gernot im heute nicht mehr existierenden „Rosenkavalier“-Restaurant am Linzer Bahnhof erlernt.

Danach hat er einige Zeit lang in Florida gearbeitet, darunter auch in einem 5-Sterne-Restaurant in Orlando.
In Amerika hätte es ihm schon gut gefallen, sagt er rückblickend, während wir plaudernd im heimeligen Garten seines Landgasthauses sitzen, dem man noch anmerkt, dass es einmal ein Bauernhof war.

Bodenständige Speisekarte

Seit mehr als 70 Jahren fungiert der Hof nun schon als Wirtshaus. Dieses hat Gernot 2003 von seinen Eltern übernommen, zumal man ihn in den USA zum Arbeiten nicht länger verweilen ließ. Auf Grund dieser Tatsache finden heimische Gourmets nun einen hervorragenden Gastronomen in einem soliden Wirtshaus quasi vor ihrer Haustür, in dem noch dazu ein Koch in den Töpfen rührt, der – frei nach Karl Kraus – keine Locken auf der Glatze zu drehen versucht.

So bodenständig wie Sames‘ Arbeitsweise und sein Lokal ist auch seine Speisekarte. Auf der rechten Seite kann man zwischen den Wirtshausklassikern Wiener Schnitzel, Gulasch, Beuschel etc. wählen, auf der linken Seite steht das raffiniertere Angebot: Beispielsweise Lammleber mit gebackenen Bärlauch-Knödeln und Spargel oder ein Ragout von Rindswangerln.

Raffinierte Dessertkarte

Nicht minder raffiniert ist die Dessertkarte, die sich in origineller Weise um einen Nudelwalker schmiegt. Mit diesem Rundholz würden Frauen ihre bösen Ehemänner zu Hause erwarten, scherzt Gernot, der selbst noch nicht verheiratet ist, aber eine langjährige Freundin hat. Eine Hochzeit werde überlegt, sagt er.

Als Wirt habe man nämlich wenig Freizeit, weiß Sames, weil man – so seine Erfahrung – hierzulande auch weit mehr arbeiten müsse als beispielsweise in den USA. Dafür sorgten schon die Behörden in Österreich. In den USA sei alles leichter: eine Geschäftsgründung, aber auch das Straucheln. „Aber wenn du dort einmal hinfällst, dann bis du schnell wieder auf den Beinen und kein Mensch wirft dir Prügel in den Weg…“