Der deutsche Rapper „Kollegah“, einer der erfolgreichsten Künstler seiner Zunft im deutschsprachigen Raum, sagt jetzt Mainstream-Medien den Kampf an. Im Zuge einer aktuellen „Echo“-Nominierung wurden er und sein Rapperkollege „Farid Bang“ von mehreren deutschen Zeitungen in ein antisemitisches Licht gerückt.

Jetzt heizt Kollegah in mehreren Video-Stellungnahmen den Mainstream-Zeitungen ordentlich ein, bezichtigt sie, bewusst einzelne Zeilen aus dem Kontext zu reißen, um Schlagzeilen machen zu können.

Problematische Textzeile

Wirklich wichtige Themen würden außerdem von diesen Medien nicht behandelt, so der bekannte Sprechgesangs-Künstler. Kollegah hat auf Facebook 1,8 Millionen Follower und hängt auch bei Verkaufszahlen seine Konkurrenten beachtlich ab.

Worum geht es im konkreten Fall? Die beiden „Battle-Rapper“ wurden mit ihrem Album „JBG 3“ („Jung, brutal, gutaussehend“) für den deutschen „Echo“-Musikpreis nominiert. Auf dem genannten Album befindet sich unter anderem die umstrittene Metapher „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“.

Videointerview verweigert

Wegen dieser Textzeile berichtete vor allem die deutsche BILD mehrmals, sprach etwa von „Hip Hop und Judenhass„.

Weil die BILD auch offenbar mehrmals versuchte, Kollegah telefonisch zu erreichen, bot er der Zeitung ein Videointerview an, das im Anschluss auf Youtube hochgeladen wird, um eine mögliche Verzerrung zu verhindern. Nach derzeitigem Stand (6. April) ging die Bild auf das Angebot des Rappers nicht ein.

Antisemitische Rapper?

Aber auch andere große deutsche Zeitungen berichteten, so etwa „Spiegel Online“ und die „FAZ“.

Nun: Ist die Annahme, Kollegah und oder Farid Bang seien antisemitisch, weit hergeholt oder nicht? Ein Blick in die „Rap-Szene“ zeigt: Ähnliche Textzeilen, die stark übertrieben sind und bewusst provozieren sollen, werden von vielen verschiedenen Rappern verwendet.

Medien schweigen in anderen Fällen

Kollegah spricht von einer gezielten Hetzkampagne, bei der man einzelne Zeilen gezielt aus dem Kontext reißen würde. Er selbst zog schon in einem weihnachtlichen Rap-Song den Vergleich „Wir sorgen für Bombenstimmung wie Menschen in Syrien.“ Medienmeldungen gab es hierzu überraschenderweise nicht.

Der Rapper reiste vor zwei Jahren nach Palästina, um sich persönlich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen.

Unpolitische Hip-Hop-Musik

Naheliegend für Beobachter ist, dass Antisemitismus und generell Politik in der HipHop-Musikszene, die traditionell stark multikulturell durchsetzt ist, eher eine geringe Rolle spielen dürften. Der Rapper sagt klipp und klar: „Es wird künstlich ein Riesen-Fass aufgemacht!“

Weiter spricht Kollegah von Rufschädigung und sagt in Richtung der Bild: „Die Jugend stirbt euch weg, niemand liest euch mehr. Dass nicht auf sein „faires Interviewangebot“ eingegangen worden wäre, wäre der Beweis dafür, dass kein Interesse an einer ernsthaften Diskussionen bestünde.

Fans stimmen ihm zu

Felix Blume, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, sagt: Seine Hörerschaft „peilt das“ und fällt nicht darauf rein. Unter seinen Facebook-Beiträgen ist wenig überraschend nur Zuspruch zu finden:

„Berichtet über #Pizzagate!“

In einem anderen Video, das Kollegah offenbar beim morgendlichen Joggen zeigt, trifft der Rapper einige besonders brisante Aussagen.

So macht er einen Aufruf an alle Journalisten in Deutschland, „alle Redakteure, die noch ein Gewissen haben“, wie er sagt, über „Pizzagate“ zu berichten und bietet diesen Redakteuren dafür noch 25.000 Euro an. Denn die Mainstream-Medien dürften darüber nicht schreiben, betont der Rapper.

Brisante Vorwürfe gegen Clinton

Wofür steht der Begriff „Pizzagate“? Konkret für eine Wirbelmeldung aus dem US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf von 2016. Behauptet wurde, dass von einer Pizzeria in Washington D.C. aus ein Pädophilen-Ring agieren würde und Hillary Clinton damit in Zusammenhang stünde.

Ein Mann, der die Pizzeria mit einem Sturmgewehr stürmte, konnte vor Ort niemanden ausfindig machen.

Hochrangige Pädophilenringe

Generell gibt es aber immer wieder Meldungen und Mutmaßungen, wonach hochrangige Personen in Kinderpornoringe verwickelt sein könnten. Der brisanteste Fall zu diesem Thema, der auch dokumentarisch festgehalten wurde, war der Skandalfall von Marc Dutroux in den 90er-Jahren in Belgien.

Dutroux hatte über Jahre hinweg mehrere Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 19 Jahren eingesperrt, sexuell missbraucht und die Taten teilweise gefilmt. In den Fall verwickelt war auch ein hochrangiger Geschäftsmann, der aber nur wegen geringeren Vergehen verurteilt wurde.

Das ZDF – als einer der absoluten, bemerkenswerten Ausnahmen unter den Mainstream-Medien – hielt den Fall 2001 in einer Reportage fest.

Wird Promi-Pädophilie vertuscht?

Der Fall erlangte unter anderem deswegen Aufsehen, weil während der Ermittlungszeit insgesamt 27 Zeugen ums Leben gekommen sein sollen. Der Staatsanwalt Hubert Massa beging im Juli 1999 Suizid. Es konnte kein eindeutiges Motiv geklärt werden.

Dutroux betonte immer wieder, nur „ein Handlanger“ gewesen zu sein und „mächtige Leute“ hinter sich zu haben, machte aber nie konkrete Angaben. Der belgische Polizist Patrick Debaets sagte über seine Ermittlungen in dem Fall: „Sobald man gegen Pädophilie vorgehen will, stößt man auf ein System von Protektionen und bekommt sofort Probleme.“