Zita Rabek lebt in Kapstadt, Südafrika. Sie ist die letzte von drei Schwestern, die geblieben ist. Angst vor der unfassbaren Gewalt gegen Weiße und der marode Zustand des Landes vertrieben die anderen. Nachts wagt sich Zita nicht außer Haus. Die Fenster sind vergittert, die Türen verbarrikadiert.

Ein Interview geführt von Elsa Mittmanngruber

„Wochenblick“: Wie und warum siedelte Ihre Familie in Südafrika?

Zita Rabek: 1899 kamen meine Urgroßeltern mütterlicherseits als Missionare nach Deutsch-­Südwestafrika (heute Namibia). Mein Urgroßvater übersetzte das Lukas-Evangelium in die Ovambo-Sprache, für seine Arbeit bekam er eine Medaille des Kaisers. Die Urgroßeltern väterlicherseits kamen als Waffenschmiede 1906 aus Hamburg.

Einer meiner Urgroßväter gründete A. Rosen­thal, ein Geschäft, das heute noch besteht, jedoch nicht mehr im Familienbesitz ist. Er kaufte eine 4000 ha große Farm außerhalb Okahandjas. Das Farmhaus baute er 1907. Mein Cousin, Horst Rosenthal, wohnt heute noch dort und bewirtschaftet die Farm, unter anderem mit Rindern und Ziegen.

Mein Vater kam 1960 als Flüchtling aus Ungarn nach Windhoek, wo er meine Mutter traf. Meine zwei Schwestern und ich besuchten die Deutsche Schule in Windhoek und wuchsen in einer engen, traditionellen Gesellschaft auf.

1982, nach dem Tod meines Vaters, zogen wir aufgrund politischer Umstände nach Kapstadt. Die Umstellung von Deutsch und Afrikaans auf Englisch war ein Kulturschock, und wir brauchten zwei Jahre, um uns einzugewöhnen.

Fühlen Sie sich als Deutsche oder als Südafrikanerin?

Wir sind alle dreisprachig, haben aber unser deutsches Kulturgut beibehalten und unseren Kindern weitergeschenkt. Wir empfinden uns als Deutsche, die im Ausland leben.

Sowohl Deutschland als auch Südafrika sind unsere Heimat. Wir fühlen uns überall wohl, passen aber irgendwie nirgends so richtig hin. Dennoch lieben wir das südliche Afrika.

Sind Familienmitglieder wieder ausgewandert?

Ja. 2001. Sieben Jahre, nachdem der ANC (African National Congress) die Landesführung übernommen hatte, wanderte meine jüngste Schwester nach England aus. Korruption, ein niedergehendes Schulsystem, BBBEE (breit angelegte Stärkung von Schwarzen), eine fallende Währung und keine Aussicht auf Arbeit waren die Gründe.

Ebenso wanderte meine mittlere Schwester 2011 wegen der hiesigen Gewalt, dem minderwertigen Schulsystem und der Arbeitslosigkeit nach Amerika aus. Ich blieb wegen meiner Mutter und meinem Stiefvater hier, die jedoch vor drei Jahren verstarben.

Aber meine Kinder nehmen Reißaus. Eine Tochter lebt bereits in London, die anderen zwei planen auch, auszuwandern.

Warum sind Sie noch dort?

Wir haben ein Geschäft mit 33 Angestellten, die abhängig von uns sind. Die Mehrzahl ist schwarz. Wir stellen allerdings ausschließlich Schwarze aus Zimbabwe an, da sie eine bessere Schulausbildung haben, härter arbeiten und wesentlich freundlicher gesinnt sind.

Wir zahlen mehr als das Mindestgehalt und haben ein wunderbares Verhältnis zu ihnen. Die meisten sind schon seit zehn Jahren bei uns und sind Teil unserer Familie.

Wir sind auch in einem Alter, in dem es nicht so leicht ist, wieder neu anzufangen. Wir lieben dieses Land so sehr, haben aber Angst um unsere Zukunft und haben deswegen ein Haus in den USA gekauft. Wir planen, auch auszuwandern.

Das Team der „Coffee Roasting Company“: Hier gibt es keine Probleme zwischen Schwarzen und Weißen.

Wurdet Ihr schon von Schwarzen direkt angegriffen?

Persönlich wurden wir nicht angefallen, da wir immer sehr vorsichtig sind. Aber wir haben Angst und schützen uns, indem wir unsere Häuser mit vergitterten Fenstern und Türen verbarrikadieren. Nur, wenn absolut nötig, fahren wir nachts herum.

Während der Abfahrt und Ankunft daheim sind wir immer extrem vorsichtig, vor allem, wenn wir verfolgt werden oder Menschen auf der Straße vor unserem Haus herumlaufen. Verdächtige Autos/Menschen werden notiert und unserer „Neighbourhood Watch“-Gruppe geschickt.

Das ist unsere eigens formierte Nachbarschaftswache, bei der auch wir monatlich in der Nacht auf den Straßen patrouillieren. Dabei sind wir mit der „Armed Response“-Firma in Kontakt, die uns Alarm- und Panikknöpfe bereitstellt, die wir aber selbst bezahlen müssen.

Leider werden unsere Farmer täglich gezielt gequält und abgeschlachtet. Unser Präsident meint, es gäbe keine Angriffe auf Farmer.

Zita Rabek, vereint mit ihren Schwestern und ihrer mittlerweile verstorbenen Mutter. Ihre Schwestern sind bereits ausgewandert.

Warum wird diese Gewalt in der restlichen Welt so wenig thematisiert?

Wenn wir das nur wüssten! Persönlich denke ich, dass der Rest der Welt die Wahrheit nicht wissen will.

Was muss passieren, damit den Weißen dort geholfen ist?

Die Frage sollte lauten: „damit allen geholfen ist …“. Denn: Wenn den Weißen geholfen ist, ist allen geholfen. Wir brauchen eine neue, faire Regierung. Alle ANC-Mitglieder sind korrupt und sind uns Rechenschaft schuldig.

Sie müssen büßen für die brutalsten Verbrechen gegen Menschenrechte ALLER Südafrikaner! Ob das jemals passiert, ist fraglich, da unsere Regierung unter der Knechtschaft Chinas steht.

Was sagen Sie zu den „Black Lives Matter“-Protesten?

Es ist eine Beleidigung! Dies nährt die destruktiven Narrative der Opferkultur und führt zu hass­erfüllter Gewalt. Damit kommt niemals jemand auf einen grünen Zweig! Das will bloß keiner hören. Wie wäre es, wenn man wahre Nächstenliebe in den Medien predigt?

Wie ist die Situation jetzt durch Corona?

Schrecklich! Der härteste Lockdown der Welt! Brutal! Alle Menschenrechte wurden uns genommen. Es wird hier zweigleisig gerichtet und gezielt gegen die Mittelklasse und kleine Unternehmen vorgegangen.

Der Lockdown selber wurde aber nur in der Mittelklasse eingehalten. Die Armenviertel können das nicht. Nach hundert Tagen gibt es kaum Tote (ca. 4.000); viele Infizierte, aber die überwiegende Anzahl genesen.

Nichtsdestotrotz haben wir Ausgangssperre, Alkohol- und Zigarettenverbot, und viele Firmen können immer noch nicht öffnen. Die Arbeitslosigkeit steigt täglich (man kann den Zahlen nicht trauen), Hungersnot und Elend sind an der Tagesordnung. Das Land steht nahe dem Abgrund. Nur ein Wunder kann uns noch retten.