Im folgenden Beitrag geht es nicht um mögliche Impfnebenwirkungen oder die möglicherweise auf lange Sicht desaströsen Folgen für Kinder, Erwachsene oder ganze Gesellschaften aufgrund staatlicher Interventionen. Das sind ganz eigene Themen, für die aus den hier betrachteten Daten keine Rückschlüsse gezogen werden können, obwohl ich auch diese Themenbereiche mit höchster Besorgnis betrachte. Hier geht es vielmehr um die Betrachtung der Entwicklung der Corona-Pandemie im Kontext des Impffortschritts. Und dies am Beispiel Israels.

  • Analyse der Corona-Zahlen aus Israel zeigt: Als die meisten Impfdosen gespritzt wurden, gab es auch die meisten Toten
  • Höchste Anzahl an Infektionen in Woche 35 (30. August bis 5. September) bei 62,7% vollständig geimpften in Israel – wie ist das möglich?
  • Andere Länder, die vor den Impfungen kaum oder nur wenige Corona-Fälle hatten

Erster Teil des Beitrages vom Coronakriseblog. Der zweite Teil behandelt ein Gedankenexperiment und wird zeitnah im Wochenblick veröffentlicht.

Seit etwa 18 Monaten beschäftigt mich, dass die offiziellen Erzählungen ganz einfach nicht zu den in der realen Welt beobachtbaren Zahlen und Entwicklungen passen. Viele ursprünglich vehement verteidigte Erzählungen wurden ja sogar bereits widerlegt, an anderen wird zäh festgehalten, obwohl die Begründungen manchmal fadenscheinig sind, teilweise sogar hahnebüchen unlogisch und unplausibel sind oder die zugrunde liegenden Daten vollkommener Schrott sind.

Daran, dass viele Daten – immer noch (!) – qualitativ fragwürdig oder sogar richtiggehend Schrott sind, kann ich selbst leider auch nichts ändern und ich hätte eine solch schlechte Qualität vor zwei Jahren für völlig undenkbar gehalten. Aber ich kann ja nicht eigene Daten erheben oder erfinden, sondern muss mich trotzdem auf das beziehen, was verfügbar ist. Dennoch kann man auch diese Daten – bei allen Einschränkungen – statistisch betrachten und – begrenzt – Schlüsse daraus ziehen.

Und ich muss dies feststellen: Man kann es drehen und wenden, wie man will. Alle Erzählungen, Annahmen oder Modelle passen ganz einfach nicht zu den realen Daten und Entwicklungen. Und zwar mehr oder weniger weltweit nicht.

Beispiel Israel

Am Beispiel Israels möchte ich es näher darstellen. In der folgenden Grafik sind für Israel verschiedene Daten im Zeitablauf seit dem Beginn der Corona-Datenerhebung dargestellt. Man darf sich gerne zunächst einen eigenen Eindruck verschaffen. Nach der Grafik wird detaillierter beschrieben, welche Daten in der Grafik dargestellt sind.

Beschreibung der dargestellten Daten

1) Covid-Tote – Rote Fläche: Wöchentliche Covid Tote pro 500.000 Einwohner. Die unhandliche Verhältniszahl ″pro 500.000 Einwohner“ wurde gewählt, um alle Daten in dem Diagramm so darstellen zu können, dass auch die parallele Entwicklung der anderen Daten noch erkennbar ist.

2) Verabreichte Impfdosen – Hellgrüne Fläche (transparent): Die Anzahl der wöchentlich verabreichten Impfdosen pro 500 Einwohner. (Grund für die unhandliche Verhältniszahl wie oben genannt.) Hier wird nicht unterschieden, welche Dosis es ist, ob es die erste, zweite oder mittlerweile die dritte ist. Die Anzahl der mindestens einmal Geimpften und der vollständig Geimpften ist in der Grafik allerdings ebenfalls dargestellt (dazu weiter unten.).

