„Neu“ ist nicht immer besser! Beim plumpen Versuch der österreichischen TV-Sender, egal ob privat oder öffentlich-rechtlich, eine Amerikanisierung der politischen Fernsehkonfrontationen vor Wahlen abzukupfern, ist das Ergebnis mehr als peinlich.

Eine Analyse von Philipp Samhaber

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Politik als Entertainment-Programm

„Entweder ganz oder gar nicht!“ – müsste die Devise lauten. Das Resultat, welches den Zuschauern jedoch präsentiert wird, ist eine unrunde, lächerliche Farce. Wenn schon der Show-Charakter unbedingt eine besondere Bedeutung haben muss, dann bitte in anderen TV-Formaten bzw. -Sendungen. Politik ist zu wichtig, um daraus ein Entertainment-Programm zu gestalten.

Rolle des Moderators hat sich massiv verändert

Früher war eine Konfrontation im Fernsehen, eben genau das und kein „Duell“. Der Moderator hat sich sehr zurückgenommen, sanft durch die Sendung geführt und die politischen Protagonisten konnten schmerzbefreit Sachthemen diskutieren. Es war ein klares Darstellen von Positionen, Überzeugungen und Ideen möglich. Ein Anfeinden und Lächerlichmachen der Gegenseite wie heute, wäre nicht Infrage gekommen. Auch solche Ereignisse tragen zur generellen Politikverdrossenheit der Bürger bei. Weiters hat sich die Rolle des Moderators massiv verändert.

Durch ständiges Einmischen und Dazwischenfunkens kann keine natürliche Gesprächskultur entstehen. Darüber hinaus haben viele Moderatoren das Bedürfnis ihre eigenen politische Überzeugungen in die Debatte miteinzubringen. Auch wenn die meisten journalistisch tätigen Menschen keiner politischen Partei angehören, ist jedoch der Großteil einem bestimmten Spektrum zuzuordnen. Daher ist eine unabhängige, gesinnungsfreie Berichterstattung bzw. in diesem Fall Moderation einfach nicht möglich.

Fragwürdige Showelemente

Zusätzlich zum aufgebauten Duell-Charakter der Sendungen, bedient man sich weiterer eingeführter Showelemente. Dabei handelt es sich beispielsweise um unsinnige „Quickumfragen“ direkt bzw. eigentlich während der Debatten. Die Ergebnisse, welche dann präsentiert werden, sagen eigentlich nur aus, welcher Kandidat es geschafft hat mehr Anhänger zum Zuschauen und „Mitspielen“ zu motivieren. Tatsächliche fundierte, repräsentative Resultate können gar nicht vorliegen, dass ist einfach nicht möglich. Den Abschluss der Diskussionsabende bilden zumeist direkt darauffolgende „Nachduellanalysen“.

Die Haus- und Hofanalysten des jeweiligen TV-Senders geben ihren pseudoanalytischen und alles nur nicht gesinnungsunabhängigen Senf zum Besten. Hierbei handelt es sich um ein völlig sinnloses Unterfangen, denn man kann es gar nicht oft genug betonen, kein Mensch ist in der Lage völlig objektiv zu sein. Jede Person wurde im Laufe des Lebens durch viele Faktoren sozialisiert.

Rückbesinnung auf würdevolle TV-Debatten

Zu glauben, man könnte seine Überzeugungen bei politischen Analysen komplett unterdrücken, der irrt. Denn auch der unterbewusste Einfluss unserer Grundsätze ist allgegenwärtig. Es wäre daher endlich an der Zeit, das TV-Konfrontationen-Rad zurückzudrehen. Der sinnfreien Versuch der amerikanischen Politik-Entertainment-Shows muss gestoppt werden, um ein Rückbesinnen auf würdevolle politische Fernsehdebatten zu ermöglichen.