Die Aufregung um SPÖ-Kanzler Christian Kern hört nicht auf: Nachdem Kern auf Facebook zornig dem Gratis-Blättchen „Österreich“ einen Inserate- und Interview-Boykott angekündigt hatte, schaltet sich jetzt die deutsche „Bild“-Zeitung ein. Und sie spart nicht an Spott über unserem Kanzler!

Angesichts des von Kerns ausgesprochenem Boykotts von Inseraten und Interviews nennt die auflagenstarke „Bild“ Kern in der beliebten Kategorie „Gewinner / Verlierer“ eine „Prinz-ösi-n auf der Erbse“ und einen „Alpen-Pfau“.

Geheimpapier ließ Kanzler platzen

Der Hintergrund: Die „Österreich“-Zeitung hatte angeblich aus dem SPÖ-Umfeld stammende, brisante Geheimpapiere veröffentlicht, in denen Kern u.a. als „ungemein eitler“ Politiker mit dünnem Nervenkostüm und als „Prinzessin mit Glaskinn“ bezeichnet wurde („Wochenblick“ berichtete).

Darauf reagierte Kern sichtlich ungehalten. Auf Facebook erklärte er, dem Gratis-Blättchen keine Inserate mehr zukommen lassen zu wollen. Angesichts des Umstands, dass sich solche Zeitungen häufig maßgeblich durch Inserate finanzieren, eine empfindlicher finanzieller Einschnitt!

Brisanter Vergleich

Auch der bildhafte Vergleich der deutschen Zeitung birgt Sprengstoff: Denn der männliche Pfau-Vogel verwendet seinen farbenfrohen Mega-Fächer nicht nur als protziges Lockmittel für Sex, sondern auch dazu, Feinde abzuschrecken!

christian kern alpen pfau

„Bild“-Legende mahnt Pressefreiheit an

Deutsche Journalisten verfolgen die Debatte in Österreich offenbar mit wachsender Neugier: Auch Ex-„Bild“-Boss Kai Diekmann äußerte sich dazu.

„Ein Interview-Boykott ist das eine. Als Politiker darf ich mir aussuchen, wem ich ein Exklusiv-Interview gebe. Auch das ist aber nicht souverän. Unzulässig ist es, Medien durch wirtschaftlichen Druck abzustrafen. Das ist ein klarer Verstoß gegen die Regeln der Pressefreiheit“, betont Diekmann im Interview mit der APA.

kai diekmann christian kern

Kern als zweiter Erdogan?

„Das ist eine Sache, die einen nur den Kopf schütteln lässt“, unterstreicht er. Besonders schwerwiegend: Diekmann sieht Parallelen zur Einschränkung der Pressefreiheit in der Türkei!

Die „Bild“-Legende betont: „Wenn der österreichische Bundeskanzler dem türkischen Präsidenten zu Recht unakzeptable Angriffe auf die Pressefreiheit vorwirft, dann muss er zuerst vor der eigenen Tür kehren, wenn er sich so an der Pressefreiheit vergreift.“

Muss jetzt Gusenbauer helfen?

Nun eilt Ex-Kanzler Gusenbauer Kern offenbar zu Hilfe: Er will die „Österreich“-Zeitung laut Medienberichten klagen!

„Weder Dr. Alfred Gusenbauer noch sein Büro waren direkt oder indirekt an der Erstellung des von ‚Österreich‘ zitierten ‚Strategiepapiers‘ beteiligt“, erklärte dessen Anwalt Michael Rami.

gusenbauer christian kern tal silberstein

PR-Supergau für „Pizzakanzler“

So oder so dürfte feststehen: Das Bild des souveränen SPÖ-Kanzlers hat erneut enorme Kratzer abbekommen.

Bereits der vermeintlich bürgernahe Auftritt als „Pizzakanzler“ stieß in der Öffentlichkeit auf erheblichen Spott. Der „Wochenblick“ hatte enthüllt, dass u.a. ein SPÖ-Funktionär beliefert wurde. Das glasklare Urteil vieler Internet-Nutzer: Einfach peinlich!