Mittlerweile wird in Israel bereits die dritte Impfdosis verabreicht (Booster-Impfung). Diese ist nicht dargestellt, da ich diese Darstellung erst programmieren müsste. Das erspare ich mir im Moment, da in Israel und wohl bald woanders ja bereits nach der vierten Dosis gerufen wird und niemand weiß, bei der wievielten Dosis man irgendwann landen wird. So schnell können Programme gar nicht umprogrammiert werden, wie sich das Impfvorgehen ändert.

3) Sterberate < 65 Jahre – Gestrichelte dunkelblaue Linie: Das ist die wöchentliche Abweichung der Sterblichkeitsrate von der durchschnittlichen Sterblichkeitsrate der Jahre 2016 bis 2019 nach mortality.org. Hierbei handelt es sich um die Sterblichkeitsrate der Menschen unter 65 Jahren. Die Sterblichkeitsabweichung ist nicht als reiner wöchentlicher Wert dargestellt, da der reine Wochenzeitraum zu klein ist, um sinnvolle Aussagen ableiten zu können. Statt dessen ist sie als eine Art gleitender Durchschnitt dargestellt.

Das genaue Verfahren ist ein in der Statistik häufig verwendetes Verfahren, dass sich ″Locally Weighted Scatterplot Smoothing“ nennt (LOESS). Ich habe es hier verwendet, um die Entwicklung der Sterberatenabweichung und deren Trends nachvollziehbar darzustellen. Für Menschen, die sich für dieses Verfahren genauer interessieren muss ich leider zugeben, dass ich kaum in der Lage wäre, die Kurve manuell zu errechnen und statt dessen die Statistiksoftware R per Programmcode angewiesen habe, mir dies abzunehmen. Normalerweise würde parallel zur eigentlichen Kurve noch ein Korridor angezeigt, der die Wahrscheinlichkeit von z. B. 95% anzeigen würde. Aus Übersichtsgründen habe ich darauf verzichtet. Hier ist das auch nicht erforderlich.

4) Sterberate >= 65 Jahre – Gestrichelte mittelblaue Linie: Diese entspricht der Sterblichkeitsabweichung genau wie in Punkt 3). Nur betrifft es hier die Menschen, die 65 Jahre alt sind oder älter.

5) Covid-Fälle – Rote Linie: Dies sind die wöchentlichen Covid-Fälle (in der Definition und Erhebungsmethode des jeweiligen Landes, hier Israel) pro 10 Tausend Einwohner.

6) Covid-Intensivbelegung – Türkise/taubenblaue Linie: Die mittlere wöchentliche Belegung der Intensivsationen durch Covid-Patienten pro 100 Tausend Einwohner.

7) Vollständig Geimpfte – Dunkelgrüne Linie: Vollständig Geimpfte kumuliert pro 100 Einwohner. Maximal zwei Dosen. Eventuelle dritte Dosen sind hier – wie bereits erwähnt – nicht berücksichtigt.

8) Mindestens eine verabreichte Impfdosis – Hellgrüne Linie: Menschen kumuliert pro 100 Einwohner, die mindestens eine Impfdosis erhalten haben.

9) Positiv-Rate – Rosarote Linie: Anteil positive Tests an Gesamtanzahl Tests mal 100 (= Positivrate in Prozent).

10) Anzahl Tests – Gelb: Wöchentliche Anzahl der Tests pro 1000 Einwohner.

Interpretation einiger Daten in der Grafik

Verabreichte Impfdosen und Covid-Tote

Was zunächst ins Auge fällt, ist, dass die Höhepunkte der Anzahl der verabreichten Impfdosen mehr oder weniger mit den Höhepunkten der Covid Toten zusammenfällt. Isoliert betrachtet (also ohne internationalen Kontext) könnte man für den letzten Winter dafür noch irgendwie verargumentierbare Erklärungen finden; für den aktuellen Zeitraum fällt es aber umso schwerer und es müssten schon einige unbelegbare und sogar richtiggehend phantasievolle Annahmen entworfen werden, um noch einigermaßen den Eindruck von Plausibilität zu erzeugen.

Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass die Meldungen zu den verabreichten Impfdosen in den ersten Wochen der Impfkampagnen nicht immer komplett waren und teilweise eine oder zwei Wochen fehlen. Auch der Berichtszyklus ist für verabreichte Impfdosen und die Meldung der Covid-Toten nicht unbedingt identisch. Wie es für Israel ist, kann ich leider nicht auflösen.

Verabreichte Impfdosen und Covid-Fälle

In der Woche 35 (letzte Woche) wurde in Israel die höchste jemals dort erreichte Anzahl an Infizierten verzeichnet. In der ersten Welle (ohne Impfungen) war sie niedriger. In der zweiten Welle (ohne Impfungen) war sie niedriger. In der dritten Welle (ungefähr zum Höhepunkt der verabreichten Anzahl wöchentlicher Impfdosen) war sie niedriger, obwohl diese Welle bereits höher war als die vorherigen Wellen, in denen es keine Impfungen gab.

Nun muss man folgendes dabei berücksichtigen: In der Woche 35 (also letzte Woche) waren bereits 68,44 % der Bevölkerung einmal geimpft und 62,7 % der Bevölkerung vollständig (also maximal doppelt) geimpft. Das bedeutet – wenn man vom allseits propagierten Impfschutz von etwa 95% ausgehen würde und – nicht ganz korrekt – aber der Einfachheit halber von 100% Schutz ausginge – , dass nur noch 37,3% der Bevölkerung empfänglich für eine Infektion durch Covid wären, davon aufgrund der Impfprioritäten zum größten Teil junge Menschen. Ganz zu schweigen von einem R-Wert, der nun überhaupt noch möglich wäre, wie kann es dann sein, dass 37,3% der verbliebenen infektionsfähigen Menschen für eine Infektionsanzahl sorgen, die höher ist als diejenige aller vorangegangenen Wellen?

Genau genommen (zugegeben: eine Milchmädchenrechnung, auch der Einfachheit halber) würde das bedeuten, dass, wenn noch keine Impfungen stattgefunden hätten, die Infektionszahlen aktuell sogar etwa mit dem Faktor 2,7 multipliziert werden müssten. Ich will das gar nicht weiter ausführen. Das wäre dann nämlich eine Relation, für die der Begriff ″absurd“ sogar noch zu bescheiden wäre.

Die Über-/Untersterblichkeit und die Covid-Todeszahlen

In den bisherigen vier Covid-Wellen in Israel gab es nur eine Periode, in der die Sterblichkeiten mit den Covid-Todeszahlen einigermaßen zusammenpassten. Das war um die Wochen 38 bis 41 im Jahr 2020. Und das war VOR dem Beginn der Impfkampagne. Weder im Frühjahr 2020, noch im Winter 2020/21, noch aktuell gibt es eine irgendwie geartete Korrelation zwischen Covid-Toten und der allgemeinen Über- oder Untersterblichkeit. Es kann nicht festgestellt werden, was da nicht stimmt. Nur, dass da irgendetwas nicht zusammenpasst, ist unmöglich von der Hand zu weisen. Es passt nicht. Es passt einfach gar nichts! Kein offizielles Narrativ kann das nur annähernd plausibel erklären.

Nachtrag (12.09.2021)

Auf Social Media bin ich gefragt worden, ob es denn überhaupt Länder gibt, die vor den Impfungen nicht (oder kaum) mit Corona zu tun hatten. Die Frage ist nachvollziehbar. Daher im Folgenden ein paar Beispiele. Ich möchte aber wiederum nicht den Eindruck erzeugen, dass das die Mehrheit wäre. Das ist nicht der Fall. Die häufigere Variante ist, dass es schon vor den Impfungen stärkere Ausschläge an Corona-Infektionen und/oder -Toten gab, die Anstiege und erreichten Höhen aber während der Impfperiode häufig stärker waren als vor dem Beginn der Impfungen.

Dieser Beitrag wurde zuvor auf dem Coronakriseblog veröffentlicht. Der zweite Teil des Beitrages behandelt ein Gedankenexperiment, um Sinn in die verwirrende und widersprüchliche Datenlage zu bringen und wird demnächst im Wochenblick veröffentlicht.
Das könnte Sie auch interessieren: