In der Sphäre der Spitzenpolitik angekommen, haben schon viele vergessen, woher sie eigentlich gekommen sind. Der Kampf des „kleinen Mannes“ gegen internationale Eliten lässt sich nicht mehr führen, wenn man letzteren in der Nobel-Disco auf Ibiza nacheifert.

Ein Kommentar von Bernadette Conrads

Wie einst die SPÖ am „Nadelstreifsozialismus“, scheiterte Strache wohl am Wunsch, dazuzugehören. Zu den Reichen, den Schönen, der Jetset-Elite. Diesen Wunsch teilt Strache zwar mit seinen Bekanntschaften – diversen D-Prominenten –, doch spätestens mit dem Ibiza-Video tat sich eine sichtbare Kluft zwischen Strache und seiner Wählerschaft auf.
Es war Strache, der die Massen der Zurückgelassenen, der sogenannten „Globalisierungsverlierer“, wie kein anderer auf den Kampf für mehr Gerechtigkeit und Demokratie einpeitschen konnte und die FPÖ damit zu Rekordwerten führte. Jahrelang war er das Sprachrohr „des kleinen Mannes“.
Durch seine einfache Herkunft aus dem Wiener Arbeitermilieu war Strache die personifizierte Aufstiegsgeschichte schlechthin. So wie man es sonst von Rappern kennt. Insofern war es wenig überraschend, dass er sich später auch durch eigene Hip-Hop-Stücke mit dieser Musikrichtung gemein machte.

Irgendwann müssen Strache die Fan-Chöre so zu Kopf gestiegen sein, dass sein üppiges Gehalt als Parteichef und späterer Vizekanzler nicht mehr ausreichte. Während sich andere für ihn die Füße wund liefen, genoss Strache teure Ibiza-Urlaube, und während die Bevölkerung in Angst vor der Flüchtlingskrise lebte, feierte Strache im Serben-Milieu. Die Elite, die zum Shoppen auch gerne einmal von Metropole zu Metropole jettet, wird sich mit den Ideen der nationalen Souveränität niemals anfreunden können. Sie profitiert von der Verwobenheit der Welt. In dieser Schicht gibt es keine kulturellen Unterschiede, sondern nur unten und oben und dementsprechend auch keine entsprechenden Differenzen. Es muss schwierig für Strache gewesen sein, in dieser Oberschicht mithal­ten zu können. Herausragende Reden über mehr direkte Demokratie zu schwingen, um gleichzeitig hinterrücks – angeblich – ein Mandat an einen Oligarchen zu verkaufen, scheint ihm hingegen nicht so schwer gefallen zu sein.

Strache hat die FPÖ weit nach oben gebracht, und jetzt setzt er alles daran, sie zu zerstören. Wäre der Erfolg der FPÖ ein Anliegen Straches gewesen, so hätte er sich nach dem Zerwürfnis von ihr entfernt, ohne ihr zu schaden. Und er hätte sie nicht ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. So zeigt sich, dass es ihm wohl ausschließlich um sein eigenes Fortkommen geht. Doch auch wenn es Strache missbraucht hat: Das Versprechen, die einfachen Leute vor den Nachteilen der Globalisierung zu beschützen, bleibt trotzdem ein gutes und wichtiges. Für Strache aber sollte die Party auf dem politischen Parkett endgültig vorbei sein.