Die Arbeitnehmer von MAN in Steyr haben abgestimmt. Eine deutliche Mehrheit hat sich gegen das Übernahmeangebot des Investors Siegfried Wolf entschieden. Leicht haben es sich die 2.215 Beschäftigten mit der Entscheidung sicher nicht gemacht.

Kommentar von Matthias Hellner

Aber von der knapp 1.900 starken Stammbelegschaft sollten nur rund 1.250 übernommen werden, allerdings mit bis zu 15-prozentiger Kürzung des Nettoeinkommens. Den Arbeitern jetzt allerdings vorzuwerfen, sie hätten nicht an den Wirtschaftsstandort und die Zulieferbetriebe gedacht zu haben, greift allerdings zu kurz. Vielleicht haben sie auf den falschen Propheten gehört: Sozialdemokratie und Gewerkschaften sind ein Anachronismus des 19. und 20. Jahrhunderts, deren klassenkämpferische Rhetorik im globalisierten 21. Jahrhundert zur leeren Phrase verkommt – MAN verlagert schließlich die Produktion nach Polen, wo die Lohnkosten deutlich geringer sind.

Politik hält mit wirtschaftlicher Entwicklung nicht Schritt

Aber der eigentliche Fehler liegt bei der Politik. Die denkt immer noch in Kategorien, die nicht mehr zeitgemäß sind. Denn wie war das noch bei dem Reifenhersteller Semperit? 1985 von der Creditanstalt an Continental verkauft – mit einer 10-jährigen Bestandsgarantie für das Werk in Traiskirchen – wurde 2002 der letzte Reifen produziert und Ende 2009 die allerletzte Schicht gefahren. Danach waren noch 30 Mitarbeiter ein halbes Jahr für Abriss- und Demontagearbeiten beschäftigt. Produziert wurde weiter – in Tschechien und Slowenien.