Seit 7. Juni reicht nunmehr ein Antigen-Test in Kombination mit einem digitalen Gesundheitsformular (www.spth.gob.es) zur Einreise nach Spanien. Seitdem landen an den internationalen Flughäfen die Passagiermaschinen wieder im Minutentakt. Die Gastronomie läuft derweil fast normal – ganz ohne Eintrittstest-Schikanen.

Von James Osch

Am 21. Juni, rechtzeitig zum großen Volksfest im Namen und zu Ehren von San Juan, wird in Katalonien die Nachtgastronomie wieder bis 3:30 Uhr öffnen dürfen, zusätzlich gibt es eine halbe Stunde „Karenzzeit“ zum Verlassen des Lokals. Ein Tanzverbot wie an spaßbefreiteren Orten wird es dabei nicht geben, Maskenpflicht theoretisch schon.

Die Maske fällt langsam

Was die Spanier – zumindest in großen Städten wie Madrid und Barcelona – von der „mascarilla“ halten, sieht man aber jetzt schon täglich auf den Straßen: Geschätzte 3/4 tragen den Angstlappen noch im Gesicht, die anderen sind entweder ganz oben ohne unterwegs oder tragen die Maske unterm Kinn bzw. wenigstens unter der Nase. Nachts kehrt das Verhältnis sich um und die Maskenfreien sind je nach Viertel bereits merklich in der Überzahl. Repressalien von offizieller Seite sind dabei keine mehr zu beobachten.

Regionale Unterschiede

Menorca hat andere Covidiano-Regeln als Ibiza, Teneriffa und Lanzarote haben etwas andere Beschränkungen als die restlichen Kanareninseln. Das Regel-Wirrwarr ist schwer zu überblicken und in seiner Sinnhaftigkeit auch schwer zu begreifen. Um es dem geneigten Spanienurlauber leichter zu machen, sich für eine Region zu entscheiden – ein wenig auch, um den regelwütigen Irrsinn aufzuzeigen – hier ein Überblick der aktuellen Freiheitseinschränkungen in den beliebtesten Ferienregionen:

Andalusien: Derzeit hat die Gastronomie hier bis Mitternacht offen, innen dürfen bis zu 8 und außen bis zu 10 Personen an einem Tisch sitzen. Nachtklubs dürfen bis 2 Uhr öffnen, ob (mit Maske) getanzt werden darf, hängt davon ab, in welcher Inzidenzzone eines regionalen 4-Stufenplanes man sich gerade aufhält.

Balearen: Gruppenbeschränkungen bei privaten Treffen sind ganz aufgehoben.

Auf Mallorca und Ibiza hat die Innengastro zu, auf Terrassen darf man zu viert an einem Tisch sitzen. Auf Menorca und Formentera dürfen innen 4 Gäste gemeinsam speisen, außen 6. Sperrstunde ist auf allen Inseln 22:30 Uhr.

Kanaren: „nivel 1“ – außer auf Teneriffa und Lanzarote dürfen sich auf allen anderen Inseln Gruppen von bis zu 10 Personen privat treffen und außen dürfen diese auch alle zusammen essen. Innen müssten sie sich auf zwei Tische verteilen, da das Limit dort 6 ist.

Auf den Inseln, die als „nivel 2“ klassifiziert sind – also Teneriffa und Lanzarote – dürfen sich hingegen nur 6 Personen gemeinsam aufhalten und an Terrassentischen sitzen. In Innenräumen ist die zulässige Höchstzahl der Gäste an einem Tisch vier. Sperrstunde ist auf allen Inseln um Mitternacht.

Katalonien: Hier ist die Sperrstunde 1 Uhr, man darf innen wie außen zu 6 an einem Tisch sitzen und sich privat in Gruppen von bis zu 10 Personen treffen. Die Auslastung der Kapazitäten darf innen 50 % betragen, außen 100 %. Bei der kommenden Öffnung der Nachtgastronomie wird es keine Abstandsregeln geben, wohl aber Maskenpflicht und Eintragung in ein Gästeverzeichnis, welches die Betreiber einen Monat lang aufbewahren müssen.

Valencia: Keine Beschränkungen von Gruppengrößen, in der Gastronomie generell maximal 10 Personen an einem Tisch. Sperrstunde allgemein 1 Uhr, für Nachtklubs 2 Uhr. In Innenräumen ist die Belegung auf 50 % der Kapazität beschränkt. Tanzverbot!

Madrid: Aktuelle Sperrstunde 1 Uhr, außen maximal 8 Personen an einem Tisch, innen 6. Erlaubte Auslastungen: innen 50 %, außen 75 %. Verzehrverbot am Tresen!

Baskenland: Generelle Sperrstunde ist bei den Basken um Mitternacht, gemeinsames Essen ist – innen wie aussen – Gruppen von bis zu 6 Personen erlaubt.

Das Gesundheitsformular auf www.spth.gob.es ist für Reisende jeden Alters obligatorisch und ist zusätzlich zur Webseite (auch auf Deutsch) als App unter dem Namen „Spain Travel Health – SpTH“ für Android und iOS erhältlich. Zusätzlich ist ein von der EU-Kommission zugelassener Antigen-Test notwendig. Dieser darf bei der Einreise nicht älter als 48 Stunden sein. Kinder unter 12 Jahren sind von dieser Nachweispflicht ausgenommen, das Gesundheitsformular muss aber in jedem Fall ausgefüllt werden.
Der grüne Pass, der die 3-Gs vereinen soll, ist in Spanien inzwischen in der Realität angekommen: Seit letzter Woche ist der sogenannte pasaporte-COVID online verfügbar. In Katalonien (7,7 Mio EW) wurde die App in den ersten Tagen nach ihrem Erscheinen von ca. 150.000 Bürgern installiert. Insgesamt haben bisher ungefähr 40 % der Bevölkerung sich einmal impfen lassen, ein gutes Viertel hat bereits zwei Dosen erhalten.

War alles nur Spaß?

Ein wenig aufatmen dürften viele Spanier derzeit nicht nur wegen des Neustarts des für das Land überlebenswichtigen Tourismus: Aktuell berät das Verfassungsgericht darüber, alle der teilweise exorbitanten, über eine Million Strafmandate des ersten Lockdowns als unkonstitutionell aufzuheben. Vieles deutet darauf hin, dass wie bei den Masken die Suppe in Spanien nicht so heiß gegessen wird, wie sie gekocht wurde. Eben wie gazpacho andaluz.

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