Mit gemischten Gefühlen schauen viele oberösterreichische Wirte dem Hochfahren ihrer Betriebe ab 15. Mai entgegen. Wird sich das Aufsperren überhaupt lohnen? Dies hängt von den Bedingungen ab, die zu erfüllen sein werden, sagen die meisten, die aber vermutlich trotzdem öffnen wollen.

Eine Reportage von Kurt Guggebichler

Wie ist die Stimmung? „Bescheiden“, meint Gabi Schrank, die Patronin des „Basilikum“ in St. Georgen im Attergau und verdreht die Augen. In Normalzeiten wäre ihr kleines mediterranes Speiselokal am Ortseingang gesteckt voll gewesen, doch in Zeiten wie diesen ist es wie alle anderen leer.

„Normalerweise musst du bei uns vorbestellen, um einen Platz zu bekommen“, sagt Gerald Winter, ihr Lebensgefährte, der mit Gabi den hervorragend florierenden Betrieb schaukelt.

Doch seit acht Wochen schon gibt es dort nichts zu tun für die beiden. Dabei hätten sie mehrere, größere Gesellschaften verköstigen sollen.

Die verordnete Lokalschließung aufgrund der ausgerufenen Corona-Pandemie hat ihnen diese Geschäfte kaputt gemacht. „Das ist auch nicht mehr reinzuholen“, betont Winter, der jetzt wenigstens auf das Weihnachtsgeschäft hofft.

Aufsperren will überlegt sein

Das läuft nämlich immer besonders gut im „Basilikum“.
Der Jubel über die angekündigte Öffnungserlaubnis ab 15. Mai hält sich bei Gabi und Gerald jedenfalls in Grenzen.

Denn sollten sie aufgrund der zu beachtenden Vorschriften ihr Lokal nur zur Hälfte auslasten können, wäre noch keine Rentabilität gegeben.

Aufsperren werden sie aber trotzdem, weil das immer noch besser sei, als weiter geschlossen zu bleiben. Noch besser wäre natürlich Vollbetrieb.

Winter hatte eigentlich vorgehabt, in vier, fünf Jahren in Pension zu gehen. „Dann wäre ich 62“, sinniert er, doch wegen der Krise müsse er nun wohl noch einige Jahre dranhängen.

Prinzipiell freut sich auch Gastwirt Sigfried John auf die Lockerungen für die Gastronomie und dass es bald wieder losgeht.

Doch ob er sein Wirtshaus „z’Minsta“ in Altmünster auch tatsächlich aufsperrt, hängt auch bei ihm von den Bedingungen ab, denen er unterworfen sein wird.

Denn sollte er aufgrund der Vorschriften nur zehn Prozent seines üblichen Gästeaufkommens zu bedienen vermögen, bleibt das Lokal zu, so gern er es auch in Betrieb hätte.

„Bei 50 Prozent Auslastung könnte es funktionieren“, sinniert John, der das Gasthaus erst vor einem halben Jahr übernommen hat und die letzten sechs Monate vor der Krise „gut verdiente“, wie er eingesteht.

Wird er die Verluste, die er in der Zeit der verordneten Zwangssperre machte, schnell wettmachen können? Bis Jahresende, vermutet John, werde er dafür schon brauchen, vorausgesetzt, dass es bei ihm weiterhin so gut laufe wie vor Corona.

Viele werden nicht mehr öffnen

Er glaubt auch, dass viele Wirte ab 15. Mai gar nicht mehr aufsperren werden. Das könnte jeder zehnte Wirt in Oberösterreich sein, mutmaßt Gastro-Planer Edi Altendorfer und auch der oö. Wirtesprecher Thomas Stockinger erwartet Verluste.

Davon ist auch Angelo Säckl, der Wirt des „Weißkirchner Hofs“ in Weißkirchen bei Wels überzeugt. „Mein Chinese am Hauptlatz in Eferding, bei dem ich hin und wieder zum Essen bin, sperrt ebenfalls nicht mehr auf“, sagt Säckl.

Doch er selbst freut sich schon, wenn’s wieder los geht, egal wie. „Auch die halbe Auslastung ist besser als nichts“, betont er, der vermutet, dass er heuer mit einem blauen Auge davon- kommen könnte, falls nicht eine zweite Schließungswelle kommt.

Die würde er mit seinem Wirtshaus dann wohl nicht mehr überleben. Da das Gebäude der Gemeinde gehört, braucht er in der Krise wenigstens keine Pacht bezahlen und mit einem Lieferservice konnte Angelo seine Verluste ein wenig abfedern.

Schwerer Schlag für Nachtbars

Sein Nachbar, sagt Säckl, und damit meint er den Betreiber des Weißkirchner Pubs „Zur Endstelle“, sei blöder dran. Denn dessen Lokal gehöre zur Nachtgastronomie, die aber keine ist, wenn sie schon um 23 Uhr schließen muss.

Nach dem Rauchverbot sei das der nächste schwere Schlag für Bars und Diskotheken, räsoniert Stockinger. Doch es gibt auch viele Wirte, die in der Krise auch eine Chance sehen, wie sie betonen und die nicht unfroh darüber sind, wie sie hinter vorgehaltener Hand raunen, wenn es in der Szene zu Bereinigungen kommt.

In den letzten Jahren hätte es ohnehin zu viele Leute gegeben, die nur deshalb Wirt geworden sind, weil sie nichts Besseres mit sich anzufangen wussten. Dies sei nicht gerade eine ideale Voraussetzung dafür, einen professionellen Gastgeber zu spielen.

„Ich glaube, dass die Menschen nach Corona den Wirtshausbesuch und echte engagierte Wirte wieder mehr schätzen“, ist Alfons Baldinger, der Betreiber der Gasthausbrauerei „Zum Alfons“ in Rutzenham überzeugt.

Auch er freut sich, wenn er am 15. Mai wieder aufsperren kann. „Meine Stammkunden stehen schon in den Startlöchern“. In seinem überdachten Innenhof hat Alfons auch genügend Platz, um die Tische großzügig stellen zu können.

Ausfälle komplett ersetzen

Auch Sigi Schwarz vom Gasthaus „Kaiserin Elisabeth“ in Steyerling sitzt schon „auf Nadeln“. Er will auf jeden Fall aufsperren, um seine Verluste zu minimieren.

Denn der April und der Mai wären verdienstmäßig seine stärksten Monate gewesen. Doch wegen Corona gibt es nun keine Muttertagsfeiern, keine Firmungsfeiern, keine Erstkommunionsfeiern und auch keine Kirtage.

Das alles ist Schwarz weggebrochen und diese Verluste wird er auch nicht mehr reinholen können.Deshalb sollte die Regierung zumindest die in der Krise angefallenen Ausfälle den Gastronomen komplett ersetzen, fordern Wirtefunktionäre, weil es auch beim eingeschränkten Betrieb nach der Öffnung ab Mitte Mai weitere Anlaufverluste geben wird.