Am vergangenen Wochenende fand der Landesparteitag der oberösterreichischen SPÖ statt. Birgit Gerstorfer wurde mit „mäßigem“ Ergebnis als Chefin wiedergewählt. Wenig später trat der Landtagsklubchef Christian Makor wegen eines unter Alkoholeinflusses verursachten Parkschadens zurück.

Gerstorfer wurde zwar mit 86,8 Prozent der Stimmen wiedergewählt, aber 2016, als sie erstmals Vorsitzende der SPOÖ wurde, erhielt sie noch 95,8 Prozent der Delegiertenstimmen, und 2018 waren es noch 89,68 Prozent. Dafür wurde sie heuer jedoch mit 90,2 Prozent der Stimmen zur Spitzenkandidatin für die bevorstehende Landtagswahl im nächsten Jahr gewählt.

Die neugekürte Spitzenkandidatin, aktuelle Landesrätin und ehemalige oberösterreichische AMS-Chefin kann auf eine steile Karriere zurückblicken, auch wenn diese – nicht nur einmal – von Fehleinschätzungen ihrerseits und Misswirtschaft in ihrem Ressort überschattet war. Anfang Februar 2016, damals noch als Chefin des oberösterreichischen AMS, zeigte sie sich optimistisch und verkündete, dass „heuer jeder dritte als arbeitslos gemeldete Asylberechtigte einen Job bekommen“ solle. „Wir schaffen das!“, meinte AMS-Landesgeschäftsführerin Birgit Gerstorfer in bester Angela-Merkel-Manier am 16. Februar 2016 bei einer AMS-Pressekonferenz.

Allerdings wurde sie leider von ihrem Posten im AMS abberufen und am 7. Juli 2016 als Nachfolgerin ihres Parteigenossen Reinhold Entholzer als Landesrätin angelobt, sodass ihr eine persönliche Erfüllung ihrer optimistischen Vorhersagen verwehrt blieb. Als Landesrätin für Soziales zuständig, lief auch nicht alles ganz rund. In ihrem Ressort kam es immer wieder zu schwereren Verwerfungen. Nach einem Millionenskandal 2018 wurde Gerstorfer faktisch unter „Kuratel“ gestellt – Landeshauptmann Thomas Stelzer stellte ihr einen Kontrolleur zur Seite. Grund dafür war der Skandal um einen oberösterreichischen Sozialverein, dessen Obfrau jahrelang Fördergelder auf ihr privates Konto umgeleitet hatte, die Schadenssumme bewegte sich im Millionen-Bereich. Dem Sozialressort fiel der Millionenbetrug jahrelang nicht auf, die interne Revision sprach daher auch von einem „Totalversagen“.

Aber diese 2,7 Millionen waren nicht die einzigen Hoppalas im Sozialbereich. In diesem Jahr lief ein Strafverfahren gegen den SPÖ-nahen Sozialverein B 37, der eigenmächtig zu viel Mindestsicherung an Obdachlose ausgezahlt hatte. Dem Strafverfahren gegen den Verein schloss sich auch das Land Oberösterreich an. Anfänglich bezifferte Gerstorfer den Schaden auf 205.973 Euro, am Ende waren es allerdings fast eine Million, genau 903.011,64 Euro.