Verbarrikadieren, Alarmanlage? „Nichts von all dem. Wenn wieder Maskierte kommen und mich überfallen, dann sind sie halt da. Ich werde mich aber wehren“, so unerschrocken reagiert Landwirt Franz Rabmayr (83) auf ein Martyrium, das er beim Überfall in Prambachkirchen durchmachen musste.

Ein Beitrag von Georg M. Hofbauer

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Diesmal leider keine normale Einbrecher-Story, sondern die härtere Version. „Home Invasion“ ist das „denglische“ Wort, das die wahren Ausmaße der brutalen Überfälle auf ältere Herrschaften in ihren eigenen vier Wänden mehr verschleiert als beschreibt.

Geknebelt, gefesselt

Fast immer bei Nacht oder in den frühen Morgenstunden brechen äußerst gewaltbereite Gruppen in Anwesen, Bauernhäuser oder Einfamilienhäuser ein. Immer die gleiche Handschrift: Sie kommen mit schwarzen Sturmhauben vermummt, sprechen gebrochenes Deutsch.

Sie knebeln, malträtieren und fesseln ihre eingeschüchterten Opfer. Die Täter lassen sich viel Zeit beim Durchwühlen der Schränke und Räume, auf der Suche nach Bargeld, Schmuck, Gold und Waffen.

Mit eigener Waffe bedroht

Franz Rabmayr, der unter dem Hausnamen „Fuchsl-franz“ vom Fuchslgut in Zentrum von Prambachkirchen (Bezirk Eferding) bekannt ist, wurde von den Tätern mit seiner eigenen Faustfeuerwaffe bedroht.

Das kam so: Nach dem Eindringen in den alten Hof im Ortszentrum hatten sie ihr Opfer geknebelt und gefesselt, alles durchkämmt und schließlich vermutet, in einem Schrank Wertvolles zu finden. Rabmayr: „Die haben irgendwie gewusst, dass in dem versperrten Schrank eine Waffe drinnen sein könnte. Die haben nicht lockergelassen, bis sie die Waffe in ihren Händen hatten.“

Minimale Beute

Die Waffe war geladen. „Klar ist meine registrierte 9-Millimeter Waffe immer geladen, sonst kann ich mich ja nicht verteidigen“, schildert der Senior, auch wenn er beim Überfall durch die beiden Männer diesmal nichts ausrichten konnte. Zu schnell ist es an diesem Sonntagmorgen gegangen. Dennoch zeigt sich der Landwirt im „rastlosen Ruhestand“, der ständig Holz sortiert und in der Werkstatt tätig ist, unerschrocken: „Ich habe beschlossen, ich besorg‘ mir gleich wieder eine Waffe, das ist doch klar!“

Die Beute, die nach dem eineinhalb Stunden dauernden Überfall und dem Durchsuchen des ganzes Hofes gemacht wurde, ist relativ gering. 200 Euro und ein gesichertes Sparbuch, auf dem keine große Summe drauf gewesen ist. „Ich bin froh, dass ich wenigstens ein bisserl Geld zu Hause hatte und so die Täter halbwegs zufriedenstellen konnte“, berichtet der Überfallene.

Unerschrocken

Er ist noch immer verwundert, warum die „Invasoren“ zu ihm gekommen sind und nach einem Tresor gesucht haben. „Entweder haben die Täter einen falschen Tipp bekommen oder sie haben sich bei der Adresse geirrt“, vermutet er.

Bewundernswert, wie der Prambachkirchner wenige Stunden nach dem Überfall mit der Situation umgeht und das Ende des Überfalls schildert. „Die haben sich nicht einmal verabschiedet. Sonst hätte ich noch gesagt, danke für die Gaudi!“

Feiern mit Freunden

Wird der alleinlebende Senior irgendetwas ändern, Gitter an den Fenstern anbringen, Alarmanlage? „Nichts, wenn die wiederkommen, sind sie halt da. Und ich bin längst wieder bewaffnet. Dann schau’n wir halt…“
Einzig, feiern will er, dass er die Sache überlebt hat, auf seine Art: „Ich mach demnächst meine ‚Zedern’ mit Freunden.

Die Zehrung, das Totenmahl, wie man so sagt. Da will ich dabei sein. Es ist ja wie eine Wiedergeburt, wenn man das alles ohne Verletz- ungen überlebt.“

Und dann zieht sich das Prambachkirchner Original wieder in seinen Alltag am Hof zurück: „Samma soweit fertig, wir zwei? Ich muss jetzt wieder was anpacken, was tun.“

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