In Deutschlands Fußball-Stadien üben linke Fangruppen Selbstjustiz. Fußballbund und Vereine sehen weg. Warum nehmen Antifa und Co. nun die Kurven ins Visier? Unsere Kollegen vom Freilich Magazin haben für Sie einen genauen Blick auf die deutsche Fan-Szene geworfen.

Eine Reportage von Arndt Novak

Fußball – das ist mehr als 22 Spieler, die einem Ball hinterherlaufen. Fußball ist Leidenschaft, Aufopferung, Identität und Stolz. Für manche ist Fußball die „schönste Nebensache der Welt“, für andere ein Lebenselixier. Woche für Woche pilgern hunderttausende Sportfreunde in die Stadien der Republik, um ihren Jungs den Rücken zu stärken, sie nach vorn zu treiben und anzufeuern. Kritiker fühlen sich oft an die Brot- und Spiele-Politik Roms erinnert, doch das Phänomen dieses Sports lässt sich nicht auf eine reine Politshow reduzieren. Dennoch ist der europäische Fußball bedroht: Kommerzialisierung und politische Korrektheit setzen dem Sport und seinen Fans zu. Auf den Tribünen tobt ein Kampf zwischen Anhängern des alten Fußballs, Hooligans und rechtsoffenen Fangruppen auf der einen und militanten Antifaschisten, gewaltaffinen Ultras und „antirassistischen“ Aktivisten auf der anderen Seite.

Der europäische Fußball ist bedroht. Politische Korrektheit und Kommerzialisierung setzen dem Sport und seinen Fans zu.

Ich gestehe: Ja, ich bin Fußballfan. Schon in jungen Jahren stellte ich fest, dass die Gesetze der Vernunft scheinbar außer Kraft gesetzt wurden, wenn das runde Leder ins Spiel kam. Egal ob jung oder alt, Bolzplatz oder Stadion: Fußball ist nicht rational, sondern emotional. Seit meiner frühen Jugend begeistere ich mich gerade für jene Vereine, die sich scheinbar hartnäckig dem Ungeist der Kommerzialisierung und Medialisierung widersetzen, Vereine, für die die Regeln des freien Marktes offenbar nicht gelten, denn trotz (häufig) andauernden Misserfolges jubeln wöchentlich Zigtausende ihren Helden auf dem Platz zu und erfüllen die kleinen, nicht mehr ganz so glänzenden Stadien mit ihren Gesängen – ob auswärts oder heimwärts, einerlei.

Das Land ist gespalten

Gefeuert: Der Stürmer Daniel Frahn wurde von seinem Club entlassen, weil er mit „falschen“ Personen gesehen worden sei. Es ist wohl kaum Zufall, dass die Stimmung bei Regional- und Drittligaspielen häufig besser ist als jene in Erst- und Zweitligastadien. Gerade der Osten der Republik ist übervoll mit Vereinen, deren Historie zwar vor Ruhm und Erfolg nur so strotzt, die aber – von einigen Ausnahmen abgesehen – nicht an die alten Zeiten anknüpfen können. Seit dem Untergang der DDR und der Eingliederung ihrer Bezirke in die Bundesrepublik verläuft ein Spalt durch das Land. Ein Spalt, der sich in politischen und sozialen Realitäten eines Deutschlands des 21. Jahrhunderts widerspiegelt – und der sich auch im Fußball niederschlägt. RB Leipzig und Hertha BSC haben sich zwar ihren Platz im Olymp des deutschen Fußballs gesichert, allerdings können beide nicht als Vertreter der Ostclubs gelten. Seit der Saison 2019/20 spielt – nach dem Abstieg von Energie Cottbus im Jahr 2009 – mit Union Berlin immerhin erstmals wieder ein veritabler Traditionsverein aus dem Osten erstklassig.

Zerrüttete Verhältnisse

Deren Dichte nimmt jedoch zu, je weiter man sich auf der Ligenskala nach unten bewegt. Trotzdem: Der Fußball in Ostdeutschland ist vielleicht zweit-, dritt- oder viertklassig, aber die Fanszenen dort sind noch immer Champions League. Es ist wahrlich ein Vergnügen, mitanzusehen, wie hier das Zusammenspiel zwischen den Spielern auf dem Platz und den Fans auf den Rängen funktioniert. Und umso erschütternder ist es für Freunde der Fußballkultur, wenn dieses Verhältnis zerrüttet ist. So wie in Chemnitz.

Die Festung brennt

Der Chemnitzer FC hat eine stolze Tradition. Aber 52 Jahre nach dem Gewinn der DDR-Meisterschaft ist an der Gellertstraße nichts mehr normal. Die Festung Fischerwiese, so wird das Stadion im Volksmund genannt, brennt, obwohl man nach einer herausragenden Saison den Aufstieg aus der Regionalliga in Liga drei geschafft hatte und viele Zuschauer hofften, dass sich alle Verantwortlichen endlich wieder auf Fußball konzentrieren würden. Doch es kam anders …

Mehr gibt es freilich auch noch

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